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Berufsfelder

Karriere an der Hochschule

26.03.2012  14:56 Uhr

Von Clarissa Wild / Nach dem Pharmaziestudium kann es auch als Wissenschaftler an der Hochschule weitergehen. Professor Dr. Verena Jendrossek hat diesen Weg eingeschlagen. Heute ist die Apothekerin geschäftsführende Direktorin des Instituts für Zellbiologie (Tumorforschung) an der Uni Duisburg-Essen. Im Gespräch mit der PZ informiert sie über ihren Arbeitsalltag.

PZ: Wie kam es dazu, dass Sie als Pharmazeutin zur Arbeitsgruppenleiterin im Bereich Zellbiologie wurden?

 

Jendrossek: Ich habe Pharmazie studiert, in Paris Zellbiologie gelernt, in der Biologie zu einem zellbiologisch-immunologischen Thema promoviert und in der Medizin habilitiert. Dann kam das Interesse an radioonkologischen Fragestellungen dazu. Ich habe somit auf vielen verschiedenen Gebieten gearbeitet. Das ist einerseits ein Vorteil, bringt aber auch Schwierigkeiten mit sich. Denn man gehört nirgendwo richtig dazu. Als in Essen ein Zellbiologe gesucht wurde, habe ich mich beworben und die Chance genutzt.

 

PZ: Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Ihnen aus?

 

Jendrossek: Im Labor bin ich leider kaum noch tätig. Obwohl ich immer mit Begeisterung praktisch gearbeitet habe und es mir Freude bereitet, anderen etwas beizubringen. Den Vormittag versuche ich mir für Datenanalyse, Projektbesprechung und das Schreiben von Anträgen und Publikationen freizuhalten. Daneben gibt es viele Termine, zum Beispiel das einmal pro Woche stattfindende Arbeitsgruppenseminar. Dazu kommen Instituts- und Fakultätsseminare. Zudem sind wir in die Ausbildung der Mediziner und der Medizinischen Biologen eingebunden. Das bedeutet, dass ich auch Vorlesungen, Seminare und Praktika vorzubereiten und zu betreuen habe. Zu guter Letzt nehmen Verwaltungsangelegenheiten, die Bearbeitung von E-Mails sowie der Kontakt mit Kooperationspartnern weitere Zeit in Anspruch.

 

PZ: Was lieben Sie an Ihrem Beruf besonders?

 

Jendrossek: Höhepunkte sind, wenn Mitarbeiter mit neuen Ergebnissen und Ideen kommen und wir uns damit auseinandersetzen müssen, wie es in dem Projekt weitergehen soll. Ferner macht es mir Spaß, mich in ein neues wissenschaftliches Gebiet einzuarbeiten, zu dem ich zum Beispiel einen Antrag schreiben möchte. Als Sprecherin des neuen Graduiertenkollegs zum Thema Strahlenforschung habe ich viele neue Aufgaben zu bewältigen, bei denen ich selbst noch mal dazulernen kann.

 

PZ: Sie sind Mutter von zwei Kindern. Ist es kein Problem, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen?

 

Jendrossek: Eine Voraussetzung ist, dass man den richtigen Partner hat, der auch seinen Part zu Hause übernimmt. Das wirft zwar beide in ihrer Karriere zurück, aber langfristig haben beide die Chance, an ihr Ziel zu kommen. Es ist auch nicht verkehrt, seine Kinder früh in der Karriereleiter zu bekommen. Dann steckt man noch nicht so tief in seinem Job drin und hat auch weniger Verantwortung, zum Beispiel den Mitarbeitern gegenüber. Später wird es immer schwieriger, eine längere Auszeit zu nehmen.

 

Natürlich erwartet man auch viel von seinen Kindern. Man muss sich im Klaren darüber sein, dass das Familienleben eher unkonventionell verläuft. Unsere beiden Kinder haben akzeptiert, dass wir viel abwesend waren und haben das ganz gut verkraftet. Sie wurden früh selbstständig und haben sich gut zu zweit arrangiert.

 

Nicht zuletzt bleibt auch wenig Zeit für sich selbst oder ein Hobby. Aber das ist in Ordnung, wenn man sein Hobby zum Beruf hat. Es müssen eben alle mitspielen. Aber wenn man es will, dann kann man es auch schaffen, Beruf und Familie zu kombinieren. Davon bin ich fest überzeugt. / 

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