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Maximilian Buch

»Die ABDA muss diverser werden«

Mit nur 27 Jahren sitzt der Nachwuchspharmazeut Maximilian Buch bereits im Vorstand der Apothekerkammer Berlin. Schon während des Studiums hat er sich als Generalsekretär des Bundesverbands der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhP) in der Standespolitik engagiert. Im Gespräch mit der PZ erläutert er, warum es für ihn eine Herzensangelegenheit ist, in der Gesundheitspolitik mitzumischen, und wie sich die Standesvertretung aus seiner Sicht weiterentwickeln sollte.
Christina Müller
18.02.2020
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PZ: Sie waren während des Studiums bereits im BPhD aktiv, sitzen jetzt im Vorstand der Berliner Apothekerkammer und arbeiten hauptberuflich beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). War es schon immer Ihr Ziel, in die Gesundheitspolitik zu gehen, oder haben Sie auch etwas für die Arbeit in der öffentlichen Apotheke übrig?

Buch: Nach der Approbation habe ich eineinhalb Jahre in der Apotheke gearbeitet, in der ich mein Praktisches Jahr absolviert habe. Dort bin ich nicht geblieben, weil es bequem war, sondern weil mir der Job wirklich Spaß gemacht hat. Irgendwann kam dann aber der Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass ich mich doch noch ein wenig weiterentwickeln möchte und mal was anderes sehen will.

PZ: Warum haben Sie sich dann ausgerechnet beim G-BA beworben?

Buch: Ich bin dort in der Abteilung Arzneimittel angestellt und arbeite an der frühen Nutzenbewertung neuer Medikamente mit. Hierzulande legen wir dabei sehr großen Wert darauf, dass sich unsere Entscheidungen an der medizinischen Evidenz orientieren. Das ist ein großer Vorteil im Vergleich zu anderen Ländern, in denen die zuständigen Behörden eher politisch und wenig transparent arbeiten. Und da ich evidenzbasierte Medizin und das Begleiten der Versorgungsstruktur sehr interessant fand, habe ich mich dann beim G-BA beworben.

PZ: Wie kam es dazu, dass Sie sich neben dem zeitraubenden Studium auch noch im BPhD engagiert haben?

Buch: Da bin ich irgendwie reingerutscht. Zunächst habe ich mich ganz klassisch in der Fachschaft engagiert, dann wurde jemand für den Institutsrat gesucht und letztlich bin ich im Vorstand des BPhD gelandet. Dort habe ich meine Leidenschaft für Gesundheitspolitik entdeckt und mich vor allem für die Weiterentwicklung der Approbationsordnung eingesetzt. Daher freue ich mich, dass die Bundesapothekerkammer diese jetzt endlich angeht.

PZ: Was hat Sie motiviert, nach der Studienzeit am Ball zu bleiben und sich in den Berliner Kammervorstand wählen zu lassen?

Buch: Gesundheitspolitik ist wahnsinnig komplex und es gibt kaum einfache Antworten. Als Vorstandsmitglied der Kammer habe ich einen tieferen Einblick in die Themen und Abläufe, als wenn ich nicht in der Standespolitik aktiv wäre. Diese Informationen helfen oft, sich eine fundierte Meinung zu bilden. Es gefällt mir, mitzudenken und an Lösungen für aktuelle Probleme zu arbeiten. Das ist meine persönliche Art, mich für unseren Berufsstand einzusetzen.

PZ: Haben Sie das Gefühl, etwas bewegen zu können?

Buch: Der Politik wird ja oft vorgehalten, es wäre für den Einzelnen schwer, sich einzubringen und gehört zu werden. Das erlebe ich in der Standespolitik anders. Dort kann man wirklich noch mitgestalten. Zudem ist der Austausch mit anderen engagierten Apothekern meist sehr sachorientiert und produktiv. Natürlich führen wir bei den Kammerversammlungen auch mal emotionale Debatten. Beim Thema Modellprojekte zur Grippeimpfung in den Apotheken waren die Delegierten zum Beispiel nicht von vornherein einer Meinung. Das ist auch gut so, denn sonst würden wir den Berufsstand nicht ausreichend abbilden. Wir haben eingehend über die Bedenken gesprochen, die einige Kollegen hatten. Am Ende ist es uns aber gelungen, eine gemeinsame Position zu finden und uns für die Modellprojekte auszusprechen. Das zeigt, wie konstruktiv die Debatte verlaufen ist.

PZ: Wie empfinden Sie die Zusammenarbeit mit den etablierten Kräften?

Buch: Ich bin noch jung und viele Kollegen haben politisch deutlich mehr Erfahrung als ich. Davon kann ich profitieren und gleichzeitig vielleicht ein wenig frischen Wind einbringen. Eine gesunde Durchmischung unter den Delegierten ist sehr fruchtbar, wenn man sich offen begegnet. Nur so können wir die unterschiedlichen Perspektiven repräsentieren, die in der Apothekerschaft naturgemäß vorkommen. Das ist für mich persönlich ein wichtiger Teil des demokratischen Prinzips.

PZ: Braucht auch die ABDA eine Verjüngungskur?

Buch: Die ABDA muss sich definitiv verändern. Ich wünsche mir, dass wir nach der Wahl am Ende des Jahres einen moderneren und diverseren Vorstand haben als jetzt. Wie wäre es mal mit einer ABDA-Präsidentin oder einem Industrieapotheker in der Spitzenriege? Zudem sollten junge Kollegen besser in die Standespolitik eingebunden werden. Es kommen derzeit viele sehr engagierte und fähige junge Apotheker nach, die sich einbringen möchten und die eine Chance verdient haben.

PZ: Zählen Sie sich zu den Kritikern des amtierenden Vorstands?

Buch: Die ABDA muss aktuell viel einstecken und das ist verständlich. Ich bin auch an vielen Stellen anderer Meinung als unsere Standesvertretung. Aber alles, was die ABDA tut, Friedemann Schmidt beziehungsweise der Viererspitze anzulasten, funktioniert so einfach nicht. Man muss auch das System dahinter betrachten: Da sitzen 34 Kammern und Verbände, die gemeinsam Entscheidungen treffen. Das Rx-Versandhandelsverbot zum Beispiel war auf dem Apothekertag in Düsseldorf sehr umstritten, hat aber letztlich auch keine klare Mehrheit unter den Delegierten gefunden. Einig waren sie sich aber, das Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz (VOASG) konstruktiv begleiten zu wollen. Ich halte das für die richtige Entscheidung.

PZ: Auf das Rx-Versandverbot zu pochen, halten Sie also nicht für zielführend?

Buch: Ich glaube nicht, dass der Versandhandel per se das Problem ist. Er kann in den richtigen Händen auch eine gute Möglichkeit für eine zukünftige Arzneimittelversorgung sein, zum Beispiel in ländlichen Gebieten. Es gibt auch viele deutsche Apotheken, die versenden. Schwierig wird es, wenn ausländische kapitalgesteuerte Konzerne sich in unser solidarisches System einmischen. Das gilt vor allem dann, wenn sie zwar vom Rx-Markt profitieren, aber keine Gemeinwohlpflichten übernehmen können und wollen wie die Offizinen hierzulande. Daraus resultiert die Schieflage, die uns aktuell beschäftigt. Auch wenn sich mit dem Verbot vielleicht das Ziel erreichen ließe, Doc Morris und Co. aus dem verschreibungspflichtigen Markt hinauszudrängen, glaube ich nicht, dass das der richtige Weg ist.

PZ: Viele halten das RxVV auch für politisch nicht umsetzbar.

Buch: Das sehe ich auch so. Herr Spahn hat in Düsseldorf noch einmal sehr deutlich gemacht, dass es mit ihm kein Verbot geben wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er diesbezüglich einknicken wird. Sich jetzt auf die Hinterbeine zu setzen und stur am Rx-Versandverbot festzuhalten, ist wenig erfolgversprechend. Man kann dafür oder dagegen sein, aber strategisch klug wäre es nicht, sich an diese Maximalforderung zu klammern und die Alternativen, die Herr Spahn uns angeboten hat, auszuschlagen. Was ich in diesem Zusammenhang allerdings sehr kritisch sehe, ist, dass er uns praktisch die Pistole auf die Brust setzt und eine Entscheidung verlangt zwischen RxVV und pharmazeutischen Dienstleistungen. Das hat nichts miteinander zu tun, die Zielsetzungen sind völlig anders.

PZ: Worin liegt der Unterschied?

Buch: Die Forderung nach dem Rx-Versandverbot zielt darauf ab, die Gleichpreisigkeit für verschreibungspflichtige Medikamente vollumfänglich wiederherzustellen, während pharmazeutische Dienstleistungen den Offizinen eine Möglichkeit bieten sollen, sich weiterzuentwickeln. Da geht es auch darum, unsere Leistung für die Gesellschaft stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Fälle wie der Bottroper Zyto-Skandal oder die verunreinigte Glucose-Zubereitung in Köln sorgen natürlich für medialen Wirbel. Aber dass es sich dabei um absolute Ausnahmefälle handelt, zeigt doch, welche hohen qualitativen Standards die Apotheken deutschlandweit einhalten. Wenn wir, wie im VOASG vorgesehen, bald neue pharmazeutische Dienstleistungen anbieten dürfen, können wir diese Qualität für die Menschen vor Ort erlebbar machen. Das halte ich für eine große Chance. Das Honorar, das Herr Spahn derzeit für solche Dienstleistungen einplant, ist allerdings viel zu niedrig – gerade vor dem Hintergrund, dass wir sehr gewissenhaft arbeiten, um unsere Aufgaben bestmöglich zu erfüllen.

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