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Gesteigerter Bedarf

FDP will 20-mal mehr Cannabis anbauen lassen

Die Nachfrage nach medizinischem Cannabis wächst hierzulande rasant. Die Bundesregierung ist jedoch sicher, den Bedarf über den Anbau in Deutschland sowie über Importe decken zu können. Die FDP-Fraktion bezweifelt dies und fordert eine Erhöhung der Produktionsmenge auf das 20-Fache – und will sogar exportieren.
Ev Tebroke
04.03.2020  14:50 Uhr
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Der Umsatz mit medizinischem Cannabis ist erneut deutlich gestiegen. Im vergangenen Jahr erhöhte er sich von rund 8,2 Millionen im Januar 2019 auf rund 12,4 Millionen Euro im Oktober 2019. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor. Dies entspricht einer Steigerung um 52 Prozent.

Die FDP-Fraktion hält aufgrund der stetig steigenden Nachfrage die derzeitig in Deutschland vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vorgesehene jährliche Produktionsmenge von 2,6 Tonnen Medizinalhanf pro Jahr für viel zu niedrig. In ihrer Kleinen Anfrage wollte die Fraktion unter Federführung ihres drogenpolitischen Sprechers Wieland Schinnenburg wissen, ob eine Erhöhung anvisiert ist. Doch die Bundesregierung sieht dafür offenbar keinen Anlass. »Die Bundesregierung geht davon aus, dass der Bedarf aus dem geplanten Anbau von Medizinalcannabis in Deutschland sowie über Importe gedeckt werden kann«, heißt es in der Antwort aus dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG).

Bei der FDP stößt dies auf Unverständnis. Statt weiterhin auf Importe zu setzen, sollte Deutschland lieber die Produktion drastisch ankurbeln und zudem selber auch exportieren. »Ich fordere die Bundesregierung auf, die Produktionsmengen für Medizinalcannabis von 2,6 auf 50 Tonnen im Jahr zu erhöhen, um die steigende Nachfrage zu bedienen und Medizinalcannabis Made in Germany zu einem Exportschlager zu machen«, so Schinnenburg.

Wirkstoff für Sativex kommt aus UK

Seit der gesetzlichen Freigabe von Cannabis für medizinischen Zwecke im März 2017 ist es Ärzten erlaubt, auch Medizinal-Cannabisblüten oder Cannabisextrakt in pharmazeutischer Qualität auf Rezept zu verordnen. Um die Versorgung mit Medizinalhanf unabhängig von Importen aus anderen Ländern dauerhaft sicherstellen zu können, richtete das BfArM eine Cannabisagentur ein, die den Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken kontrollieren und steuern soll.

In einem Vergabeverfahren wurden hierzulande drei Unternehmen mit dem Anbau beauftragt. Dabei handelt es sich um die Deutschland-Töchter der kanadischen Unternehmen Aurora und Aphria sowie dem deutschen Start-Up Demecan. Laut Regierungsantwort ist die erste Lieferung der Vertragspartner für das vierte Quartal 2020 geplant.

Was die Importe betrifft, so sieht die Situation derzeit wie folgt aus: Cannabisblüten zu medizinischen Zwecken importiert Deutschland aus den Herstellungsstaaten Niederlande, Kanada und Portugal. Cannabisextrakte werden derzeit ausschließlich aus Kanada importiert. Der Wirkstoff von Sativex® wird laut Antwort im Vereinigten Königreich hergestellt. Für Canemes® sind Wirkstoffhersteller in Deutschland und Österreich gemeldet.

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