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Essenszeiten
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Die Leber mag es regelmäßig

Die Leber ist nicht nur ein zentrales Entgiftungsorgan, sondern auch Syntheseort der meisten Plasmaproteine – und dadurch das Steuerzentrum der Kommunikation zwischen den Organen. Forschende haben jetzt herausgefunden, dass die Proteinproduktion in der Leber am besten funktioniert, wenn der Mensch regelmäßig isst.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 07.05.2026  16:20 Uhr

Mit einer Pressemitteilung macht die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) auf eine Studie aufmerksam, die aktuell im Fachjournal »Nature Metabolism« erschienen ist. Forschende um Dr. Meltem Weger von der University of Queensland in St Lucia, Australien, berichten darin über die Auswirkungen verschiedener Muster der Nahrungsaufnahme auf die Leberfunktion.

In dem Versuch wurden jeweils neun gesunde freiwillige Männer einer von zwei Gruppen zugeordnet. Die Hälfte der Probanden aß regelmäßig: Frühstück wie gewohnt, Mittagessen um 12 Uhr, Abendessen um 18 Uhr und zwischendurch lediglich einen Snack pro Tag. Die andere Hälfte der Probanden aß zwischen 8 und 22 Uhr stündlich kleine Mahlzeiten. Alle vier Stunden wurde den Teilnehmenden Blut entnommen und mit der Blutprobe eine Proteom-Analyse gemacht.

Zirkadianer Rhythmus nur bei regelmäßiger Nahrungsaufnahme

Passend zu früheren Studienergebnissen fanden die Forschenden im Tagesverlauf unterschiedlich hohe Konzentrationen von Proteinen im Blut – allerdings fast ausschließlich bei den Teilnehmern der ersten Gruppe. Zu den Substanzen, deren rhythmisches Auf und Ab bei den Probanden der zweiten Gruppe verloren ging, zählten metabolische Botenstoffe wie Insulin, Glucagon und Leptin, aber auch Gerinnungsfaktoren wie Faktor Xa, IX und X, der Entzündungsmarker C-reaktives Protein (CRP), diverse Komplementfaktoren, Albumin, Apolipoprotein B und D sowie Proteaseinhibitoren. Nur bei einzelnen Plasmaproteinen war auch in der zweiten Gruppe ein zirkadianer Rhythmus der Konzentrationsverläufe erkennbar.

»Unsere Leber arbeitet nicht gleichmäßig über den Tag hinweg, sondern folgt einer klar strukturierten inneren Uhr. Dass diese zirkadianen Rhythmen zentrale Stoffwechselprozesse in der Leber steuern, ist seit Längerem bekannt. Neuere Studien zeigen darüber hinaus, dass die innere Uhr auch bei der Entstehung von Lebererkrankungen eine wichtige Rolle spielt – etwa bei der Entwicklung von Leberfibrose«, kommentiert DGVS-Präsident Professor Dr. Heiner Wedemeyer von der Medizinischen Hochschule Hannover die Ergebnisse.

Die Fachgesellschaft betont, dass ein strukturierter Essrhythmus mit regelmäßigen Mahlzeiten die physiologischen Abläufe der Leber unterstütze. Dauerhafte Unterbrechungen dieses Rhythmus, etwa durch häufiges Snacken oder stark variierende Essenszeiten, könnten ihn stören. In Ausnahmen könne der feste Rhythmus bei der Nahrungsaufnahme zwar durchaus einmal unterbrochen werden, solle danach aber wieder für eine längere Zeit aufgenommen werden, so die Empfehlung.

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