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Berufsfelder

Arbeiten in engem Kontakt mit Ärzten

28.08.2012  15:27 Uhr

Von Clarissa Wild / Von der Analytik zum Antibiotika-Beratungsservice: Jutta Dedy aus der Krankenhausapotheke des Essener Uniklinikums studierte in Düsseldorf Pharmazie und berichtet im Gespräch mit der PZ über ihren außergewöhnlichen Arbeitsalltag auf Station und im Büro sowie über die Zusammenarbeit mit den Klinikärzten.

PZ: Wie wurden Sie zur Spezialistin für den antibiotischen Beratungsservice?

 

Dedy: Ich war zu Beginn meiner Tätigkeit neben der Analytik auch für das Therapeutische Drug Monitoring (TDM) verantwortlich. Wir boten diesen Service klinikweit für die beiden damals viel eingesetzten Antibiotikaklassen Glykopeptide und Aminoglykoside, die ein enges therapeutisches Fenster haben, an. Ich war und bin immer noch für die Auswertung und Berechnung der Ergebnisse zuständig und spreche individualisierte Dosisempfehlungen aus. 2005 wurde der Antibiotika-Beratungsservice ins Leben gerufen. Das Besondere bei uns ist, dass es eine interdisziplinäre Gruppe ist. Da habe ich mit meinem Wissen über Arzneimittel gut hineingepasst. Das Team besteht aus einem klinisch orientierten Mikrobiologen, einem klinisch und infektiologisch erfahrenen Hämatoonkologen, mir als klinischer Pharmazeutin und einem Intensivmediziner. Während wir das Konzept aufbauten, haben wir voneinander gelernt und uns gegenseitig untereinander fortgebildet.

 

PZ: Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? Mit welchen Aufgaben sind Sie in diesem Team betraut?

Dedy: Wir machen regelmäßig Visiten auf Intensivstationen sowie bei Bedarf Einzelfallberatungen auf Normalstationen, wo jeder seinen Teil zur gesamttherapeutischen Situation beiträgt. Ich kümmere mich um Arzneimitteinteraktionen, Dosierungen sowie Dosisanpassung, zum Beispiel bei Niereninsuffizienz. Die Fälle sind selten schematisch abzuarbeiten, da es sich um sehr individuelle Patientenfälle handelt, wofür es eben keine Leitlinien gibt. Daneben erarbeiten wir mit einzelnen Stationen abteilungsbezogene Leitlinien, die deren spezielle Patientengruppe, deren Krankheiten und Bedürfnisse berücksichtigen. Den halben Tag bin ich in etwa auf den Stationen unterwegs, die restliche Zeit bin ich mit der Vor- und Nachbearbeitung beschäftigt. Die Organisation und patientenindividuelle Dokumentation unserer Leistungen gehört ebenfalls zu meinem Aufgabenbereich innerhalb des Teams.

 

PZ: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Ärzten? Mussten Sie anfangs Vorurteile aus dem Weg räumen, und besitzen Sie vielleicht einen speziellen Trick?

 

Dedy: Es war kein abrupter Anfang. Die meisten Ärzte kannte ich vorher schon durch das TDM. Das ist langsam gewachsen. Ich habe nicht erlebt, dass jemand von vornherein abweisend gewesen wäre, weil ich Apothekerin bin. Wenn wir auf neue Kollegen treffen, dann treten schon mal Vorbehalte auf. Nicht persönlich gegen mich als Apothekerin, sondern dagegen, beraten zu werden. Wir können dann in der Gesprächsführung jedoch klarmachen, dass es sich um ein Beratungsangebot handelt und wir sie nicht vorführen wollen. Ganz wichtig ist, dass man nicht als Besserwisser auftritt, sondern nur seine Kompetenz anbietet.

 

PZ: Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit besonders Spaß?

 

Dedy: Ich finde die Arbeit in dieser Gruppe fantastisch. Das ist sehr anregend, sehr inspirierend und konstruktiv. Ich finde es sehr spannend, dass ich klinikweit in den verschieden Abteilungen tätig bin. Wir kommen dort zum Einsatz, wo man Gedanken investieren muss, in Literatur suchen muss, sich eine Lösung erarbeiten muss. Das finde ich sehr spannend. Die Anforderungen in den verschiedenen Abteilungen sind ganz unterschiedlich und jeder Tag ist anders. Wenig Monotonie.

 

PZ: In welchen anderen Abteilungen sind Apotheker in der Krankenhausapotheke beschäftigt?

 

Dedy: In jeder Abteilung der Apotheke ist ein Apotheker verantwortlich. Es gibt die Abteilungen Logistik/Arzneimittelinformation, Rezeptur/Defektur, Großherstellung steriler Arzneimittel sowie patientenindividuelle Herstellung steriler Arzneimittel. In der Rezeptur werden vor allem individualisierte Arzneimittel für die Kinderklinik und Dermatologie hergestellt. Dann gibt es den nicht-CMR aseptischen Bereich, wo individuelle parenterale Ernährungen für die Kinderklinik, individuelle Dosierungen hochwirksamer parenteraler Arzneimittel, Augentropfen und zum Beispiel Schmerzbeutel hergestellt werden. Die umfangreiche Zytostatikaherstellung wird extra betreut. Separat gibt es eine Apothekerin, die sich um die Analytik, sowie die pharmazeutische Betreuung von in Studien eingesetzten Substanzen kümmert. Der letztgenannte Bereich nimmt immer mehr zu und ist mit einem großen Herstellungs- und Dokumentationsaufwand verbunden. Für die Arzneimittellogistik sind drei Apotheker verantwortlich, die auch die Arzneimittelinformation bearbeiten. Zudem beschäftigen sich zwei Apotheker in ihrer Promotionsarbeit wissenschaftlich mit dem Thema Arzneimitteltherapiesicherheit. / 

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