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ARZNEISTOFFE

Selexipag|Uptravi®|17|2016

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STOFFGRUPPE
17 Antihypertonika
WIRKSTOFF
Selexipag
FERTIGARZNEIMITTEL
Uptravi®
HERSTELLER

Actelion

MARKTEINFÜHRUNG (D)
06/2016
DARREICHUNGSFORM

200 µg Filmtabletten

400 µg Filmtabletten

600 µg Filmtabletten

800 µg Filmtabletten

1000 µg Filmtabletten

1200 µg Filmtabletten

1400 µg Filmtabletten

1600 µg Filmtabletten

Indikationen

Uptravi ist zugelassen für die Langzeit-Behandlung erwachsener Patienten mit pulmonaler arterieller Hypertonie (PAH) der WHO-Funktionsklasse II bis III. Es kann in einer Kombinationstherapie zusammen mit einem Endothelin-Rezeptor-Antagonisten (ERA) und/oder einem Phosphodiesterase-5(PDE-5)-Inhibitor eingesetzt werden oder als Monotherapie, wenn ERA und PDE-5-Hemmer nicht infrage kommen.

Wirkmechanismus

Selexipag und sein etwa 37-fach wirksamerer aktiver Metabolit wirken als selektive Prostacyclin(IP)-Rezeptor-Agonisten. Nicht aktiviert werden zum Beispiel die Prostanoid-Rezeptoren EP1, EP3, FP und TP, die mit kontraktiler Wirkung im Gastrointestinaltrakt und in den Blutgefäßen vorkommen. Gleiches gilt für die Rezeptoren EP2, EP4 und DP1, die immunsuppressive Wirkungen vermitteln. Die selektive Stimulation des IP-Rezeptors durch Selexipag und seinen Metaboliten führt zur Vasodilata­tion sowie zur Hemmung von Zellproliferation und Fibrose.

Anwendungsweise und -hinweise

Für jeden Patienten sollte bis zur höchsten individuell verträglichen Dosis hochtitriert werden. Diese kann zwischen 200 und 1600 µg Selexipag zweimal täglich liegen. Die empfohlene Anfangs­dosis beträgt zweimal täglich 200 µg. Diese wird üblicherweise wöchentlich in Schritten von 200 µg zweimal täglich gesteigert. Um die Verträglichkeit zu verbessern, können Apotheker dazu raten, die Tabletten zu den Mahlzeiten sowie die erste Tablette nach einer Dosiserhöhung am Abend und nicht am Morgen einzunehmen. Wenn der Arzt entscheidet, die Behandlung mit Selexipag abzusetzen, muss dies schrittweise erfolgen.

 

Bei Patienten mit mittelschwerer Beeinträchtigung der Leberfunktion sollte die Anfangsdosis 200 µg einmal täglich betragen

Wichtige Wechselwirkungen

In Sachen Wechselwirkungen ist zu bedenken, dass bei gleichzeitiger Anwendung von Induktoren oder Inhibitoren der Enzyme CYP2D8, UGT1A3 und UGT2B7 Vorsicht geboten ist.

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen von Selexipag waren in Studien – wie von anderen Medikamenten, die im Prostacyclin-Signalweg wirken, bekannt – Kopfschmerzen, Diarrhö, Übelkeit und Erbrechen sowie Kieferschmerzen, Myalgie, Extremitätenschmerz, Arthralgie und Flush. Diese traten häufiger in der Hochtitrierungsphase auf. Meist waren sie leichten bis mittleren Schweregrades.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Patienten mit schwerer Beeinträchtigung der Leberfunktion sollten Selexipag  nicht erhalten. Kontraindiziert ist es außerdem unter anderem bei Patienten, die in den vorangehenden sechs Monaten einen Myokardinfarkt erlitten hatten oder bei denen eine schwere koronare Herzkrankheit oder eine instabile Angina Pectoris vorliegt. Zudem ist Uptravi tabu bei Patienten mit zerebrovaskulären Ereignissen wie Schlaganfall in den vorangehenden drei Monaten, mit schweren Arrhythmien oder mit Defekten der Herzklappen.In der Fachinformation finden sich weitere Warnhinweise: So wird darauf hingewiesen, dass das Präparat zur Blutdrucksenkung führen kann. Vor der Verordnung sollte der Arzt prüfen, ob sich bei Patienten mit bestimmten Grunderkrankungen die Therapie mit Selexipag nachteilig auswirken könnte. Zudem wurde unter Therapie eine Hyperthyreose beobachtet. Schilddrüsentests werden daher bei entsprechenden Anzeichen empfohlen.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Wirksamkeit und Sicherheit von Selexipag wurden in der zulassungsrelevanten Griphon-Studie bei 1156 PAH-Patienten untersucht. Diese erhielten zweimal täglich entweder Selexipag oder Placebo. 80 Prozent der Studienteilnehmer waren zuvor bereits mit einer PAH-spezifischen Therapie behandelt worden, die sie auch während der Studie weiter einnahmen. Diese Therapie bestand aus einem Endothelin-Rezeptor-Ant­agonisten oder einem PDE-5-Inhibitor oder einer Kombination beider Prinzipien. Der primäre zusammengesetzte Endpunkt Morbidität/Mortalität war definiert als die Zeit bis zum Auftreten des ersten Mortalitäts-/Morbiditätsereignisses bis zum Ende der doppelblinden Behandlungsphase. Die individuelle Erhaltungsdosis für Selexipag wurde durch Titration bestimmt. Die Startdosis lag bei 200 µg zweimal täglich und wurde wöchentlich in 200-µg-Schritten gesteigert, bis sie aufgrund unerwünschter Wirkungen nicht mehr toleriert wurde. Die jeweils nächstniedrigere, tolerable Dosis wurde dann als Erhaltungsdosis festgelegt. Die höchstmögliche Dosierung betrug 1600 µg. Die Studie zeigte, dass Selexipag das Morbiditäts-/Mortalitäts-Risiko im Vergleich zu Placebo um 40 Prozent reduzierte. Dabei zeigte der Wirkstoff eine konsistente Effektivität über alle Subgruppen hinweg inklusive der Patienten, die bereits zu Beginn der Studie mit zwei PAH-spezifischen Medikamenten therapiert wurden.

Hintergrundinfos

Die pulmonale arterielle Hypertonie (PAH) ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Neben einer Vasokonstrik­tion bilden sich in deren Verlauf Veränderungen in der Gefäßstruktur im Sinne eines Remodelling. Beide Faktoren begünstigen den Anstieg des pulmonalen Gefäßwiderstands. Die erhöhte Druckbelastung des rechten Ventrikels führt langfristig zu einer Rechtsherzinsuffizienz. Derzeit gibt es mit dem Endothelin-, dem NO- und dem Prostacyclin-Signalweg drei wichtige Angriffspunkte für PAH-Medikamente.

 

Im Vergleich zu Gesunden produzieren PAH-Patienten weniger gefäßerweiterndes Prostacyclin. Das Gleichgewicht zwischen gefäßerweiternden und gefäßverengenden Substanzen wie Endothelin ist damit zugunsten Letzterer gestört. Der IP-Rezeptor ist der Zielrezeptor von Prostacyclin. Bindet dieses daran, kommt es letztlich zu einer Vasodilatation und zu Antiproliferationseffekten. Bislang stehen zur IP-Rezeptor-Stimulation Epoprestenol sowie die Prostacyclin-Analoga Treprostinil und Iloprost zur Verfügung. Allen gemeinsam ist, dass sie nicht nur den IP-Rezeptor stimulieren, sondern auch andere Prostanoid-Rezeptoren mit zum Teil entgegengesetzten Wirkungen. Hinzu kommt die unkomfortable Anwendungsform mit intravenöser beziehungsweise subkutaner Gabe oder zeitaufwendiger häufiger Inhalation. Selexipag ist die erste peroral anwendbare Substanz, die auf den Prostacyclin-Signalweg abzielt, auf dem deutschen Markt verfügbar.

Besonderheiten

Bei der Lagerung von Uptravi sind keine besonderen Bedingungen einzuhalten.

Uptravi ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Selexipag

Selexipag

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Selexipag.wrl

Weitere Hinweise

Ärzte sollten stillenden Frauen Selexipag nicht verordnen. Ebenso gibt es dafür keine Empfehlung bei Schwangeren. Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Einnahme von Uptravi eine wirksame Methode zur Empfängnisverhütung anwenden.

Packshot

Vorläufige Bewertung

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Letzte Aktualisierung: 11.07.2016