Pharmazeutische Zeitung online
Initiative #ApothekenHelfen

Pharmaziestudierende unterstützen im Alltag

Das vom BPhD initiierte Projekt #ApothekenHelfen vermittelt pharmazeutischen Betrieben in Zeiten der Coronavirus-Pandemie Pharmaziestudenten zur Unterstützung. Beide Seiten profitieren, wie zwei Erfahrungsberichte zeigen.  
Carolin Lang
22.04.2020
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Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD ) hatte zur Unterstützung von überlasteten Offizinen, Krankenhausapotheken und Großhändlern das Vermittlungsportal #ApothekenHelfen errichtet, über das Pharmaziestudierende zur Aushilfe ausfindig gemacht werden können. Zugleich profitieren die Studierende auch von dem Angebot, indem sie neue Erfahrungen sammeln und verschiedene Berufszweige kennenlernen. Das Angebot wurde gut angenommen: Laut BPhD werden täglich im Durchschnitt um die zehn neuen Anzeigen veröffentlicht.

Bericht aus der Krankenhausapotheke

Jasmin Opalla hat mit dem Start des Sommersemesters an der Technischen Universität Braunschweig das sechste Semester ihres Pharmaziestudiums angetreten. Im Rahmen des Projekts #ApothekenHelfen war sie in der Krankenhausapotheke des Klinikums Dortmund tätig. 

PZ: Was hat Sie dazu bewegt, sich für das Projekt #ApothekenHelfen zu engagieren?

Opalla: In der durch den verzögerten Semesterstart gewonnenen freien Zeit wollte ich mich gerne nützlich machen. Als ich auf die Aktion des BPhD aufmerksam geworden bin, war ich sofort begeistert. Im Hinblick auf das kommende praktische Jahr sah ich darin eine tolle Chance, Einblicke in den Alltag einer Krankenhausapotheke zu bekommen und dabei gleichzeitig etwas Gutes zu tun.

PZ: Wie lief der Vermittlungsprozess ab und wie lange dauerte er?

Opalla: Insgesamt sind von Kontaktaufnahme bis Einsatzbeginn etwa anderthalb Wochen vergangen. Ich habe mich auf ein Gesuch des Klinikums gemeldet und bin so in Kontakt mit dem leitenden Apotheker gekommen. Daraufhin sollte ich mich formal bei der Personalabteilung bewerben, was ich umgehend tat. Nach der Rückmeldung vom Klinikum ging es sehr schnell los: Der Anruf kam an einem Donnerstag und Freitag war mein erster Arbeitstag.

PZ: Wie werden Sie in der Krankenhausapotheke eingesetzt?

Opalla: Mein Aufgabenbereich ist nicht auf eine bestimmte Tätigkeit beschränkt. Durch Personalausfall wird in fast allen Bereichen Hilfe benötigt. Es ist ein tolles Gefühl, die Mitarbeiter dort etwas entlasten zu können. Ich helfe überall dort, wo ich nützlich sein kann. Die meiste Zeit habe ich bisher in der Rezeptur verbracht. Ansonsten habe ich auch schon im Warenlager und der Medikamentenausgabe gearbeitet und dort Bestellungen von Stationen bearbeitet oder das Lager aufgefüllt. Ich hoffe, dass ich in meiner restlichen Zeit auch noch in anderen Bereichen eingesetzt werden kann.

PZ: Wird Ihre Arbeit vergütet?

Opalla: Meine Hilfe im Klinikum Dortmund ist unentgeltlich.

PZ: Können Sie etwas aus der Arbeit in der Krankenhausapotheke für Ihre Zukunft mitnehmen?

Opalla: Auf jeden Fall! Ich habe in der kurzen Zeit schon sehr viel gelernt und kann mir auch gut vorstellen, nach meinem Studium in einer Krankenhausapotheke zu arbeiten.

PZ: Wie macht sich die aktuelle Lage um die Coronavirus-Pandemie im Arbeitsalltag bemerkbar?

Opalla: Sie macht sich vor allem durch erhöhte Sicherheitsvorkehrungen bemerkbar. Alle Mitarbeiter tragen einen Mundschutz und es wird darauf geachtet, dass nicht zu viele Mitarbeiter in einem Bereich arbeiten. Hygienevorschriften sind in Apotheken natürlich immer wichtig, aber momentan mehr denn je. Da Mitarbeiter inzwischen aus Sicherheitsgründen bei den kleinsten Krankheitsanzeichen zuhause bleiben müssen, herrscht mittlerweile ziemlicher Personalmangel. Neben mir sind daher weitere Aushilfen in der Klinikapotheke im Einsatz.

PZ: Welche Konsequenzen hat die Coronavirus-Pandemie für Sie persönlich?

Opalla: Es ist ungewiss, wie es mit unserem Studium weitergehen wird, aber die Verantwortlichen tun alles, was sie können, damit wir Studenten möglichst keinen Nachteil haben werden. Es werden Online-Veranstaltungen angeboten, aber Online-Laborpraktika lassen sich ja leider nicht realisieren. Die Ungewissheit ist sehr belastend, aber ich versuche etwas Positives daraus zu ziehen und sehe die Zeit im Klinikum als Chance, etwas zu lernen. Ohne die aktuelle Lage wäre ich vermutlich nicht auf die Idee gekommen, in meiner freien Zeit ein Praktikum zu absolvieren.

Bericht aus der öffentlichen Apotheke

Charlotte Dette wird mit Beginn des Sommersemesters 2020 das 7. Semester des Pharmaziestudiums an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster antreten. Sie hat in der Burg-Apotheke in Königstein im Taunus ausgeholfen.

PZ: Was hat sie dazu bewegt, sich für das Projekt #ApothekenHelfen zu engagieren?

Dette: Da sich der Beginn des Sommersemesters vom 6. April auf den 20. verschob, hatte ich plötzlich zusätzliche Zeit, die ich sinnvoll überbrücken wollte. Zeitgleich habe ich durch die Medien und soziale Netzwerke mitbekommen, dass viele der örtlichen Apotheken aktuell überlastet sind. Da habe ich die Möglichkeit gesehen, mein erlerntes Wissen aus dem bisherigen Studium tatsächlich zur Hilfe anderer Menschen verwenden zu können.

PZ: Wie lief der Vermittlungsprozess ab und wie lange dauerte er?

Dette: Kurz nach Veröffentlichung der Website habe ich das Inserat der Burg-Apotheke gesehen und mich daraufhin per E-Mail beworben. Nicht einmal 24 Stunden später wurde ich telefonisch kontaktiert und für den nächsten Tag zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Ich komme ursprünglich aus dem Taunus und habe ich mich daher über die Möglichkeit gefreut, in meiner früheren Heimat aushelfen zu können. Ich war anfangs von der Größe der Apotheke etwas eingeschüchtert, allerdings hat sich diese Nervosität durch den freundlichen Empfang schnell gelegt. Während des sehr angenehmen Vorstellungsgesprächs wurden mir die wichtigsten Bereiche der Apotheke beschrieben. Abschließend wurde ich nach möglichen Einsatzbereichen gefragt, und da ich gerade aus dem 6. Semester mit Schwerpunkt Technologie und Galenik in der Arzneimittelherstellung komme, habe ich mir zugetraut, auch in der Rezepturherstellung mitzuhelfen. Ich habe freitags das Vorstellungsgespräch geführt und direkt am folgenden Montag das erste Mal gearbeitet.

PZ: Wieso brauchte die Apotheke Ihre Unterstützung?

Dette: Das Apothekenpersonal muss neben dem Alltagsgeschäft nun durch den Ausbruch des Corona-Virus zusätzlich viel Zeit für die Herstellung von Desinfektionsmitteln, Anschaffung von schützenden Masken und Herstellung von Rezepturen mit immunstimulierenden Wirkungen einsetzen. Daneben sind die Mitarbeiter einem höheren Risiko ausgesetzt, selbst zu erkranken oder durch Kontakt mit Infizierten in Quarantäne zu müssen. Das pharmazeutische Personal arbeitet vielerorts an der Belastungsgrenze, da ist es dankbar für jeden Studierenden, der die Zeit findet, mit anzupacken.

PZ: Wie werden Sie in der Apotheke eingesetzt?

Dette: Ich bin seit circa drei Wochen in der Apotheke und habe bereits mehr Arbeitsbereiche eines Apothekers kennenlernen dürfen, als es in den acht Wochen Famulatur im Grundstudium der Fall war. Zu meinen Aufgaben gehört vor allem die Herstellung von Rezepturen, wobei ich natürlich immer unter der Kontrolle erfahrener PTA stehe. Sehr gefreut habe ich mich über den Einblick in das Homöopathie-Labor und in die Spagyrik. Das Studium bietet in diese Bereiche nur wenig Einsicht. Mein persönliches Highlight war die Arbeit im Sterillabor, wo ich die Welt der parenteralen Ernährungssysteme kennenlernen durfte. Ich bin an dem Nachmittag sehr beeindruckt nach Hause gefahren. Manche Stunden verbringe ich auch mit dem Abheften und Sortieren wichtiger Herstellungsprotokolle, Herstellungsanweisungen und Plausibilitätsprüfungen.

PZ: Wird Ihre Arbeit vergütet?

Dette: Ja.

PZ: Können Sie etwas aus der Arbeit in der Apotheke für Ihre Zukunft mitnehmen?

Dette: Definitiv! Ich weiß, dass das Studium die richtige Wahl für mich ist, bin mir aber noch nicht sicher, wie genau ich das Wissen aus diesem Studium später einsetzen möchte. Aktuell bekomme ich viele neue Impulse für meine spätere Berufslaufbahn. Bisher habe ich mir nicht vorstellen können, später einmal in einer öffentlichen Apotheke zu arbeiten. Das sehe ich nun anders, denn die Burg-Apotheke bietet vielseitige Arbeitsbereiche. Daher nehme ich für mich mit: Nicht jede öffentliche Apotheke ist wie die andere. Auch im Hinblick auf das praktische Jahr fände ich eine Apotheke dieser Größe nun wirklich interessant.

PZ: Wie macht sich die Coronavirus-Pandemie im Apothekenalltag für Sie bemerkbar?

Dette: Das Personal in der Offizin trägt dauerhaft Mundschutz, es sind Plastikscheiben an den HV-Tischen platziert und nur eine geringe Anzahl an Kunden darf sich gleichzeitig in der Apotheke aufhalten. Darüber hinaus können manche Rezepturen nicht im Moment nicht hergestellt werden, da benötigte Bestandteile schwer oder gar nicht zu bekommen sind. Außerdem ist die Nachfrage nach bestimmten Rezepturen allgemein stark angestiegen, was ich mir nur dadurch erklären kann, dass die Kunden Angst haben, es könne irgendwann keine Rezepturherstellung mehr geben. Auch die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln und Masken ist immens hoch.

PZ: Welche Konsequenzen hat die Coronavirus-Pandemie für Sie persönlich?

Dette: Zum einen musste ich aufgrund der Pandemie eine angetretene Asien-Reise vorzeitig abbrechen. Außerdem habe ich soziale Kontakte stark eingeschränkt. Ich möchte mich aber gar nicht über die Einschränkungen durch Corona beschweren, denn viele Menschen sind stärker betroffen und fürchten um ihre Existenz. Von solchen Sorgen bin ich verschont. Durch die Arbeit in der Burg-Apotheke habe ich das Gefühl, keine Zeit verloren, sondern Erfahrungen gesammelt und tatsächlich geholfen zu haben. Daher geht ein großes Dankeschön an die Burg-Apotheke, die mir die Chance gegeben hat, in dieser Krise mitzuhelfen.

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