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Tattoos und Piercings

Anders schön

Förderung der Heilung

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, die Existenz und Arbeit des »Verbands Professioneller Piercer« e. V. (VPP), Berlin, zu kennen, der in seinen Richtlinien unter anderem strenge Hygiene- und ethische Grundregeln aufzeigt.

Grundsätzlich, das betont auch der VPP, sind vor jeder Berührung eines frischen Piercings die Hände zu desinfizieren. Noch nicht verheilte Piercings sollten nur mit klarem Wasser gewaschen werden, da Parfümstoffe aus Duschgelen beispielsweise Reizungen forcieren können. Schmuck darf nicht bewegt werden ohne die vorherige Entfernung von Verkrustungen. Nur so lassen sich Verletzungen der Wundränder ausschließen.

Unnötiger Druck sowie Reibung durch Kleidung oder Gürtel an der gepiercten Stelle sollen unbedingt vermieden werden. Je nach Lokalisation des Piercings benötigt der Körper unterschiedlich lange Zeit für die Wundheilung, die von sechs bis acht Wochen (Ohrläppchen, Augenbrauen et cetera) bis hin zu 12 Monaten (Brustwarzenpiercing bei Männern) dauern kann.

Ob in der Zunge, der Nase, den Lippen oder im Bauchnabelbereich: Ein Piercing geht durch den Ein- und Austritt der Nadel mit zwei offenen Stellen an der Hautoberfläche einher. (Abb. 4). Die eigentliche Verletzung jedoch ist der Stichkanal selbst, der zur Gewebezerstörung führt. Die Anwendung von Wundcremes oder Heilsalben gilt hier als ungeeignet. Das verletzte Areal sollte eher mit Kochsalzlösungen oder Kamillenspülungen gereinigt werden.

Zur Förderung der Heilung können bei Piercings im oralen Bereich zwei- bis dreimal täglich Mundspüllösungen eingesetzt werden, die Polihexanid, Povidon-Jod oder Aluminiumchlorid enthalten. Bei lokalen Schwellungen empfiehlt sich die Kühlung mit Eiswürfeln. Zusätzlich ist ein zweiwöchiger Verzicht auf Alkohol, Rauchen und stark gewürzte Speisen angezeigt.

Bei dermalen Piercings kommt neben Polihexanid-haltigen Lösungen zudem die mehrmals tägliche Versorgung mit Wasserstoffperoxid-haltigen Propanol-Lösungen oder auch Octenidin-haltigen Antiseptika zur Anwendung. Zu beachten ist, dass Hautantiseptika mit den Wirkstoffen Octenidin und Polihexanid aufgrund ihrer Knorpeltoxizität nicht auf Knorpelgewebe und im Innenohr beziehungsweise in Trommelfellnähe angewendet werden dürfen.

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