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Infektionen
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Doppelt gefährlich für Schwangere

Den Kontakt mit Pathogenen können werdende Mütter nicht immer vermeiden. Welche Erreger besonders gefährlich sind und wie Schwangere sich schützen können, ist ein wichtiges Beratungsthema.
AutorKontaktNicole Schuster
Datum 05.03.2023  08:00 Uhr

Chlamydien-Screening als Vorsorge

Die weltweit häufigste bakterielle STI ist die Chlamydiose. Eine Infektion mit Chlamydia trachomatis (CT) verläuft in vielen Fällen asymptomatisch, kann aber zur Unfruchtbarkeit führen. Es gibt Hinweise für ein erhöhtes Risiko von Frühgeburten, vorzeitigem Blasensprung, kindlichem Untergewicht und anderen Schwangerschaftskomplikationen, wenn werdende Mütter mit Chlamydien infiziert sind.

In Deutschland gehört ein Screening auf Chlamydien seit 1995 zur Mutterschaftsvorsorge der gesetzlichen Krankenversicherungen.

Etwa 60 bis 70 Prozent der Neugeborenen stecken sich bei ihrer infizierten Mutter an, wenn sie den Geburtskanal passieren. Eine schwere Pneumonie kann entstehen, wenn das Kind erregerhaltiges Vaginalsekret während der Geburt aspiriert (4, 12). Die Behandlung einer infizierten Schwangeren erfolgt mit Antibiotika (Kasten 2). 2017 verglichen Wissenschaftler in einem Cochrane-Review Amoxicillin, Erythromycin, Clindamycin und Azithromycin. Es wurden keine Unterschiede bezüglich Wirksamkeit oder Schwangerschaftskomplikationen festgestellt. Bei Amoxicillin, Azithromycin und Clindamycin traten jedoch weniger Nebenwirkungen auf als bei Erythromycin (13).

Ebenfalls zu den Vorsorgemaßnahmen in der Schwangerschaft gehört eine serologische Untersuchung auf Lues (Syphilis) (4). Treponema pallidum wird sexuell übertragen und kann ab der zwölften Schwangerschaftswoche diaplazentar auf das Ungeborene übergehen. Besonders tückisch ist es, wenn die werdende Mutter eine latente Syphilis hat und deshalb nichts von der bakteriellen Erkrankung bemerkt. Die fetale Infektion kann meistens verhindert werden, wenn die Frau in den ersten Schwangerschaftswochen mit parenteral appliziertem Penicillin G behandelt wird.

Wird das Ungeborene infiziert, ist eine Fehl- oder Totgeburt eine häufige Folge. Überleben Kinder die Infektion, kommen sie mit einer angeborenen Syphilis auf die Welt (Lues connata). Krankheitszeichen manifestieren sich im ersten Lebensjahr (Lues connata präcox) (14).

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