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ARZNEISTOFFE

Olezarsen|Tryngolza®|58|2025

 
STOFFGRUPPE
58 Lipidsenker
WIRKSTOFF
Olezarsen
FERTIGARZNEIMITTEL
Tryngolza®
HERSTELLER

Swedish Orphan Biovitrum

ZIELSTRUKTUR
Antisense-Oligonukleotide
MARKTEINFÜHRUNG (D)
12/2025
DARREICHUNGSFORM

80 mg Injektionslösung im Fertigpen

ATC-CODE
Noch nicht zugewiesen
ORPHAN DRUG
Ja

Indikationen

Tryngolza ist zugelassen zur Behandlung erwachsener Patienten mit genetisch bestätigtem familiären Chylomikronämie-Syndrom (FCS), ergänzend zu einer Diät. Tryngolza kann mit anderen lipidsenkenden Arzneimitteln, etwa Statinen und Fibraten, kombiniert werden.

Wirkmechanismus

Eine wichtige Rolle im Triglyzeridstoffwechsel sowie bei der hepatischen Clearance von Chylomikronen und anderen triglyzeridreichen Lipoproteinen (LPL) spielt das Apolipoprotein C-III (ApoC-III). Hier setzt Olezarsen an: Das Antisense-Oligonukleotid bindet selektiv an die Boten-RNA (mRNA) von ApoC-III, sodass die Translation des Proteins und damit dessen Produktion verhindert werden. Wird ApoC-III nicht mehr produziert, ermöglicht das im Körper den Chylomikronen-Abbau über einen LPL-unabhängigen Weg. Die Folge: Der Triglyzerid-Spiegel im Blut sinkt.

Anwendungsweise und -hinweise

Die empfohlene Dosis von einmal monatlich 80 mg wird subkutan verabreicht. Nach entsprechender Einweisung kann Tryngolza von den Patienten selbst oder deren Betreuungspersonen injiziert werden. Die Injektion soll in den Bauch oder die Oberschenkelvorderseite erfolgen. Wenn eine medizinische Fachperson oder eine Betreuungsperson die Injektion verabreicht, kann auch die Rückseite des Oberarms als Injektionsstelle verwendet werden.

 

Olezarsen darf nicht in Hautbereiche injiziert werden, an denen sich ein Hämatom befindet oder die empfindlich, gerötet oder verhärtet sind, und nicht in Narben oder geschädigte Haut. Auch der Bereich um den Nabel ist zu meiden.

 

Wird eine Dosis versäumt, ist sie so bald wie möglich nachzuholen. Anschließend ist die monatliche Dosierung ab dem Datum der zuletzt verabreichten Dosis wieder aufzunehmen.

 

Bei Patienten mit Thrombozytenwerten unter 100.000/mm³ sollte Olezarsen nur mit besonderer Vorsicht angewendet werden.

 

Olezarsen wurde bei schwerer Nierenfunktionsstörung oder terminaler Niereninsuffizienz nicht untersucht und darf bei diesen Patienten nur dann angewendet werden, wenn der zu erwartende klinische Nutzen das Risiko überwiegt. Gleiches gilt für Patienten mit mittelgradiger oder schwerer Leberfunktionsstörung.

Nebenwirkungen

Zu den häufigen Nebenwirkungen in Studien zu Olezarsen gehören lokale Reaktionen an der Injektionsstelle sowie Kopfschmerz, Gelenkschmerzen und Erbrechen. Zudem wurden unter der Behandlung Überempfindlichkeitsreaktionen beobachtet, einschließlich Symptomen wie diffusem Erythem oder Schüttelfrost. Tritt eine schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktion auf, muss die Therapie umgehend abgebrochen und eine geeignete medizinische Behandlung eingeleitet werden. Weitere schwerwiegende Ereignisse wie Thrombozytopenie, Hepatotoxizität oder Nephrotoxizität, die bei anderen Antisense-Oligonukleotiden aufgetreten sind, können auch für Olezarsen derzeit nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Zulassung von Tryngolza basiert auf der randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie BALANCE an 66 erwachsenen Patienten mit genetisch bestätigtem FCS. Sie erhielten über einen Zeitraum von 53 Wochen randomisiert einmal monatlich subkutan entweder 80 mg Olezarsen, 50 mg Olezarsen oder Placebo. Primärer Endpunkt war die prozentuale Veränderung der Nüchterntriglyzeridwerte von Baseline bis Monat 6, verglichen mit Placebo.

 

Olezarsen reduzierte in der 80-mg-Dosis signifikant die Triglyzeridwerte (−44 Prozent), nicht jedoch in der 50-mg-Dosis (−22,4 Prozent). Die Wirkung hielt bis Monat 12 an (−59 Prozent). Zudem konnte ein Rückgang des Nüchtern-ApoC-III-Werts beobachtet werden: Die placebokorrigierte prozentuale Veränderung gegenüber Baseline betrug −74 beziehungsweise −81 Prozent in den Monaten 6 und 12. Unter Olezarsen trat ein Fall von akuter Pankreatitis auf, unter Placebo elf Ereignisse bei sieben Patienten.

Hintergrundinfos

Das familiäre Chylomikronämie-Syndrom (FCS) ist eine sehr seltene erbliche Erkrankung des Fettstoffwechsels. Ursache sind unter anderem Mutationen der Lipoproteinlipase (LPL), wodurch die Hydrolyse von triglyzeridreichen Chylomikronen partiell oder gänzlich unmöglich ist. Die Folge ist eine ausgeprägte Hypertriglyzeridämie von Kindheit an. Typische Symptome sind starke Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall. Häufig kommt es zu Pankreatitiden, die chronifizieren können.

Besonderheiten

Tryngolza ist bei Temperaturen von 2–8 °C (Kühlschrank) sowie vor Licht geschützt (Umkarton) zu lagern.

 

Es kann in der Originalverpackung außerhalb des Kühlschranks (bei bis zu 30 °C) bis zu sechs Wochen lang aufbewahrt werden. Nach diesem Zeitraum muss es verbraucht worden sein oder verworfen werden.

 

Tryngolza ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Frauen im gebärfähigen Alter müssen unter der Therapie mit Tryngolza zuverlässige Verhütungsmethoden verwenden.

 

Während der Schwangerschaft sollte Tryngolza möglichst nicht angewendet werden.

 

In der Stillzeit muss entschieden werden, ob das Stillen oder die Behandlung mit Olezarsen unterbrochen werden soll.