| Sven Siebenand |
| 08.05.2026 18:00 Uhr |
Hantaviren sind behüllte Viren aus der Familie der Hantaviridae. Sie besitzen ein einzelsträngiges RNA-Genom und werden hauptsächlich durch Nagetiere übertragen. / © Imago Images/Depositphotos
Was sind Hantaviren?
Hantaviren sind grundsätzlich immer behüllte Viren aus der Familie der Hantaviridae. Sie besitzen ein einzelsträngiges RNA-Genom und werden hauptsächlich durch Nagetiere übertragen. Je nach Virustyp können sie unterschiedliche Erkrankungen verursachen – von milden fieberhaften Verläufen bis hin zu schweren Nieren- oder Lungenerkrankungen mit tödlichem Ausgang.
Welche Hantaviren gibt es?
Zu den bekanntesten humanpathogenen Hantaviren gehören das Hantaan-Virus (HTNV), das Puumala-Virus (PUUV), das Dobrava-Belgrad-Virus (DOBV), das Seoul-Virus (SEOV), das Sin-Nombre-Virus (SNV) und das Andes-Virus (ANDV).
Welche davon gibt es auch in Deutschland?
Die meisten Erkrankungen in Deutschland werden durch das Puumala-Virus verursacht. Seltener ist hierzulande das Dobrava-Belgrad-Virus Typ Kurkino. Für Deutschland relevante Reservoirtiere sind vorwiegend die Rötelmaus (Myodes glareolus) für das PUUV und die Brandmaus (Apodemus agrarius) für das DOBV Typ Kurkino.
Rötelmäuse können ein Hantavirus übertragen – das Puumala-Virus. / © Imago Images/blickwinkel
Wie erfolgt die Übertragung?
Die Viren können von infizierten Nagetieren über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden werden und darin über Tage infektiös bleiben. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch die Inhalation virushaltiger Aerosole, durch den Kontakt verletzter Haut mit kontaminierten Materialien oder durch Bisse. Auch eine Übertragung durch Lebensmittel, die mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere kontaminiert wurden, ist denkbar.
Wie schützt man sich?
Aktuell steht kein zugelassener Impfstoff zur Verfügung. Expositionsprophylaxe ist angesagt. Der Kontakt mit Nagetieren und deren Ausscheidungen ist zu vermeiden. Räume mit möglichem Mäusebefall sollten nicht trocken ausgefegt oder abgesaugt werden, weil dadurch kontaminierter Staub aufgewirbelt werden kann. Stattdessen sollte man gut lüften, betroffene Bereiche anfeuchten, Handschuhe tragen, Staubentwicklung vermeiden und Ausscheidungen oder tote Nagetiere sicher entfernen. Lebensmittel sollten nagetiersicher gelagert und mögliche Zugänge für Nagetiere verschlossen werden.
Können sich Menschen gegenseitig anstecken?
Bei den in Deutschland vorkommenden Hantaviren ist eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung praktisch ausgeschlossen. Eine wichtige Ausnahme ist das Andes-Virus in Südamerika. Hier wurde eine Übertragung zwischen Menschen nachgewiesen, besonders bei engem Kontakt. Dieses Virus steht auch im Zusammenhang mit den infizierten und verstorbenen Passagieren des Kreuzfahrtschiffes »Hondius«.
Wie lang ist die Inkubationszeit?
Die Inkubationszeit beträgt meist zwei bis vier Wochen, in Ausnahmefällen kann sie nur fünf Tage oder bis zu 60 Tagen betragen.
Welche Beschwerden sind typisch?
Viele Infektionen verlaufen asymptomatisch und mild. In Deutschland stehen meist fieberhafte Erkrankungen mit Kopf-, Muskel-, Rücken- oder Bauchschmerzen im Vordergrund; auch Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall können auftreten. Asiatische und europäische Hantavirus-Stämme gelten als Auslöser des hämorrhagischen Fiebers mit renalem Syndrom (HFRS). Bei Infektionen mit den in Deutschland relevanten Virustypen kommt es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in der Regel aber nur zur leichteren Verlaufsform des HFRS. Die Letalität liegt bei Erkrankungen durch PUUV-Infektionen laut RKI deutlich unter 0,1 Prozent, bei solchen durch DOBV-Infektionen (Typ Kurkino) wurde sie mit 0,3 bis 0,9 Prozent bestimmt.
Wie wird behandelt?
Es gibt keine spezifische antivirale Standardtherapie. Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Dazu gehören engmaschige Überwachung, Flüssigkeits- und Kreislaufmanagement, Behandlung von Nieren- oder Lungenkomplikationen und bei schweren Verläufen intensivmedizinische Versorgung.
Welche wichtigen Unterschiede gibt es zwischen dem Andes-Virus und den in Deutschland vorkommenden Hantaviren?
Benannt sind die Hantaviren nach dem Fluss Hantan in Südkorea. / © Imago Images/Zoonar
Das Andes-Virus stammt aus Südamerika. Hauptüberträger ist die Langschwanz-Zwergreisratte (Oligoryzomys longicaudatus). Das Virus gilt als deutlich gefährlicher als die in Deutschland vorkommenden Varianten und kann vor allem einen starken Befall der Lungen und des Herzens auslösen. Das Hantavirus-induzierte kardiopulmonale Syndrom (HCPS/HPS) weist eine Letalität von 25 bis 40 Prozent auf.
Woher stammt der Name Hantavirus?
Der Name stammt von dem Fluss Hantan in Südkorea. Während des Koreakriegs in den 1950er-Jahren erkrankten dort Tausende Soldaten an einem schwer verlaufenden hämorrhagischen Fieber. Im Jahr 1977 wurde das verantwortliche Virus erstmals isoliert und nach dem Fluss benannt: Hantaan-Virus. Daraus entwickelte sich später der Sammelbegriff Hantaviren.