Neben Problemen im peripheren Gleichgewichtsorgan können die Ursachen auch im zentral-vestibulären System liegen. Mögliche betroffene Strukturen sind Kleinhirn, Hirnstamm oder Hirnrinde.
Bei einem akuten zentral-vestibulären Syndrom setzen plötzlich heftige Dreh- oder Schwankschwindel ein. Bei Verdacht auf ein zentrales Ereignis, zum Beispiel einen Schlaganfall, muss der Patient notfallmäßig eingewiesen werden.
Die Ätiologie der vestibulären Migräne ist noch unklar; es wird eine neuronale Übererregbarkeit vermutet. Die Symptome sind Drehschwindelattacken mit Übelkeit, Erbrechen und Gangunsicherheit. Zudem klagen die Patienten über die typischen Migränebeschwerden wie Kopfschmerzen, Licht- und Lärmempfindlichkeit.
Weitere Ursachen für Störungen des vestibulären Zentrums mit begleitendem Schwindel sind Demenz, Stenose oder Thrombose großer Hirnarterien, Erkrankungen des Kleinhirns oder Hirnstamms, psychiatrische Störungen sowie neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Morbus Parkinson oder Epilepsie.
Oft sind die Ursachen gar nicht dem peripheren oder zentralen Gleichgewichtsorgan zuzuordnen. Die Symptome des sogenannten nicht vestibulären Schwindels sind überwiegend ungerichtet, zum Beispiel Benommenheit oder Gangunsicherheit (Kasten).
Zahlreiche Grunderkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit Hypotonie oder Hypertonie, orthostatische Regulationsstörungen, Hyper- oder Hypothyreose, Diabetes mit Unter- oder Überzuckerung, Dehydrierung bei unzureichender Flüssigkeitsaufnahme oder Belastung durch Hitze können zu einer Minderdurchblutung des Gehirns und Innenohrs führen. Neben Schwindel kommt es zu Symptomen wie Schwitzen und Schwarzwerden vor Augen. Bei Angststörungen oder Depressionen können Benommenheit und Schwindel auch psychogen bedingt sein.
Ebenso kann eine beständig falsche Haltung des Kopfs beim Handygebrauch oder durch Erkrankungen der Halswirbelsäule Verspannungen der Muskulatur auslösen, die von Schwindel begleitet sind.
Bei Augenerkrankungen wie Astigmatismus, Anisometropie (Ungleichsichtigkeit, bei der die Augen eine unterschiedliche Brechkraft haben) oder Glaukom gelangen irreführende Signale an die Großhirnrinde: Schwindelgefühle sind die Folge. Dies spielt vorübergehend auch bei einer neu angepassten Brille eine Rolle.
Manche Frauen leiden aufgrund der Hormonumstellung zu Beginn der Wechseljahre unter Schwindelgefühlen.
In großer Höhe und bei Kinetosen (Kasten) werden widersprüchliche Signale vom Gleichgewichtsorgan, den Augen und den Körperbewegungen an das Gehirn gesandt: Es kommt zu Schwankschwindel, Übelkeit und Gangunsicherheit.

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Das Gehirn ist irritiert, wenn die eigene Bewegung und Bewegungsreize der Umwelt widersprüchlich sind. Die Folge ist eine Kinetose mit Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, die – einmal ausgebrochen – nur schwer in den Griff zu bekommen ist. Da Kinder Sinnesreize noch nicht optimal verarbeiten können, sind sie oft besonders betroffen. Zur Vorbeugung ist es hilfreich, aus dem Fenster zu schauen.
Bei Reiseübelkeit wird vermehrt Histamin im Gehirn freigesetzt. Zu den natürlichen Therapeutika zählen Ingwer laut Monographie der Europäischen Arzneimittelagentur mit dem Status Well-established-Use und hoch dosiertes Vitamin C (500 mg), das in Studien den Histamin-Spiegel senkte. Die Wirksamkeit von Vitamin B6 ist dagegen nicht evident.
Die H1-Antihistaminika Dimenhydrinat und Diphenhydramin in verschiedenen Darreichungsformen (Saft, Tropfen, Zäpfchen, Kaugummi, Retardkapseln) sind Mittel der Wahl. Die Einnahme erfolgt etwa eine Stunde vor Reiseantritt. Da der Wirkstoff aus Sublingualtabletten oder Kaugummi über die Mundschleimhaut resorbiert wird, sind diese auch bei den ersten Anzeichen von Übelkeit noch wirksam. Das Apothekenpersonal sollte auf Nebenwirkungen wie Benommenheit und Müdigkeit ebenso hinweisen wie auf die Kontraindikationen (Prostatahyperplasie, akuter Asthmaanfall, Engwinkelglaukom).
Beide Arzneimittel sind für ältere Menschen laut Priscus-Liste nicht geeignet. Für Kinder bis drei Jahren sollte in der Apotheke die genaue Dosierung von Dimenhydrinat besprochen werden, da Überdosierungen lebensbedrohlich sein können. Für Schwangere und Stillende ist eine besondere Risiko-Nutzen-Abwägung erforderlich.
Schwere Fälle von Reiseübelkeit werden bei Erwachsenen mit der Kombination Cinnarizin plus Dimenhydrinat oder mit einem transdermalen therapeutischen System mit dem Alkaloid Scopolamin behandelt.