Schwindel und Benommenheit sind sehr häufige Symptome, die sehr viele verschiedene Ursachen haben können. Die Ursachensuche ist essenziell für die Wahl der Therapie. / © Shutterstock/New Africa
In der aktualisierten S2k-Leitlinie »Akuter Schwindel in der Hausarztpraxis« (Stand Februar 2025) wird Schwindel als ein Gefühl der Unsicherheit im Raum beschrieben. Schwindel ist keine Erkrankung, sondern eines der häufigsten neurologischen Symptome mit vielen unterschiedlichen – harmlosen oder gefährlichen – Ursachen.
Vertigo kann vorübergehend oder chronisch sein, hervorgerufen durch Störungen im peripheren und/oder zentralen Gleichgewichtsorgan, und erhöht das Risiko für Stürze und Verletzungen vor allem bei älteren Menschen. Die Lebensqualität kann je nach Heftigkeit und Dauer des Schwindels und der Begleitsymptomatik wie Übelkeit und Erbrechen deutlich eingeschränkt sein.
Der Begriff Benommenheit fasst verschiedene Empfindungen des Patienten zusammen wie Ohnmacht, Gefühl von Unsicherheit, Ungleichgewicht oder Benebeltsein im Kopf. Im Erleben des Patienten verschwimmen die Begrifflichkeiten Schwindel und Benommenheit oft.
Das Gleichgewicht zu halten, beruht auf einem hochkomplexen System, bei dem der Vestibularapparat mit Sinneswahrnehmungen des Auges und des propriozeptiven Systems zusammenarbeitet. Der Vestibularapparat umfasst das periphere Gleichgewichtsorgan im Innenohr und den VIII. Hirnnerven (N. vestibulocochlearis), der die Signale zu den zentralen Vestibulariskernen im Hirnstamm und Kleinhirn weiterleitet.
Der periphere Vestibularapparat besteht aus zwei Vorhofsäckchen sowie drei bogenförmigen, mit Lymphe gefüllten Gängen, die im rechten Winkel zueinanderstehen (Grafik). Verändert der Kopf seine Position, bewegt sich die Lymphflüssigkeit in den Bogengängen und die darin befindlichen Sinneshärchen werden gereizt. In den Vorhofsäckchen (Sacculus und Utriculus) ragen die feinen Zilien der Sinneszellen in eine gallertige Masse, beschwert durch kleinste Calciumcarbonat-Kristalle (CaCO₃), die sogenannten Otolithen. Ändert sich die Haltung oder Geschwindigkeit des Kopfes, verschieben sich die Otolithen unter dem Einfluss der Schwerkraft. Dies reizt die Zilien und stimuliert oder hemmt die Weitergabe neuronaler Signale.
Über den Hör- und Gleichgewichtsnerv werden alle Reize an das zentrale Gleichgewichtszentrum zur Verarbeitung weitergeleitet. Zugleich erfolgt ein Abgleich mit Sinneswahrnehmungen des Auges, der Muskeln, Gelenke und Sehnen sowie mit Oberflächenempfindungen wie Temperatur, Druck, Berührung, Vibrationen und Schmerz.
Grafik: Anatomie des Ohres mit dem Vestibularapparat im Innenohr; Ausschnitt rechts: losgelöste Ohrsteinchen bei Lagerungsschwindel / © PZ/Stephan Spitzer