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Berufsfelder

Lehren an der PTA-Schule

19.09.2011  06:39 Uhr

Von Clarissa Wild / Kreide und Tafel, Klassenbuch und Notenkonferenz: Auch Apotheker können damit zu tun bekommen. Wem Unterrichten Spaß macht, der kann sich bei einer PTA-Schule bewerben. Apothekerin Birgit Bestek leitet zum Beispiel in Castrop-Rauxel eine solche. Sie stand der PZ im Interview Rede und Antwort.

PZ: Wie kamen Sie auf die Idee, in einer PTA-Schule zu arbeiten?

 

Bestek: Nach einer Zeit in der öffentlichen Apotheke hab ich gekündigt und bin zusammen mit meinem Mann nach Italien gegangen. Als wir zurückkamen, war ich zunächst wieder in der öffentlichen Apotheke. Das lastete mich aber nicht aus. 1989 bekam ich eine halbe Stelle an der PTA-Lehranstalt in Hagen und anderthalb Jahre später eine ganze Stelle an der Lehranstalt in Dortmund. Bis dahin hatte ich schon herausgefunden, dass mir Unterrichten sehr viel Spaß macht.

 

PZ: Waren für diese Tätigkeiten besondere Weiterbildungen notwendig?

 

Bestek: Nicht unbedingt notwendig, aber sehr hilfreich. 1993 beendete ich die Weiterbildung zur Fachapothekerin für Theoretische und Praktische Ausbildung.

 

PZ: Wie wurden Sie dann zur Schulleiterin?

 

Bestek: Die Stadt Dortmund beschloss, sich aus der Trägerschaft für die PTA-Lehranstalt zurückzuziehen und diese zu schließen. Kurzfristig wurde die Schule dann im Sommer 1994 von einem Verein, der dem Apothekerverband Westfalen-Lippe nahestand, übernommen. Dessen Geschäftsführer rief mich an und fragte mich, ob ich die Leitung der Schule übernehmen wolle. Zusammen mit einer Kollegin, die halbtags arbeitete, und zwei Teilzeit-PTA zog die ganze Schule dann in leerstehende Räume nach Castrop-Rauxel um. Dort begannen wir mit den ersten beiden Klassen, im Sommer 2011 kommen die Klassen 35 und 36.

 

PZ: Wie sieht ein normaler Berufsalltag für Sie aus?

 

Bestek: Ich komme morgens um 7.45 Uhr in die Schule und kläre, ob alle gesund sind und der Stundenplan bleiben kann, wie er geplant war. Der Unterricht teilt sich in theoretischen und praktischen Unterricht auf. Ich unterrichte im praktischen Teil zum Beispiel Galenik. Die theoretischen Einheiten finden ähnlich wie in einer normalen Schule in Klassenräumen statt.

 

Wenn ich keinen Unterricht gebe, kümmere ich mich um all die Dinge, die man bei einer Schule nicht sieht: Hausmeister, Materialbeschaffung, Prüfungsplanung, Zeugnisse, Behörden. Außerdem gehören Fortbildungen, sei es fachlich oder pädagogisch, auch zum Alltag.

 

Gegen 15.30 Uhr fahre ich nach Hause. Klausuren und Protokolle habe ich dann oft im Gepäck. Auch am Wochenende arbeite ich zu Hause am Schreibtisch. Unterricht muss schließlich auch vorbereitet werden.

 

PZ: Welche Fähigkeiten sollte ein Apotheker, der als Lehrer arbeiten möchte, mitbringen?

 

Bestek: Menschen zu mögen, ist das Wichtigste! Ich arbeite gerne mit jungen Menschen und freue mich, wenn sie am Ende der Ausbildung stolz in ihre berufliche Zukunft starten.

 

Natürlich braucht man gute Nerven und muss auch komplizierte Dinge gut erklären können. Zudem muss man sich gerne in neue Sachverhalte einarbeiten. Die Arbeit lässt sich freier einteilen als in der Apotheke, endet dafür aber nicht, wenn man die Schule verlässt.

 

PZ: Sind die Voraussetzungen als PTA-Lehrer tätig zu sein, von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich?

 

Bestek: Ja. Bildung ist Ländersache, deswegen sind die Bedingungen in den Bundesländern unterschiedlich. In Hamburg machen die PTA-Lehrer zum Beispiel das »normale« Referendariat für Berufsschullehrer. Ob der Schulträger die Weiterbildung zum Fachapotheker in den Ländern vorschreibt, wo es diese gibt, ist unterschiedlich. Meist ist sie erwünscht, manchmal auch verpflichtend. Bei unserem Träger steht die Verpflichtung, den Fachapotheker zu erwerben, im Arbeitsvertrag. /

 

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In der PZ-Ausgabe 26/2011 wurde im Rahmen der Serie »Berufsfelder für Apotheker« die öffentliche Apotheke vorgestellt, in der Ausgabe 30/2011 die pharmazeutische Industrie.

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