Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Migräne
-
Candesartan wirkt prophylaktisch

Sartane zählen laut geltender Leitlinie zu den unspezifischen Substanzen zur Migräneprophylaxe, die »wirksam, aber weniger gut untersucht« sind. Neue Daten aus Norwegen untermauern eine gute Wirksamkeit von Candesartan bei guter Verträglichkeit.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 05.05.2026  14:30 Uhr

Für die Migräneprophylaxe kommen laut der S1-Leitlinie »Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne« verschiedene Ansätze infrage: Substanzen, die auf das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) abzielen wie Antikörper und Gepante oder unspezifische Wirkstoffe. Bei Letzteren unterscheidet die Leitlinie zwischen solchen mit hoher Evidenz, etwa bestimmte Betablocker, Flunarizin, Valproinsäure, Topiramat, Amitriptylin und Onabotulinumtoxin A. Bei den Medikamenten »mit geringer Evidenzlage« finden sich unter anderem Sartane, namentlich Candesartan.

Zur Verbesserung der Evidenzlage trägt nun eine im Fachjournal »The Lancet Neurology« veröffentlichte Untersuchung von Forschenden um Dr. Lise Rystad Øie von der Universität Trondheim in Norwegen bei. An der randomisierten, dreifach verblindeten Phase-II-Studie nahmen 457 Patienten mit episodischer Migräne in Norwegen und Estland teil. Die Teilnehmenden waren im Schnitt knapp 40 Jahre alt und litten zu Beginn an 5,7 Tagen im Monat unter Migräne; 86 Prozent waren weiblich. Über zwölf Wochen wurde jeweils ein Drittel der Patienten täglich entweder mit 16 mg Candesartan, 8 mg Candesartan oder Placebo behandelt.

Der primäre Endpunkt war die Veränderung der Anzahl der monatlichen Migränetage vom Ausgangswert bis zu den Studienwochen 9 bis 12 unter 16 mg Candesartan verglichen mit Placebo. Hier war ein statistisch signifikanter Vorteil für das Sartan zu erkennen: –2,04 Tage versus –0,82 Tage. Bei den Patienten, die 8 mg Candesartan täglich erhielten, reduzierte sich die Anzahl der Migränetage um durchschnittlich 2,2 pro Monat (Unterschied zu Placebo ebenfalls statistisch signifikant). Die häufigste Nebenwirkung war Benommenheit. Nebenwirkungen, die zum Therapieabbruch führten, waren mit jeweils 3 Prozent in der Hochdosis-Candesartan-Gruppe ebenso häufig wie in der Placebogruppe.

Eine Reduktion der Migränetage um mindestens zwei werde als klinisch bedeutsam eingestuft, schreiben die Autoren. Candesartan sei somit als Prophylaktikum bei episodischer Migräne wirksam und gut verträglich. In weiteren Studien und anhand von Anwendungsdaten müsse jedoch noch die langfristige Wirksamkeit untersucht werden.

Mehr von Avoxa