Die Betroffenen nehmen Schwindel individuell unterschiedlich wahr. Beim systematischen Schwindel mit gerichteten Scheinbewegungen wird der Drehschwindel als Karussellfahrt erlebt, der Schwankschwindel beim Aufrichten des Körpers oder Wenden des Kopfes als drohende Ohnmacht oder der Liftschwindel als Heben oder Senken des Körpers. Dagegen wird der diffuse ungerichtete Schwindel eher wie ein Gefühl der Benommenheit, Unsicherheit beim Gehen oder Schwarzwerden vor Augen beschrieben.
Zusätzlich unterscheidet man den Attackenschwindel von einigen Sekunden bis Stunden vom Dauerschwindel, der Tage bis Wochen anhalten kann.
In der Apotheke sollte man hellhörig werden, wenn Patienten oder Angehörige über Schwindel mit folgenden Begleitsymptomen berichten:
Der Patient ist umgehend an den Arzt zu verweisen, denn schwerwiegende Erkrankungen des Vestibularapparats oder des Gehirns wie Schlaganfall oder Embolie können zugrunde liegen.
Vielfältige Ursachen können das periphere vestibuläre System so sehr stören, dass die Patienten über teils heftigen Schwindel und Benommenheit klagen. Zu diesen Formen gehören zum Beispiel der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel, der Morbus Menière, virale und bakterielle Infektionen oder Tumoren.
Das Gleichgewicht in jeder Position halten zu können, erfordert ein gutes Zusammenspiel von Gleichgewichtsorgan und anderen Sinnesreizen – und viel Training. / © Shutterstock/PeopleImages
Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel (BPLS) ist eine häufige Form. Dabei rufen bestimmte Kopfhaltungen (im Bett umdrehen, etwas vom Boden aufheben) kurzzeitige Drehschwindelanfälle hervor. Der Grund: Otolithen haben sich aus den Vorhofsäckchen in die Bogengänge des peripheren Vestibularapparats verirrt. Sie schwimmen dann in der Endolymphe und reizen bei jeder Kopfbewegung die Sinneszellen der Bogengänge. Begleitend entwickeln sich Übelkeit und Nystagmus; das sind rhythmische Augenbewegungen, die aufgrund der Zusammenarbeit von Auge und Vestibularapparat entstehen können.
Die Therapie von BPLS erfolgt mit einem sogenannten Lagerungsmanöver, dem Epley- (Otolithen-Repositionsmanöver) oder dem Semont-Manöver. Dabei werden Drehungen des Kopfes und Bewegungen des Rumpfes so kombiniert, dass die fälschlicherweise in den Bogengängen befindlichen Otolithen wieder in ihre ursprüngliche Position in die Vorhofsäckchen rutschen. Beide Techniken führen zu demselben Ergebnis und sollten nur von erfahrenen Therapeuten vorgenommen werden. Medikamente sind nicht indiziert.
Typisch für Morbus Menière, aber individuell unterschiedlich in der Ausprägung ist ein anfallsweise auftretender Drehschwindel von 20 Minuten bis 12 Stunden Dauer mit oft einseitiger Hörminderung, Tieftonschwerhörigkeit und Tinnitus. Hinzukommen vegetative Symptome wie Übelkeit, Schwitzen und Erbrechen. Mögliche Risikofaktoren sind familiäre Vorbelastung, Autoimmunkrankheiten, Allergien, Schädel- oder Ohrtraumen. Der Häufigkeitsgipfel findet sich bei den 20- bis 50-Jährigen. Es wird vermutet, dass eine überschießende Bildung oder ungenügende Resorption von Lymphflüssigkeit im Vestibularapparat zum Stau der Endolymphe und zu erhöhter Erregung des Hör- und Gleichgewichtsnerven führt.
Die Therapie des Morbus Menière erfolgt symptomatisch. Mitunter lassen sich Häufigkeit und Schwere der Episoden durch Diuretika und salzarme Ernährung verringern. Bei heftigen Symptomen wird operativ die überschüssige Lymphe aus dem peripheren Gleichgewichtsorgan entfernt.
Auch Viren können aufs Ohr schlagen. So können Infektionen mit Herpes-simplex-Virus Typ 1 den Nervus vestibularis schädigen und zu einer Neuronitis vestibularis mit meist einseitigem Ausfall des Vestibularapparats mit Nystagmus auf der nicht betroffenen Seite führen. Folgen sind starker Drehschwindel, Übelkeit und Gangunsicherheit über Tage bis Wochen. Der Patient hat keinen Hörverlust oder Tinnitus. Die Erkrankung ist selbstlimitierend. Gefühle einer Gleichgewichtsstörung können nach der Genesung aber weiter bestehen.
Hoffentlich wird ihm nicht schwindelig. / © Shutterstock/PeopleImages
Als bakterielle Innenohrinfektion führt die eitrige (purulente) Labyrinthitis oft zu Taubheit und Verlust der Gleichgewichtsfunktion. Die Symptome umfassen schweren Schwindel und Nystagmus, Übelkeit und Erbrechen, Hörverlust, Tinnitus, Schmerzen und Fieber. Zur antibiotischen Therapie werden Cephalosporine der dritten Generation eingesetzt.
Beim Akustikusneurinom handelt es sich um einen gutartigen, vom Innenohrnerv ausgehenden Tumor. Hörminderung, Schwindel, Gangunsicherheit oder Gesichtslähmung sind die Folgen.
Bei einer Vestibularisparoxysmie wird der Gleichgewichtsnerv durch pulsierende Gefäße komprimiert. Es können sekundenlange Schwindelattacken entstehen.