| Theo Dingermann |
| 29.10.2026 11:30 Uhr |
Ein entscheidender Vorteil solcher Alterungsrate-Marker wäre die erhebliche Beschleunigung präklinischer Untersuchungen. Nach Einschätzung der Forschenden könnten validierte ARI die Untersuchungsdauer auf ungefähr ein Viertel der derzeitigen Untersuchungsdauer reduzieren und die Kosten auf etwa ein Zwanzigstel senken.
Besonders vielversprechend erscheint die Kombination von Metabolomik und maschinellem Lernen. Die Forschenden beschreiben eine Untersuchung, in der anhand von 1051 metabolischen Merkmalen im Blutplasma von Mäusen ein Vorhersagemodell entwickelt wurde. Der verwendete Algorithmus wurde mit Daten aus vier unterschiedlichen Anti-Aging-Interventionen trainiert und anschließend an einer fünften, zuvor nicht berücksichtigten Intervention getestet.
Das Modell konnte anhand metabolischer Veränderungen die Zugehörigkeit zu einer Gruppe mit lebensverlängernder Behandlung erkennen. Allerdings beruhte das Modell auf gruppenbezogenen Schätzungen der Lebensverlängerung und nicht auf tatsächlich beobachteten individuellen Lebensspannen.
Für die klinische Entwicklung wären vor allem Marker interessant, die sich unkompliziert im Blut bestimmen lassen. Mit Irisin und GPLD1 stehen bereits zwei entsprechende Kandidaten zur Verfügung. Darüber hinaus könnten metabolomische und proteomische Analysen weitere Substanzen identifizieren, deren Konzentrationen einen Zustand verlangsamter Alterung widerspiegeln.
Die Forschenden plädieren für eine konsequent evidenzbasierte Entwicklung von Anti-Aging-Interventionen. Ziel müsse nicht allein eine Verlängerung der Lebensspanne sein, sondern vor allem eine Verzögerung altersbedingter Erkrankungen und funktioneller Einschränkungen.