Hormonelle Veränderungen spiegeln sich oft früh in der Haut wider und erfordern eine individuelle Beratung, etwa zu Pflege oder Aknetherapien. / © Getty Images/Maskot
Transidente Menschen empfinden eine Diskrepanz zwischen ihrer Geschlechtsidentität und dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht. Für viele von ihnen ist die Transition – also die soziale, hormonelle und gegebenenfalls medizinische Angleichung an die eigene Geschlechtsidentität – ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Lebensqualität. Im Verlauf dieser Transition erhalten viele transidente Menschen eine geschlechtsangleichende Hormontherapie, meist mit Testosteron oder mit Estrogenen in Kombination mit Antiandrogenen.
Eine geschlechtsangleichende Hormontherapie erfolgt in der Regel lebenslang – etwa mit Testosteron bei Transmännern. / © Getty Images/PeopleImages
Mit den hormonellen Veränderungen gehen auch deutliche Effekte auf Haut, Haare und Schleimhäute einher. Die Haut reagiert besonders sensibel auf hormonelle Einflüsse: Androgene und Estrogene beeinflussen unter anderem die Aktivität der Talgdrüsen, das Haarwachstum sowie die Struktur und Hydratation der Haut. Während unter einer Testosterontherapie häufig eine erhöhte Sebumproduktion und akneiforme Hautveränderungen auftreten, berichten viele transfeminine Personen unter Estrogen- und Antiandrogentherapie eher über trockene oder empfindliche Haut.
Diese dermatologischen Veränderungen führen im Apothekenalltag nicht selten zu konkreten Fragen. Patienten suchen beispielsweise Beratung zu Aknetherapien, geeigneter Hautpflege, Haarentfernung oder Hautreizungen nach kosmetischen Behandlungen. Darüber hinaus können sich besondere pharmazeutische Situationen ergeben – etwa bei stark teratogenen Wirkstoffen wie Isotretinoin oder bei der Kombination verschiedener topischer und systemischer Therapien.
Für das Apothekenteam kann es daher hilfreich sein, typische dermatologische Veränderungen bei geschlechtsangleichender Hormontherapie zu kennen und mögliche Besonderheiten in der Beratung einordnen zu können.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Cisgeschlechtlich (cis) | Geschlechtsidentität entspricht dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht |
| Transmann | Person, der bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde, die sich jedoch als männlich identifiziert |
| Transfrau | Person, der bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde, die sich jedoch als weiblich identifiziert |
| Transition | Prozess der sozialen, hormonellen und/oder medizinischen Angleichung an die eigene Geschlechtsidentität |
Hormonelle Veränderungen spiegeln sich häufig früh im Hautbild wider. Das gilt auch für geschlechtsangleichende Hormontherapien, bei denen Androgene beziehungsweise Estrogene direkt auf Talgdrüsen, Haarfollikel, Kollagensynthese und die epidermale Barriere wirken (2).
Bei der maskulinisierenden Hormontherapie erhalten Transmänner Testosteron meist als tägliches Gel oder Pflaster, seltener als Depotinjektion. Zum Einsatz kommen etwa Testosteronundecanoat alle zehn bis zwölf Wochen oder Testosteronenantat alle zwei bis drei Wochen intramuskulär. Während eine transdermale Applikation vergleichsweise konstante Hormonspiegel erzeugt, führen Depotinjektionen typischerweise zu einem Sägezahnmuster mit höheren Serumkonzentrationen unmittelbar nach der Verabreichung, die bis zum Ende des Dosierungsintervalls allmählich abfallen. Diese Schwankungen können sich klinisch bemerkbar machen, etwa durch zyklisch verstärkte Akneschübe in den Wochen nach der Applikation (3).
Bei der feminisierenden Hormontherapie erhalten Transfrauen Estradiol oral oder transdermal als Pflaster oder Gel. Um die körpereigene Testosteronproduktion zu unterdrücken, wird die Behandlung meist mit einem Antiandrogen kombiniert. In Deutschland kommt hierfür am häufigsten Cyproteronacetat zum Einsatz, alternativ Spironolacton; seltener werden GnRH-Analoga als Injektion oder Implantat verwendet (3).
Die Hautveränderungen lassen sich durch die unterschiedlichen Wirkungen von Androgenen und Estrogenen erklären. Androgene binden an Androgenrezeptoren in Talgdrüsen und Haarfollikeln. In der Folge steigt die Sebumproduktion, die follikuläre Verhornung nimmt zu und aus feinen Vellushaaren entwickeln sich gröbere Terminalhaare. Darüber hinaus beeinflussen Androgene die Dicke und Struktur der Epidermis. Estrogene wirken über Rezeptoren in Keratinozyten und Fibroblasten teilweise entgegengesetzt: Sie fördern die Kollagensynthese und Wassereinlagerung der Haut, reduzieren die Talgproduktion und verändern die Eigenschaften der epidermalen Barriere (2).
Diese gegenläufigen Mechanismen erklären, warum Transmänner und Transfrauen häufig sehr unterschiedliche Hautprobleme entwickeln. Während unter Testosterontherapie Akne, Seborrhö und verstärkter Haarwuchs im Vordergrund stehen, ist unter feminisierender Hormontherapie eher trockene, empfindliche oder irritationsanfällige Haut zu beobachten.
Wie sich die Haut verändert, hängt jedoch nicht ausschließlich von der Art und Dosierung der Hormone ab, sondern auch davon, wann die Therapie begonnen wird – denn die hormonelle und körperliche Ausgangslage unterscheidet sich je nach Alter erheblich.
Wird eine geschlechtsangleichende Behandlung bereits vor oder während der Pubertät begonnen, können bestimmte androgen- oder estrogenabhängige Veränderungen anders ausgeprägt sein als bei Therapiebeginn im Erwachsenenalter. Wird beispielsweise die endogene männliche Pubertät durch GnRH-Analoga unterdrückt, bevor der androgenabhängige Wachstumsschub einsetzt (Tanner-Stadium 2), und anschließend eine feminisierende Hormontherapie eingeleitet, entwickeln sich ausgeprägter Bartwuchs und stark talgproduzierende Hautstrukturen häufig gar nicht erst.
Beginnt die Therapie hingegen erst nach vollständig durchlaufener männlicher Pubertät, sind diese Strukturen bereits ausgeprägt und können durch Estrogene zwar in ihrer Aktivität beeinflusst, jedoch nicht vollständig rückgebildet werden (4, 5). Zur langfristigen dermatologischen Wirkung früher hormoneller Interventionen ist die Datenlage derzeit noch begrenzt.
Bestehende Dermatosen können sich unter einer Hormontherapie verändern: Akne und Rosazea reagieren über die Talgproduktion grundsätzlich in die jeweils erwartbare Richtung. Das heißt: Testosteron verschlechtert und Estrogene verbessern Akne meist. Rosazea ist in diesem Kontext schlechter untersucht.
Atopische Dermatitis kann sich unter feminisierender Hormontherapie durch die reduzierte Talgproduktion verschlechtern; konsequente Ceramidpflege ist hier doppelt wichtig. Zu allen drei Konstellationen ist die Datenlage bei Transpersonen noch begrenzt (18). Das sollte in der Beratung auch klar benannt werden, statt Sicherheit zu suggerieren, wo keine besteht.
| Dermatologische Veränderung | Häufige Zusammenhänge |
|---|---|
| Seborrhoe und Akne | insbesondere unter Testosterontherapie durch gesteigerte Sebumproduktion |
| Trockene und empfindliche Haut | häufiger unter feminisierender Hormontherapie durch reduzierte Talgproduktion |
| Barrierestörungen und Irritationen | verstärkt unter aggressiven Hautpflegeroutinen, Retinoiden oder exfolierenden Wirkstoffen (entfernen abgestorbene Hautschuppen) |
| Postinflammatorische Hyperpigmentierung | häufig nach entzündlicher Akne, Rasur oder Epilation |
| Verändertes Haarwachstum | verstärkter Bart- und Körperhaarwuchs unter Testosteron, Reduktion androgenabhängiger Behaarung unter Estrogenen oder Antiandrogenen |
| Schleimhauttrockenheit | insbesondere unter Testosterontherapie durch relativen Estrogenmangel |
| Narben- und Wundheilungsfragen | nach geschlechtsangleichenden Operationen |
Unter Testosteron steigt die Talgproduktion rasch an. Epidemiologische Daten zeigen, dass das Aknerisiko von Transmännern im ersten Behandlungsjahr im Vergleich zu Cis-Männern um das Achtfache erhöht ist und auch nach fünf Jahren noch deutlich über dem Ausgangsniveau liegt (6). Dies betrifft vor allem Gesicht, Rücken und Brust; rund ein Drittel der Transmänner unter Testosteron-Therapie entwickelt eine mittelschwere bis schwere Akne (7).
Komedonen entstehen durch verstopfte Talgdrüsen, die durch eine Testosterontherapie begünstigt werden. / © Getty Images/Marina Demeshko
Bei vielen Transmännern fällt zunächst weniger eine entzündliche Akne als vielmehr eine ausgeprägte Seborrhö auf. Die Haut wirkt fettiger, glänzender und zeigt häufig vergrößerte Poren, insbesondere in der T-Zone. Auch eine verstärkte Schuppung an der Kopfhaut, den Augenbrauen oder in den Nasolabialfalten kann auftreten. Diese Veränderungen werden häufig als unvermeidlicher Bestandteil der Testosterontherapie wahrgenommen und können erheblichen Leidensdruck verursachen.
Die gesteigerte Talgproduktion kann darüber hinaus begünstigen, dass ein seborrhoisches Ekzem entsteht oder sich verschlimmert. Typisch sind erythematöse, leicht schuppende Areale an Kopfhaut, Augenbrauen, Nasolabialfalten oder hinter dem Ohr. In der Apotheke wird dies nicht selten mit trockener Haut verwechselt, wobei fettreiche Pflegeprodukte die Beschwerden zusätzlich verstärken können.
Schweiß, Reibung und okklusive Sportbekleidung können entzündliche Hautveränderungen zusätzlich begünstigen und bestehende Akneläsionen insbesondere an Rücken, Schultern und Brust verschlechtern.
Eine milde, nicht schäumende Reinigung mit synthetischen Detergenzien (Syndets) statt Seife zweimal täglich reicht in der Regel aus. Produkte mit dem Hinweis »nicht komedogen« oder »ölfrei« sind vorzuziehen; Vorsicht ist geboten bei stark okklusiven Inhaltsstoffen wie Kokosöl, Isopropylmyristat oder hochkonzentriertem Lanolin, die Komedonen begünstigen können. Das Apothekenteam sollte außerdem aktiv ansprechen, dass übertriebenes Peeling oder mechanisches Ausdrücken der Hautunreinheiten Akne meist verschlimmern.
Benzoylperoxid wirkt antimikrobiell und komedolytisch; höhere Konzentrationen als 2,5 bis 5 Prozent sind nicht zwingend wirksamer, reizen aber stärker – ein guter Kompromiss ist die kurze Einwirkzeit als »Wash-off«: Das Produkt wird dabei für zwei bis drei Minuten auf die feuchte Haut aufgetragen, dann gründlich abgespült – die Wirkung bleibt erhalten, während Rötung und Austrocknung deutlich geringer ausfallen als beim Einwirkenlassen über Nacht. Topische Retinoide wie 0,1-prozentiges Adapalen sollten eingeschlichen und zunächst zwei- bis dreimal pro Woche abends aufgetragen werden. Am nächsten Tag ist Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor (LSF) 30 bis 50 wegen der erhöhten Photosensibilität obligatorisch.
15- bis 20-prozentige Azelainsäure ist eine gut verträgliche Alternative, die zusätzlich gegen postinflammatorische Hyperpigmentierung wirkt, die bei dieser Patientengruppe häufig als Begleitproblem auftritt.
Bleibt der Erfolg nach sechs bis acht Wochen aus, bilden sich Narben oder besteht deutlicher psychischer Leidensdruck, sollte das Apothekenpersonal zum Arztbesuch raten. Akne wird von Transmännern selbst häufig zunächst bagatellisiert oder sogar als erwünschtes Zeichen der Testosteronwirkung gedeutet, kann aber erheblich belasten (8).
Eine französische Leitlinie zum Aknemanagement unter hormoneller Transition empfiehlt ein klar gestuftes Vorgehen von topischer Fixkombination bis hin zu Isotretinoin (9). Bei stärker entzündlichen Verlaufsformen kommen häufig orale Tetracycline wie Doxycyclin zum Einsatz. Für die Beratung in der Apotheke sind dabei insbesondere die erhöhte Photosensibilität sowie mögliche Wechselwirkungen relevant. Calcium-, Magnesium- oder Eisenpräparate können die Resorption deutlich vermindern und sollten daher zeitlich versetzt eingenommen werden. Für einen optimalen Schutz empfiehlt sich laut medizinischem Konsens oft die Einnahme von Doxycyclin zwei Stunden vor oder vier bis sechs Stunden nach den entsprechenden Mineralstoffen. Gerade bei jungen Erwachsenen, die zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel oder Sportpräparate verwenden, wird dieser Aspekt häufig übersehen (9).
Wichtig für die Beratung: Antiandrogene Aknetherapien wie Spironolacton sind bei Transmännern in der Regel nicht sinnvoll, da sie dem gewünschten Effekt der Testosterontherapie entgegenwirken (4, 9).

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Orale Retinoide unterliegen unabhängig vom Geschlechtseintrag oder von der Hormontherapie dem Schwangerschaftsverhütungsprogramm, sobald eine Gebärmutter und Eierstöcke vorhanden sind. Das bedeutet in der Praxis: Auch bei testosteronbedingter Amenorrhö muss vor Therapiebeginn ein ärztlich überwachter Schwangerschaftstest gemacht werden. Während der Behandlung sind eine durchgehend wirksame Verhütung und nach Therapieende ein weiterer Test erforderlich – unabhängig davon, ob die Person sexuell aktiv ist (10). Das Apothekenteam sollte diesen Punkt sachlich ansprechen, ohne dabei auf das Thema Geschlechtsidentität zurückzugreifen: Es geht um die biologische Möglichkeit, schwanger werden zu können, und nicht um die soziale Geschlechtsrolle.
Praktisch relevant sind außerdem die verschreibungsrechtlichen Vorgaben für orale Retinoide. Rezepte dürfen nur innerhalb von sechs Tagen nach Ausstellung und in Packungsgrößen für maximal 30 Tage beliefert werden. Wichtig ist auch ein Hinweis, der in Studien häufig zum vorzeitigen Abbruch führte: Isotretinoin verzögert die Wundheilung. Wer eine geschlechtsangleichende Operation plant, sollte den Zeitpunkt der Isotretinoin-Therapie deshalb mit dem Behandlungsteam abstimmen (11).
Mit zunehmendem Bart- und Körperhaarwuchs beginnen viele Transmänner erstmals damit, sich regelmäßig zu rasieren. Gerade in dieser Phase treten Rasurbrand und eingewachsene Haare häufig auf. Gleichzeitig nimmt bei vielen die körperliche Aktivität zu, etwa durch Krafttraining oder Sport zur Unterstützung der gewünschten Körperkomposition.
Für die Beratung in der Apotheke können bereits einfache Maßnahmen hilfreich sein: Vor der Rasur sollte die Haut mit warmem Wasser aufgeweicht und die Haare möglichst in Wuchsrichtung statt gegen den Strich rasiert werden. Empfehlenswert sind scharfe Einwegklingen oder elektrische Trimmer anstelle mehrfach verwendeter Klingen.
Rasurbedingte Hautreizungen treten insbesondere in der Anfangsphase regelmäßiger Bartrasuren auf. / © Getty Images/Fajrul Islam
Nach der Rasur eignen sich alkoholfreie panthenolhaltige Produkte besser als klassische alkoholhaltige Aftershaves. Eine niedrig dosierte Pflege mit einem Salicylsäure-Gehalt von 1 bis 2 Prozent kann eingewachsenen Haaren vorbeugen. Es kann außerdem hilfreich sein, die Haut nach dem Sport möglichst schnell zu reinigen, um entzündliche Hautveränderungen zu verringern. Zusätzlich sollten Pflege- und Sonnenschutzprodukte verwendet werden, die nicht komedogen sind.
Einige Transmänner nutzen topisches Minoxidil, um den Bartwuchs zu fördern oder zu beschleunigen. Obwohl die Evidenz für diese Anwendung begrenzt ist, wird sie insbesondere in sozialen Medien häufig diskutiert. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen lokale Irritationen, Schuppung, Juckreiz und Kontaktdermatitiden. Bei bereits entzündlicher oder stark irritierter Haut sollte das Apothekenteam die Anwendung daher kritisch hinterfragen.
Unter feminisierender Hormontherapie sinkt die Talgproduktion; die Haut wird dünner und empfindlicher. Eine aktuelle Expertenempfehlung formuliert es deutlich: Ceramidhaltige Pflegeprodukte sind bei dieser Patientengruppe obligatorisch, nicht optional (9).
Sinnvoll ist eine Feuchtigkeitspflege mit Ceramiden, Cholesterol und freien Fettsäuren, die zusammen die natürlichen Bausteine der Hautbarriere bilden – ergänzt durch Glycerin, Hyaluronsäure, Panthenol oder Niacinamid. Letzteres stärkt zusätzlich die Barriere und hellt Pigmentflecken auf.
Oft profitiert empfindliche Haut von weniger Produkten statt von zusätzlichen Wirkstoffen. / © Getty Images/RealPeopleGroup
Zurückhaltung ist geboten bei hochprozentigen Frucht- oder Salicylsäuren, alkoholhaltigen Gesichtswassern und stark schäumenden, waschaktiven Tensiden wie Natriumlaurylsulfat – sie trocknen eine ohnehin geschwächte Barriere zusätzlich aus.
Wer aus der Zeit vor der Transition noch eine intensive Akne-Pflegeroutine fortführt, den sollte das Apothekenteam aktiv darauf ansprechen, dass diese meist nicht mehr zur veränderten Hautphysiologie passt. Oft ist es sinnvoller, die Hautpflege auf wenige, gut verträgliche Produkte zu reduzieren, anstatt weitere Wirkstoffe einzuführen.
Nach irritativen Hautreaktionen, Akneläsionen oder Haarentfernungsverfahren können postinflammatorische Hyperpigmentierungen auftreten. Da viele Transfrauen mehrere kosmetische Behandlungen parallel durchführen lassen, wird der Zusammenhang zwischen Hautirritation und Pigmentverschiebung häufig unterschätzt.
So kommen Melasma-artige Pigmentflecken – braune bis graubraune Flecken im Gesicht – häufiger vor. Ein konsequenter, ganzjähriger Sonnenschutz (LSF 50) ist besonders wichtig – auch ohne direkte Sonnenexposition, da UV A-Strahlen eine erneute Pigmentierung fördern können. Ergänzend können Wirkstoffe wie Niacinamid oder Azelainsäure (15- bis 20-prozentig) eingesetzt werden. Stärker wirksame Substanzen wie Hydrochinon sind verschreibungspflichtig.
Eine häufige Frage lautet: Verschwindet der Bart unter einer Estrogentherapie? Die Antwort ist differenziert und sollte so auch gegeben werden: Die Talgproduktion und das Wachstum androgenabhängiger Körperbehaarung nehmen ab, bereits ausdifferenzierte Gesichtshaarfollikel bilden sich aber meist nicht vollständig zurück (5, 12).
Wer eine dauerhafte Haarentfernung wünscht, hat zwei Optionen: Die Laserepilation arbeitet schneller und großflächiger, wirkt aber am besten bei dunklem Haar und hellerer Haut und erfordert mehrere Sitzungen im Abstand von vier bis acht Wochen. Die Elektroepilation ist langsamer und schmerzhafter, funktioniert dafür unabhängig von Haar- und Hautfarbe und gilt als dauerhaft.
Vor einer Laser- oder Elektroepilation sollte die Person keine sonnengebräunte Haut aufweisen oder Selbstbräuner verwendet haben. In den Tagen vor und nach der Behandlung sind Retinoide und Säuren zu pausieren. Nach der Epilation helfen kühlende, reizarme Produkte mit Panthenol oder Aloe vera sowie konsequenter Lichtschutz, um eine postinflammatorische Hyperpigmentierung zu vermeiden.
Auch wenn dies nicht zum pharmazeutischen Kernbereich zählt, lohnt sich ein kurzer Hinweis: Grün- oder gelblich getönte Color-Correcting-Stifte neutralisieren bläulichen Bartschatten besser als reine Abdeckcremes; eine nicht komedogene Grundierung verhindert, dass die zusätzliche Schicht die ohnehin empfindliche Haut weiter reizt (13).
| Hautsituation | Eher empfehlenswert | Eher zurückhaltend einsetzen |
|---|---|---|
| Akne unter Testosteron | Benzoylperoxid (2,5 bis 5 Prozent), Adapalen/Retinoide (einschleichen), Azelainsäure (15 bis 20 Prozent), leichte Gel-Texturen | Kokosöl, Isopropylmyristat, hochkonzentriertes Lanolin, mechanische Peelings, Wirkstoffkombination ohne Eingewöhnungsphase |
| Trockene/empfindliche Haut unter Estrogenen | Ceramide, Cholesterol, Glycerin, Hyaluronsäure, Panthenol, Niacinamid | hochprozentige AHA-/BHA-Säuren, alkoholhaltige Gesichtswasser, Natriumlaurylsulfat |
| Pigmentflecken/postinflammatorische Hyperpigmentierung | Lichtschutz mit LSF 50, Niacinamid, Azelainsäure | eigenständige Anwendung von Hydrochinon (rezeptpflichtig) |
| Rund um Laser- oder Elektroepilation | Panthenol, Aloe vera, Lichtschutz | Retinoide und Säuren drei bis fünf Tage vor und nach der Behandlung meiden |
Systemische Hormontherapien wirken auch auf Genitalschleimhäute. Der relative Estrogenmangel unter einer Testosterontherapie verändert das vaginale Epithel ähnlich einer postmenopausalen Atrophie. Es kommt zu: dünnerer Schleimhaut, reduzierter Lubrikation und einer veränderten Mikroflora (2, 14).
Hilfreich sind parfümfreie, pH-neutrale Syndets statt Seife für die äußere Reinigung sowie wasser- oder silikonbasierte Gleitmittel bei Trockenheit oder Schmerzen. Da individuelle Sexualpraktiken sehr unterschiedlich sind, sollte das Apothekenpersonal in der Beratung von den geschilderten Beschwerden ausgehen und keinerlei Annahmen über Anatomie oder Praktiken machen.
Metoidioplastik und Phalloplastik sind zwei unterschiedliche chirurgische Methoden der geschlechtsangleichenden Operation bei Transmännern. Bei der Metoidioplastik wird die durch Testosteron vergrößerte Klitoris durch Durchtrennung des Haltebandes mobilisiert und zu einem funktionalen Penis umgeformt; das Ergebnis ist kleiner als bei der Phalloplastik, behält aber die ero¬gene Sensibilität der ursprünglichen Klitoris. Bei der Phalloplastik wird mithilfe von Haut- und Gewebetransplantaten – meist vom Unterarm oder Oberschenkel – ein Penis chirurgisch neu aufgebaut; der Eingriff ist aufwendiger und mit einer höheren Rate an urethralen Komplikationen verbunden (15).
Narbenpflege und Wundheilung sind häufige Beratungsthemen nach diesen Operationen. Silikongel oder -pflaster ab vollständigem Wundverschluss können die Narbenqualität verbessern. Wichtig zu wissen: Komplikationen der Harnröhre wie Fisteln oder Engstellen sind nach diesen Eingriffen nicht selten – Studien berichten Raten um 49 Prozent, abhängig von der OP-Technik (15). Bei Brennen, Schwellung oder Problemen beim Wasserlassen sollte die Apotheke nicht symptomatisch behandeln, sondern den Transmann an die behandelnde Klinik verweisen.
Bei Transfrauen unterscheidet sich die Pflege der Neovagina deutlich nach der Operationsmethode der Vaginoplastik: Bei der häufigsten Technik, der Penisinversion, wird die Neovagina aus Haut im Bereich von Penis und Hodensack gebildet. Dieses Gewebe ist nicht selbstlubrizierend. Eine lebenslange, regelmäßige Dilatation mit speziellen Dilatatoren ist notwendig, um die Weite zu erhalten – initial mehrmals täglich, später kann dies meist auf ein- bis zweimal pro Woche reduziert werden, je nach individuellem Schema der behandelnden Klinik.
Wichtig für die Beratung in der Apotheke: Für die Dilatation sollte ein wasserbasiertes Gleitmittel verwendet werden, da silikonbasierte Gleitmittel bei wiederholtem Kontakt medizinische Silikon-Dilatatoren angreifen und porös machen können (16).
Bei der selteneren Kolon-Vaginoplastik wird ein Darmsegment verwendet. Dieses Gewebe produziert eigenständig Schleim und ist in der Regel selbstlubrizierend, kann aber zu vermehrtem oder unangenehm riechendem Ausfluss führen.
In beiden Fällen gilt: Die Neovagina wird mikrobiologisch nicht von Laktobazillen dominiert, sondern weist eine deutlich vielfältigere Mikroflora auf als eine cis-weibliche Vagina (14, 17). Vaginale Probiotika oder Laktobazillen-Präparate, die für den Aufbau der Vaginalflora bei Cis-Frauen entwickelt wurden, lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf Personen mit Neovagina übertragen – die Evidenz dafür fehlt schlicht.
Bei Geruch, Ausfluss oder Schmerzen ist eine ärztliche Abklärung der richtige Weg – keine Selbstmedikation nach dem Muster »klassischer« Intimpflege. Zur rein äußeren Pflege eignen sich reizarme, parfümfreie Syndets. Von stark parfümierten Intimsprays ist abzuraten.
Beschwerden im Intimbereich sprechen Transfrauen häufig mit Scham aus – eine sachliche, diskrete Beratung ohne Nachfragen über das unmittelbar Notwendige hinaus ist hier besonders wichtig.
Eine psychotrope Begleitmedikation ist bei Transpersonen häufiger als in der Allgemein-bevölkerung. Sie kann mit anticholinergen Effekten einhergehen. / © Getty Images/Hazal Ak
Eine psychotrope Begleitmedikation ist bei Transpersonen häufiger als in der Allgemeinbevölkerung, da sie öfter an Depressionen und Angststörungen im Zusammenhang mit Diskriminierungserfahrungen leiden. Klinisch relevant sind anticholinerge Effekte und die damit verstärkte Mund- und Schleimhauttrockenheit.
Solche Beschwerden sind bei trizyklischen Antidepressiva wie Amitriptylin meist ausgeprägter als bei den meisten SSRI oder SNRI. Konkret helfen hier eine alkoholfreie Mundspülung und reizarme Lippenpflege. Bei starker Beeinträchtigung ist es sinnvoll, mit der verordnenden Praxis zu sprechen.
Entscheidender als spezielle Fachkenntnisse zur Transition ist eine sachliche und respektvolle Beratung. / © Getty Images/Westend61
Die meisten Unsicherheiten in der Beratung beginnen nicht bei der Pharmakologie, sondern bei der Ansprache der Ratsuchenden. Zwei Punkte reichen in der Praxis meist aus: sich am Namen und den Pronomen orientieren, mit denen die Person sich vorstellt oder die sie auf Nachfrage benennt; und keine Annahmen über Anatomie oder reproduktive Möglichkeiten treffen, wo immer das nicht direkt notwendig ist.
Das Apothekenteam muss keine vollständige Expertise zu jeder medizinischen Facette der Transition haben – entscheidend ist eine sachliche, respektvolle Grundhaltung, die die Menschen und ihre Fragen ernst nimmt.
Maxine Bennek ist approbierte Apothekerin, Kosmetikwissenschaftlerin und wissenschaftliche Autorin mit den Schwerpunkten Dermatologie und Ästhetik. Sie kombiniert naturwissenschaftliche Präzision mit einem ganzheitlichen Verständnis von Hautgesundheit und Well-Aging. Als promovierende Forscherin an der Universität Hamburg sowie als unabhängige Expertin entwickelt sie evidenzbasierte Konzepte an der Schnittstelle von Wissenschaft, Kosmetik und Praxis.