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Rheumatoide Arthritis

Gute Prognose bei früher Diagnose und Therapie

Ob degenerativ oder entzündlich: Rheuma hat viele Gesichter. Daher widmeten die DPhG-Landesgruppe und die Apothekerkammer Niedersachsen den rheumatischen Erkrankungen auch einen ganzen Fortbildungstag am vergangenen Wochenende in Braunschweig.
Christiane Berg
11.02.2020  08:00 Uhr
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Circa 2 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland leiden unter entzündlich-rheumatischen Beschwerden. Allein von einer rheumatoiden Arthritis (RA) als eine der autoimmun bedingten chronisch-inflammatorischen Leiterkrankungen des rheumatischen Formenkreises sind circa 550.000 Menschen betroffen.

»Sie leiden unter zum Teil starken Schmerzen, Schwellungen und (Morgen-)Steifigkeit sowie Fehlstellungen, fortschreitender Zerstörung und Funktionsausfällen der meist symmetrischen, überwiegend körperstammfernen Gelenke aufgrund Entzündungen des Bindegewebes und hier insbesondere der Gelenkinnenhaut«, eräuterte Katja Schmitt-Bieda, leitende Ärztin der Rheumatologie am Klinikum Braunschweig. Sie sprach von 20 bis 40 RA-Neuerkrankungen pro 100.000 Personen pro Jahr. »Die Ursachen sind bis heute unklar«, so die Rheumatologin bei der Veranstaltung im Pharmaziezentrum der Technischen Universität unter Moderation des Vorsitzenden der DPhG-Landesgruppe, Professor Dr. Knut Baumann, sowie der zweiten Vorsitzenden, Professor Dr. Heike Bunjes.

Doch wisse die Medizin heute, dass bei der RA-Entstehung genetische Faktoren eine große Rolle spielen. »Circa 100 Genregionen sind bekannt, die mit dem RA-Auftreten in Verbindung gebracht werden. Auch konnten einzelnen Gene mit dem Schweregrad der RA assoziiert werden«, erläuterte die Referentin, die auf genetische Unterschiede auch bei ACPA-positiver und ACPA-negativer RA verwies. ACPAs (Anti Citrullinated Protein Antibodies) sind Antikörper gegen citrullinierte Proteine, die bei RA-Patienten auftreten können. Schmitt-Bieda betonte, dass viele der durch Gene codierten Genome potentielle Angriffspunkte für therapeutische Wirkstoffe sind.

»Frauen erkranken dreimal häufiger als Männer. Und Männer erkranken später als Frauen«, so Schmitt-Bieda, die als Risikofaktoren neben dem weiblichem Geschlecht auch übermäßigen Tabakkonsum, autoimmunologische Prozesse durch Bakterien- oder Virusinfektionen, spezifische Mikrobiome des Mundraums und des Magen-Darm-Trakts sowie gegebenenfalls einen niedrigen Vitamin-D-Status und den überbordenden Verzehr von Eiweiß und rotem Fleisch nannte.

Zwar werde bei rheumatoider Arthritis eine erhöhte Morbidität und Mortalität unter anderem durch zusätzliche klinische Manifestationen an Haut, Muskeln, Knochen, Augen, Lunge und Nieren beziehungsweise durch das häufigere Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen mit der Folge thromboembolischer Ereignisse, Myokardinfarkt, plötzlichem Herztod oder Schlaganfall beobachtet. »Doch kann die Sterblichkeitsrate bei RA-Patienten der Rate der Normalbevölkerung durch moderne medikamentöse Therapieoptionen angeglichen werden«, betonte sie.

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