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Clascoteron
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Erstes neues Mittel bei Akne seit 40 Jahren

Die therapeutischen Möglichkeiten bei Akne vulgaris sind schon lange unverändert. Nun kam mit Clascoteron der erste topische Androgenrezeptor-Inhibitor auf den Markt – laut Hersteller Infectopharm die erste Neuerung seit 40 Jahren.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 30.06.2026  07:00 Uhr

Akne vulgaris ist eine der häufigsten Erkrankungen überhaupt. Fast alle Jugendlichen sind zu irgendeinem Zeitpunkt davon betroffen und teilweise persistiert die Akne bis weit ins Erwachsenenalter hinein. Die für Akne typischen Mitesser entstehen, wenn der Kanal eines Talgdrüsenfollikels durch Talg und/oder Hornschuppen verstopft und sich entzündet. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Bakterium Cutibacterium acnes (ehemals Propionibacterium acnes), das sich unter den anaeroben Bedingungen des verstopften Follikels stark vermehren kann.

Therapeutisch stehen Benzoylperoxid (topisch), Retinoide (topisch oder systemisch) und Antibiotika (topisch oder systemisch) zur Verfügung. Zudem wird teilweise der Aldosteron-Antagonist Spironolacton im Off-Label-Gebrauch eingesetzt. Hierbei macht man sich die antiandrogene Wirkkomponente von Spironolacton zunutze, denn häufig beruht die Überproduktion von Talg auf einem (temporären) Androgenüberschuss. Allerdings hat Spironolacton bei systemischer Anwendung zahlreiche potenzielle unerwünschte Wirkungen.

Mit Clascoteron (Winlevi® 10 mg/g Creme, Infectopharm) gibt es nun auch ein antiandrogenes Topikum zur Therapie bei Akne vulgaris. Bei Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren darf es ausschließlich im Gesicht angewendet werden, bei Erwachsenen auch auf der Brust und/oder dem Rücken.

Clascoteron ist ein Androgenrezeptor-Inhibitor. Bei topischer Applikation blockiert er lokal in der Haut die Bindung von Dihydrotestosteron an die Rezeptoren. Dadurch werden die Talgproduktion und -ansammlung unterdrückt und die Freisetzung von Entzündungsmediatoren reduziert. Clascoteron wird in der Haut schnell zu einer inaktiven Form metabolisiert; es hat daher nahezu keine systemische antiandrogene Wirkung und kann bei weiblichen sowie männlichen Jugendlichen und Erwachsenen angewendet werden.

Die Haut soll vor der Anwendung trocken und sauber sein. Die Creme wird zweimal täglich morgens und abends gleichmäßig dünn auf den gesamten betroffenen Bereich aufgetragen – also nicht nur auf die Akneläsionen – und sanft einmassiert. Augen, Augenlider, Lippen, Nasenlöcher sowie Schnittwunden, Abschürfungen, Stellen mit Hautekzem oder Sonnenbrand sollen ausgespart werden. Nach der Anwendung müssen die Hände gewaschen werden.

Der Abstand zwischen der Anwendung von Winlevi und der anderer Topika, Sonnenschutzmittel oder Feuchtigkeits-/Pflegecremes sollte mindestens zwei Stunden betragen. Zusammen mit lokalen Aknepräparaten zur Hautreinigung besteht ein erhöhtes Risiko für Hautreizungen, weshalb deren Anwendung vermieden oder mit Vorsicht erfolgen sollte. Vor dem Beginn einer photodynamischen Therapie soll Winlevi abgesetzt werden.

Systemische Resorption vermeiden

Zwischen den Applikationen von Winlevi sollen mindestens acht Stunden liegen. Die tägliche Gesamtdosis sollte bei Erwachsenen 5 g Creme und bei Jugendlichen 2 g Creme nicht überschreiten; das entspricht zehn beziehungsweise vier Fingerspitzen-Einheiten. Pro Monat sollten bei Jugendlichen maximal 60 g Creme verwendet werden. Um eine systemische Resorption zu vermeiden, dürfen keine Okklusivverbände über den behandelten Stellen angelegt werden.

Die Einschränkungen zielen darauf ab, systemische Wirkungen wie eine Suppression der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) zu vermeiden. Typische Symptome für eine HPA-Achsen-Suppression sind Müdigkeit, Gewichts- und Appetitverlust, niedriger Blutdruck, Hypoglykämie sowie gastrointestinale Symptome. Die Patienten sollen diese Symptome kennen und bei ihrem Auftreten den behandelnden Arzt aufsuchen.

Vor Beginn der Behandlung muss bei Frauen im gebärfähigen Alter eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Während der Anwendung und für bis zu zehn Tage nach der letzten Dosis müssen sie eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Während der Stillzeit wird die Anwendung von Winlevi nicht empfohlen. Das Stillen soll währenddessen unterbrochen werden.

Signifikanter Rückgang von Akneläsionen

Ausschlaggebend für die Zulassung waren die Ergebnisse der beiden Phase-III-Studien CB-03-01/25 und CB-03-01/26 mit insgesamt 1440 Teilnehmenden. Von diesen waren 19 zwischen 9 und 11 Jahre alt, 641 zwischen 12 und 17 Jahren und alle anderen 18 Jahre oder älter. Die Teilnehmenden hatten mittelschwere bis schwere Akne im Gesicht, gleichbedeutend mit einem Investigator’s Global Assessment (IGA) von 3 bis 4.

Die Behandlung erfolgte randomisiert und doppelblind zwölf Wochen lang zweimal täglich entweder mit Clascoteron-Creme oder mit einer Placebocreme. Die Wirksamkeit wurde anhand von drei gleichrangigen Endpunkten bewertet:

  • Anteil der Teilnehmenden, die in Woche 12 als »erfolgreich« eingestuft wurden. Dies war definiert als ein IGA-Score von 0 (erscheinungsfreie Haut) oder 1 (fast erscheinungsfreie Haut) plus eine Verringerung des IGA-Scores um mindestens 2 ab Baseline.
  • Die absolute Veränderung der Anzahl nicht entzündlicher Läsionen (non-inflammatory lesions count, NILC).
  • Die absolute Veränderung der Anzahl entzündlicher Läsionen (ILC).

Bei den erwachsenen und jugendlichen Teilnehmenden ab zwölf Jahren gab es in den beiden Studien folgende Ergebnisse (jeweils Clascoteron versus Placebo): IGA-Erfolg 18,8 versus 8,7 Prozent beziehungsweise 20,9 versus 6,6 Prozent, mittlere Reduktion von NILC um 20,4 versus 13,0 beziehungsweise 19,5 versus 10,8 sowie mittlere Reduktion von ILC um 19,3 versus 15,4 beziehungsweise 20,1 versus 12,6.

In der Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen lauteten die entsprechenden Ergebnisse (gepoolt für beide Studien): IGA-Erfolgsrate 14,9 versus 3,7 Prozent, mittlere Reduktion von NILC um 17,6 versus 11,4 und mittlere Reduktion von ILC um 17,9 versus 12,5. Bei den jüngsten Teilnehmenden im Alter zwischen neun und elf Jahren gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen der Verum- und der Placebogruppe.

Die häufigsten Nebenwirkungen von Clascoteron waren lokale Hautreaktionen wie Erytheme, Schuppung/Trockenheit, Juckreiz und Stechen beziehungsweise Brennen.

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