Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Schwindel
-
Fahndung nach den Ursachen

Schwindel ist eines der häufigsten neurologischen Symptome und Nebenwirkung zahlreicher Arzneimittel. Ältere Menschen sind besonders betroffen. Mit gezielten Fragen kann die Apotheke unterstützen.
AutorKontaktBarbara Staufenbiel
Datum 17.05.2026  08:00 Uhr

Gestörte Verarbeitung im Zentrum

Neben Problemen im peripheren Gleichgewichtsorgan können die Ursachen auch im zentral-vestibulären System liegen. Mögliche betroffene Strukturen sind Kleinhirn, Hirnstamm oder Hirnrinde.

Bei einem akuten zentral-vestibulären Syndrom setzen plötzlich heftige Dreh- oder Schwankschwindel ein. Bei Verdacht auf ein zentrales Ereignis, zum Beispiel einen Schlaganfall, muss der Patient notfallmäßig eingewiesen werden.

Die Ätiologie der vestibulären Migräne ist noch unklar; es wird eine neuronale Übererregbarkeit vermutet. Die Symptome sind Drehschwindelattacken mit Übelkeit, Erbrechen und Gangunsicherheit. Zudem klagen die Patienten über die typischen Migränebeschwerden wie Kopfschmerzen, Licht- und Lärmempfindlichkeit.

Weitere Ursachen für Störungen des vestibulären Zentrums mit begleitendem Schwindel sind Demenz, Stenose oder Thrombose großer Hirnarterien, Erkrankungen des Kleinhirns oder Hirnstamms, psychiatrische Störungen sowie neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Morbus Parkinson oder Epilepsie.

Gleichgewichtsorgan intakt, aber trotzdem schwindelig

Oft sind die Ursachen gar nicht dem peripheren oder zentralen Gleichgewichtsorgan zuzuordnen. Die Symptome des sogenannten nicht vestibulären Schwindels sind überwiegend ungerichtet, zum Beispiel Benommenheit oder Gangunsicherheit (Kasten).

Zahlreiche Grunderkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit Hypotonie oder Hypertonie, orthostatische Regulationsstörungen, Hyper- oder Hypothyreose, Diabetes mit Unter- oder Überzuckerung, Dehydrierung bei unzureichender Flüssigkeitsaufnahme oder Belastung durch Hitze können zu einer Minderdurchblutung des Gehirns und Innenohrs führen. Neben Schwindel kommt es zu Symptomen wie Schwitzen und Schwarzwerden vor Augen. Bei Angststörungen oder Depressionen können Benommenheit und Schwindel auch psychogen bedingt sein.

Ebenso kann eine beständig falsche Haltung des Kopfs beim Handygebrauch oder durch Erkrankungen der Halswirbelsäule Verspannungen der Muskulatur auslösen, die von Schwindel begleitet sind.

Bei Augenerkrankungen wie Astigmatismus, Anisometropie (Ungleichsichtigkeit, bei der die Augen eine unterschiedliche Brechkraft haben) oder Glaukom gelangen irreführende Signale an die Großhirnrinde: Schwindelgefühle sind die Folge. Dies spielt vorübergehend auch bei einer neu angepassten Brille eine Rolle.

Manche Frauen leiden aufgrund der Hormonumstellung zu Beginn der Wechseljahre unter Schwindelgefühlen.

In großer Höhe und bei Kinetosen (Kasten) werden widersprüchliche Signale vom Gleichgewichtsorgan, den Augen und den Körperbewegungen an das Gehirn gesandt: Es kommt zu Schwankschwindel, Übelkeit und Gangunsicherheit.

Mehr von Avoxa