Ungeliebtes Spiegelbild: Vor allem bei heftigen Entzündungen und zu Narben neigenden Akne-Knötchen leidet die Seele empfindlich mit. / © Getty Images/Irina Boriskina
Smartphone-Akne? Ja, die gibt es! »In meiner Sprechstunde erlebe ich mehrmals pro Woche die gleiche Situation: Bei ausgeprägten Unreinheiten, einer perioralen Dermatitis oder wiederkehrender Impetigo wird jede äußere Ursache kategorisch ausgeschlossen. ›Nein, das kann nicht von außen kommen. Meine Tochter ist sehr penibel und achtet extrem auf Hygiene‹, heißt es dann«, berichtet Dermatologe Dr. German Hubatsch.
»Nicht jede Entzündung entsteht durch Keime von außen. Aber erstaunlich viele wiederkehrende Hautinfektionen lassen sich erst dauerhaft lösen, wenn man den Urheber findet«, sagt der niedergelassene Hautexperte aus Neu-Isenburg. Dabei sei das Handy nur ein Beispiel. »Auch Make-up-Utensilien, Sonnencremes oder Wasserhähne können als Reservoir für immer wiederkehrende Hautprobleme dienen.«
Smartphones seien nachweislich Keimreservoire und werden Dutzende bis Hunderte Male pro Tag an Gesicht, Mundregion und Wangen gehalten, sensibilisiert er. In Kombination mit Wärme und Strahlung, die vom Smartphone ausgehen, können bis zu 22.000 Bakterien pro cm2 über längere Zeiträume überleben, wie Untersuchungen zeigen, etwa Escherichia coli, Staphylococcus aureus oder Enterococcus spp.
Diese schaffen besonders dem Bakterium Cutibacterium acnes ein günstiges Mikroklima. Es kann sich dann unter den anaeroben Bedingungen des verstopften Follikels stark vermehren. »Im Unterschied zur gewöhnlichen Akne zeigt sich die Smartphone-Version auf einer Gesichtshälfte verstärkt. Es sind auch keine Komedonen zu finden, sondern hauptsächlich entzündliche Läsionen, die ihrerseits zu Papeln und Pusteln führen«, so Hubatsch.
Unabhängig von der Ausprägung der Effloreszenzen kommt der richtigen Reinigung und Pflege bei Akne-Haut eine wesentliche Rolle zu. Die fachkundige Beratung in der Offizin sei essenziell, ungeeignete Präparate verschlechterten das Hautbild, weiß Dermatologin Dr. Michaela Axt-Gadermann. »Reinigungs- und Pflegepräparate müssen sauer eingestellt sein, da der physiologische pH-Wert der Haut abhängig von der Körperregion zwischen 4,1 und 5,8 liegt. Cutibacterium acnes lässt sich nur in Schach halten und sein Wachstum reduzieren, wenn der pH-Wert sauer ist«, sagt die Professorin für Gesundheitsförderung von der Hochschule Coburg.
»Der saure Haut-pH-Wert, also der Säureschutzmantel der Haut, schützt nicht nur vor Alterung, sondern auch vor der Ausbreitung unerwünschter Bakterien«, so die Mikrobiomspezialistin. »Basische Hautpflege oder Basenbäder sind deshalb völlig kontraproduktiv – bei Akne oder auch Neurodermitis. So ist bei Letzterer das Wachstum von Staphylococcus aureus einzudämmen. Die Staphylokokken versuchen nämlich selbst, den pH-Wert ins Basische zu bringen, weil sie damit ihre Wachstumsbedingungen verbessern. Ähnlich ist die Situation bei Akne. Durch eine saure Reinigung bleibt dagegen die natürlich vorkommende Flora an Bakterien und Hefen auf der Haut im Gleichgewicht.«
Die Hautärztin rät vielmehr zu schwach sauren fettfreien Reinigungsgelen oder Emulsionen mit geringem Lipidanteil (möglich sind etwa Neostrata® Foaming Glycolic Wash, Dermasence® Mousse Reinigungsschaum, Eucerin® Dermo Purifyer). Antibakterielle Zusatzstoffe könnten hilfreich sein. Zudem sollte das Reinigungsprogramm nicht zu stark entfetten, da es die Produktion von Talg erst recht in einer Art Gegenreaktion anfachen kann. Auch die Hautpflege sollte dem physiologischen pH-Wert der Haut angepasst und frei von ionischen Stabilisatoren und Emulgatoren sein. Gut geeignet sind hydrophile Systeme wie O/W-Formulierungen, Hydrodispersionsgele oder reine Hydrogele (wie Neostrata® Renewal Creme und Bionic Face Creme, Benevi® Hydroderm, Balneum® Lutsine).
Ein ein- bis zweimal wöchentliches Gesichtspeeling befreit die Haut von übermäßigen Talgdrüsenlipiden, Zellrückständen und Feinstäuben. Dafür eignen sich Fruchtsäurepeelings mit Glykolsäure und Co. und solche mit Salicylsäure (wie Vichy Normaderm Reinigungs-Peeling-Gel, Avène Cleanance Peeling Maske, Aknefug® Liquid). Auch enzymatische Peelings mithilfe von Aprikosenkernmehl oder Walnussschalen haben sich bewährt. Diese sanfte Abreibung ist allerdings nur so lange sinnvoll, wie die Komedonen nicht entzündet oder eitrig sind, ansonsten riskiert man Schmierinfektionen.
Seit wenigen Wochen gibt es eine neue topische Behandlungsoption: Clascoteron (Winlevi® 10 mg/g Creme, Infectopharm) ist ein antiandrogener Behandlungsansatz, geeignet für alle Akne-Formen und -Schweregrade – unabhängig vom Geschlecht. Bei Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren darf es ausschließlich im Gesicht angewendet werden, bei Erwachsenen auch auf der Brust und/oder dem Rücken.
Clascoteron greift als Androgenrezeptorantagonist direkt an der hormonellen Ursache der Akne an und blockiert lokal in der Haut die Bindung von Dihydrotestosteron an die Rezeptoren. Dadurch werden Talgproduktion und -ansammlung unterdrückt und Entzündungsmediatoren reduziert. Weil es in der Haut schnell zu einer inaktiven Form metabolisiert wird, hat es nahezu keine systemische antiandrogene Wirkung und kann bei weiblichen sowie männlichen Betroffenen angewendet werden.
»Das ist ein neuer, interessanter Ansatz, und die topische Darreichung ist für die Praxis von großem Vorteil«, wertet Professorin Dr. Christiane Bayerl, Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Helios Kliniken Wiesbaden. Bislang war eine antiandrogene Behandlung nur per hormonellen Kontrazeptiva oder im Off-Label-Gebrauch mit dem Aldosteron-Antagonisten Spironolacton möglich.
Beratungshinweis: Clascoteron sollte zweimal täglich morgens und abends gleichmäßig dünn auf den gesamten betroffenen Bereich aufgetragen werden – also nicht nur auf die Akneläsionen. Das steht im Gegensatz zur Anwendung von topischen Retinoiden (Adapalen, Tretinoin, Trifaroten) sowie Antibiotika. Diese sind punktförmig und nicht flächig aufzutragen.
Das Vitamin-A-Derivat Isotretinoin ist derzeit das potenteste Akne-Therapeutikum. Es sollte möglichst frühzeitig zum Einsatz kommen, wenn die Haut eine starke Entzündungs- und Vernarbungstendenz zeigt. Die damit erzielbare lang anhaltende Remission ist mit keiner anderen Akne-Therapie zu erreichen. »Mit Isotretinoin lässt sich vor allem die erhöhte Differenzierungsrate der Zellen effektiv einstellen, indem der entsprechende Rezeptor gehemmt wird. Das macht die Substanz und auch die topischen Retinoide so potent«, informiert Bayerl. Die Zurückhaltung bezüglich der oralen Einnahme hält die Hautärztin für nicht mehr angezeigt. »Ich rate relativ frühzeitig zur Isotretinoin-Einnahme – auch weil wir in den zurückliegenden Jahrzehnten gelernt haben, mit der Substanz umzugehen.«
Eine wichtige Erkenntnis der vergangenen Jahre ist das Runterfahren in der Dosierung. »Wir sind heute weg von den höheren Dosierungen. Eine Minidosis von 10 bis 20 mg genügt, oft reicht es auch, nach einer Art Stoßtherapie nur alle zwei Tage 10 mg Isotretinoin über zwei bis drei Jahre zu nehmen. Für die positiven Effekte benötigen wir dadurch etwas mehr Zeit, die Nebenwirkungen sind dafür aber reduziert«, nimmt Bayerl die Angst vor unerwünschten Begleiterscheinungen.
Die Lieferfähigkeit von Isotretinoin-haltigen Präparaten ist derzeit ziemlich angespannt. Seit Monaten schon sind nur noch sporadisch Weichkapseln zu bekommen. Das könnte an einem Beauty-Trend der Stars und Sternchen in Hollywood liegen. In der Ästhetik- und Anti-Aging-Szene boomt seit geraumer Zeit die niedrig dosierte Isotretinoin-Gabe ein- bis zweimal pro Woche – um faltenfrei mit dem gewissen Glow in die Kamera lächeln zu können.
Dabei nutzt man gewissermaßen eine angenehme Nebenwirkung Vitamin-A-Säure-(Tretinoin-)haltiger Präparate aus: Sie regen nachweislich die Kollagenbildung an, setzen die Faltentiefe herab, verbessern die Verbindung zwischen Epidermis und Dermis und wirken aufhellend.