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Bundesregierung

Erste Cannabis-Ernte in Deutschland verzögert sich

Im Jahr 2020 wird es nichts mehr mit der Auslieferung der ersten in Deutschland angebauten Cannabisblüten. Das gab die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP bekannt.
Jennifer Evans
07.10.2020  14:00 Uhr

Die FPD-Abgeordneten um Wieland Schinnenburg wollten wissen, wann genau die Bundesregierung mit der ersten in Deutschland produzierten Medizinalcannabis-Ernte rechnet. Ein konkretes Datum nennt die Bundesregierung in ihrer Antwort nicht. Nur so viel: »Mit ersten Lieferungen zur Abnahme durch die Cannabisagentur kann voraussichtlich im 1. Quartal 2021 gerechnet werden.« Die Coronavirus-Pandemie habe einen »zeitverzögernden Einfluss auf den Beginn der Lieferungen« gehabt, so die Begründung.

In Deutschland wird der Cannabisanbau vom Bundesinstitut für Arzneimittel- und Medizinprodukte (BfArM) gesteuert und überwacht. Dort gibt es seit 2017 eigens eine eigene Cannabisagentur. Ziel ist es, die Versorgung mit Medizinalhanf hierzulande langfristig unabhängig von ausländischen Importen zu machen.

Doch für das Jahr 2021 soll alles dann tatsächlich nach Plan laufen. Nach Angaben der Bundesregierung bleibt es aller Voraussicht nach bei den vorgesehenen Abnahmemengen von 650 Kilogramm je Quartal. Und auch zwei der Produktionsanlagen in Deutschland sollen demnach bis Ende 2020 beziehungsweise Anfang 2021 fertiggestellt sein, die dritte folgt dann in der ersten Hälfte des kommenden Jahres. In der Endphase der baulich-technischen Fertigstellung der Anlagen könne dann bereits die erste Pflanzung, die der Vermehrung der Cannabispflanzen aus der sogenannten Mutterpflanzen dient, starten.

Stecklinge kommen aus Kanada

Auf die Frage, wie viel Zeit üblicherweise zwischen der Pflanzung bis zur ersten Ernte vergeht, antwortet die Bundesregierung der FPD, dass die Wachstumsverläufe je nach Typ und Prozessbedingungen variieren können. Normalerweise dauere dies aber zwischen drei und fünf Monaten. Bei den drei Vertragspartnern laufe die Aufzucht mit Pflanzenstecklingen, heißt es weiter. Das hat der Regierungsantwort zufolge gegenüber Samen den entscheidenden Vorteil, eine reproduzierbare Qualität erzielen zu können. »Nach dem jetzigen Stand der Planung ist beabsichtigt, Stecklinge aus Kanada zu importieren.«

Auskunft wollten die Fragesteller der FDP außerdem darüber haben, ob der in Deutschland produzierte Medizinalhanf womöglich auch zu anderen Zwecken als zum Verkauf von Cannabisblüten genutzt werden soll. Im Blick hatte die Partei dabei etwa die Herstellung von Extrakten oder ein Einsatzgebiet im Forschungsbereich. Die Bundesregierung hält sich vage: »In Deutschland produzierter Medizinalcannabis ist prioritär zur Unterstützung der therapeutischen Versorgung von Patientinnen und Patienten vorgesehen.«

Schon jetzt ist klar, dass hierzulande der jährliche Bedarf an Cannabis größer sein wird, als die ausgeschriebene Menge von 2,6 Tonnen decken kann. Denn seitdem Patienten mit schweren Erkrankungen sich Cannabisarzneimittel auf Kosten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verschreiben lassen können, ist die Nachfrage enorm gestiegen. Zwar sehen die Verträge mit den Anbietern vor, dass die Produktionsmenge um 150 Prozent erhöht werden kann, um den errechneten jährlichen Bedarf von 28 Tonnen für Deutschland besser decken zu können. Diese Zahl ist im Rahmen einer früheren Kleinen Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag gefallen. Aber nach eigenen Angaben will die Bundesregierung auch weiterhin bei der Versorgung von Cannabispatienten auf Importe zurückgreifen.

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