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Rheumatoide Arthritis

Gute Prognose bei früher Diagnose und Therapie

Behandlungsziel Remission

»Moderne Therapiestrategien mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten haben das Krankheitsbild der RA stark verändert. Der medizinische Fortschritt zeigt sich nicht nur in einer geringeren radiologischen Progression, sondern auch in einer gestärkten Funktionalität bei größerer Beschwerdefreiheit und Senkung der Gesamtmortalität«, unterstrich in einem zweiten Vortrag Dr. Gabriele Mahn, Rheumatologin an der Orthopädischen Klinik im Herzogin Elisabeth Hospital (HEH) Braunschweig.

Voraussetzung für die Entwicklung neuer Arzneistoffe sei das zunehmende Verständnis der immunologischen Pathomechanismen. Diese beruhen unter anderem auf der Aktivierung autoreaktiver T- und B-Zellen bei gleichzeitiger Produktion von Autoantikörpern beziehungsweise Sekretion proinflammatorischer Zytokine (TNF, IL-6, IL-10).

Ob Hemmung der T-Zellaktivierung oder Blockade spezifischer Tumornekrosefaktoren und Interleukine: Biologika, so Mahn, erweisen sich auch nach 20 Jahren des Einsatzes in der medikamentösen Rheuma-Therapie als in der Regel gut verträglich, wobei allerdings schwerwiegende Infektionen häufiger als unter der Therapie mit csDMARDs zu beobachten seien. Manche Infektionen ließen sich durch Screenen und Impfen vermeiden, sagte sie.

Sicherheitsdaten teils gut, teils noch mangelhaft

Auch unter der Therapie mit den seit 2013 zugelassenen neuen Biologika und Biosimilars seien keine prinzipiell neuen Nebenwirkungen aufgetreten. Es gebe keine Hinweise auf eine generelle Erhöhung des Malignom-Risikos durch TNF-Inhibitoren oder andere Biologika. Hingegen seien die Langzeitdaten von JAK-Inhibitoren zu Tumorrisiken, kardiovaskulären Ereignissen und Mortalität noch nicht ausreichend. Fest stehe, dass sie gegenüber Biologika ein gering erhöhtes Zoster-Risiko zeigen.

Von medikamentösen Meilensteinen in der RA-Therapie sprach auch Dr. Stefan Simianer, Wiesbaden. »Biologika und auch JAK-Inhibitoren haben die RA-Therapie revolutioniert.« Das Ziel sei jedoch noch nicht erreicht. 70 Prozent der behandelten Patienten erlangen keine klinische Remission. »Es muss weiter geforscht werden. Wir brauchen zusätzliche therapeutische Optionen, damit bei mehr Menschen mehr RA-Remissionen erzielt werden können«, sagte er.

»In den letzten Jahren haben sich die Behandlungsoptionen für entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie RA durch die Verbesserung des Krankheitsmanagements und durch Zulassung neuer innovativer Medikamente deutlich verbessert. Trotz der eindeutigen Fortschritte kommt es jedoch auch heute noch bei einem nicht geringen Anteil der Patienten zur Progression mit zunehmenden Funktionseinschränkungen«, unterstrich abschließend Professor Dr. Dirk Meyer-Olson, Bad Pyrmont.

Vor diesem Hintergrund sei es zu begrüßen, dass auch das Wissen über den Zusatzgewinn ergänzender Behandlungsformen insbesondere in Form von Bewegungstherapien in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Neuere Untersuchungen, so Meyer-Olson, belegen den positiven Einfluss von Bewegung und Sport bei rheumatischen Erkrankungen und hier auch der RA. »Körperliche Aktivität kann zur Besserung des gesundheitlichen Zustandes führen, wobei die persönlichen Rahmenbedingungen des Patienten und Schweregrade der RA Berücksichtigung finden müssen«, sagte er.

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