Hormonelle Veränderungen spiegeln sich häufig früh im Hautbild wider. Das gilt auch für geschlechtsangleichende Hormontherapien, bei denen Androgene beziehungsweise Estrogene direkt auf Talgdrüsen, Haarfollikel, Kollagensynthese und die epidermale Barriere wirken (2).
Bei der maskulinisierenden Hormontherapie erhalten Transmänner Testosteron meist als tägliches Gel oder Pflaster, seltener als Depotinjektion. Zum Einsatz kommen etwa Testosteronundecanoat alle zehn bis zwölf Wochen oder Testosteronenantat alle zwei bis drei Wochen intramuskulär. Während eine transdermale Applikation vergleichsweise konstante Hormonspiegel erzeugt, führen Depotinjektionen typischerweise zu einem Sägezahnmuster mit höheren Serumkonzentrationen unmittelbar nach der Verabreichung, die bis zum Ende des Dosierungsintervalls allmählich abfallen. Diese Schwankungen können sich klinisch bemerkbar machen, etwa durch zyklisch verstärkte Akneschübe in den Wochen nach der Applikation (3).
Bei der feminisierenden Hormontherapie erhalten Transfrauen Estradiol oral oder transdermal als Pflaster oder Gel. Um die körpereigene Testosteronproduktion zu unterdrücken, wird die Behandlung meist mit einem Antiandrogen kombiniert. In Deutschland kommt hierfür am häufigsten Cyproteronacetat zum Einsatz, alternativ Spironolacton; seltener werden GnRH-Analoga als Injektion oder Implantat verwendet (3).
Die Hautveränderungen lassen sich durch die unterschiedlichen Wirkungen von Androgenen und Estrogenen erklären. Androgene binden an Androgenrezeptoren in Talgdrüsen und Haarfollikeln. In der Folge steigt die Sebumproduktion, die follikuläre Verhornung nimmt zu und aus feinen Vellushaaren entwickeln sich gröbere Terminalhaare. Darüber hinaus beeinflussen Androgene die Dicke und Struktur der Epidermis. Estrogene wirken über Rezeptoren in Keratinozyten und Fibroblasten teilweise entgegengesetzt: Sie fördern die Kollagensynthese und Wassereinlagerung der Haut, reduzieren die Talgproduktion und verändern die Eigenschaften der epidermalen Barriere (2).
Diese gegenläufigen Mechanismen erklären, warum Transmänner und Transfrauen häufig sehr unterschiedliche Hautprobleme entwickeln. Während unter Testosterontherapie Akne, Seborrhö und verstärkter Haarwuchs im Vordergrund stehen, ist unter feminisierender Hormontherapie eher trockene, empfindliche oder irritationsanfällige Haut zu beobachten.
Wie sich die Haut verändert, hängt jedoch nicht ausschließlich von der Art und Dosierung der Hormone ab, sondern auch davon, wann die Therapie begonnen wird – denn die hormonelle und körperliche Ausgangslage unterscheidet sich je nach Alter erheblich.
Wird eine geschlechtsangleichende Behandlung bereits vor oder während der Pubertät begonnen, können bestimmte androgen- oder estrogenabhängige Veränderungen anders ausgeprägt sein als bei Therapiebeginn im Erwachsenenalter. Wird beispielsweise die endogene männliche Pubertät durch GnRH-Analoga unterdrückt, bevor der androgenabhängige Wachstumsschub einsetzt (Tanner-Stadium 2), und anschließend eine feminisierende Hormontherapie eingeleitet, entwickeln sich ausgeprägter Bartwuchs und stark talgproduzierende Hautstrukturen häufig gar nicht erst.
Beginnt die Therapie hingegen erst nach vollständig durchlaufener männlicher Pubertät, sind diese Strukturen bereits ausgeprägt und können durch Estrogene zwar in ihrer Aktivität beeinflusst, jedoch nicht vollständig rückgebildet werden (4, 5). Zur langfristigen dermatologischen Wirkung früher hormoneller Interventionen ist die Datenlage derzeit noch begrenzt.