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Ältere Menschen
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Höheres Sterberisiko bei Schlummer am Morgen

Kleine Schläfchen am Tage zählen bei vielen Senioren zur geliebten Routine. Wie oft und vor allem wann sich ältere Menschen ein Nickerchen gönnen, kann dabei laut einer aktuellen Studie einen Hinweis auf ihr Sterberisiko geben.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 11.05.2026  12:00 Uhr

Für berufstätige Erwachsene ist ein Mittagsschlaf meist ein Luxus, den sie sich nur am Wochenende gönnen können. Rentner gewöhnen sich dagegen oft schnell daran und genießen es, sich regelmäßig tagsüber noch einmal hinzulegen. Aus Beobachtungsstudien weiß man jedoch, dass bei älteren Menschen, die tagsüber viel schlafen, neurodegenerative und kardiovaskuläre Erkrankungen häufiger vorkommen und sie sogar ein erhöhtes Sterberisiko haben.

Allerdings stammt diese Evidenz aus Studien, in denen die Schlafgewohnheiten der Probanden überwiegend per Selbstauskunft erhoben wurden. Daher untersuchte ein Team um Dr. Chenlu Gao von der Harvard Medical School in Boston, Massachusetts, den Zusammenhang nun erneut in einer Studie und setzte dabei für eine möglichst objektive Messung Aktivitätstracker bei den Teilnehmenden ein. Die Ergebnisse sind nun im Fachjournal »JAMA Network« erschienen.

Die prospektive Kohortenstudie umfasste ältere Menschen aus dem nördlichen Illinois, die nicht in einem Heim lebten. Die 1338 Teilnehmenden waren im Durchschnitt 81 Jahre alt und wurden über maximal 19, durchschnittlich acht Jahre nachbeobachtet. Die Nickerchen-Frequenz wurde einmalig zu Beginn der Studie mittels eines für neun Tage am Handgelenk getragenen Aktivitätsmessers erfasst. 926 Teilnehmende starben im Beobachtungszeitraum (69 Prozent).

Vormittagsschlaf mit erhöhter Sterblichkeit assoziiert

Häufigere Nickerchen und eine insgesamt längere Schlafdauer am Tag waren mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden: Pro länger geschlafener Stunde stieg die adjustierte Hazard Ratio (aHR) um 1,13 und pro weiterem Nickerchen um 1,07. Probanden, die vormittags schliefen, hatten dabei verglichen mit Nachmittagsschläfern ein höheres Sterberisiko (aHR 1,30). Mögliche Verzerrungsfaktoren wie Alter, Geschlecht und BMI, aber auch Bildungsniveau, Depressivität und Medikation, wurden bei den Berechnungen berücksichtigt.

Bei älteren Menschen könne ein hoher Schlafbedarf am Tag über verschiedene Mechanismen mit einem Anstieg der Sterblichkeit im Zusammenhang stehen, schreiben die Autoren. Hierzu zählten etwa chronische (Herz-Kreislauf-)Erkrankungen und systemische Inflammation. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass die Erfassung von Schlafepisoden am Tag im Rahmen der Beurteilung des Gesundheitszustands von älteren Menschen einen frühen Hinweis auf gesundheitliche Probleme geben könnte.

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