| Theo Dingermann |
| 29.10.2026 11:30 Uhr |
Alle Menschen altern, zum Teil aber unterschiedlich schnell. Experten arbeiten jetzt an Methoden, die Geschwindigkeit des Alterns zu erfassen. / © Getty Images/cooperr007
Die moderne Alternsforschung hat in den vergangenen Jahrzehnten bemerkenswerte Fortschritte erzielt. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass sich die Lebensspanne von Säugetieren durch genetische Veränderungen, Ernährungsinterventionen und Arzneistoffe verlängern lässt. Entscheidend ist dabei, dass viele dieser Interventionen nicht nur das Überleben verlängern, sondern gleichzeitig altersbedingte Erkrankungen und funktionelle Einschränkungen hinauszögern.
Besonders aussagekräftige Ergebnisse stammen aus dem Interventions Testing Program (ITP) des US-amerikanischen National Institute on Aging. In diesem Programm werden potenzielle Anti-Aging-Substanzen unter standardisierten Bedingungen an genetisch heterogenen Mäusen untersucht.
Bislang wurden 14 Wirkstoffe beziehungsweise Wirkstoffkombinationen identifiziert, die bei mindestens einem Geschlecht eine statistisch signifikante Verlängerung der Lebensspanne bewirkten. Besonders eindrucksvoll sind die Ergebnisse mit Rapamycin. Der mTOR-Inhibitor verlängerte die mediane Lebensspanne männlicher Mäuse um 23 Prozent und weiblicher Tiere um 26 Prozent. In Kombination mit dem Alpha-Glucosidase-Hemmer Acarbose stieg die Lebensspanne männlicher Mäuse sogar um 29 Prozent, bei weiblichen Tieren um 22 Prozent.
Auch Acarbose allein zeigte eine bemerkenswerte Wirkung, allerdings mit deutlichen Geschlechtsunterschieden: Während männliche Mäuse im Median 22 Prozent länger lebten, betrug der Effekt bei Weibchen lediglich 5 Prozent. Weitere positive Ergebnisse wurden unter anderem mit dem SGLT2-Inhibitor Canagliflozin, 17α-Estradiol und Astaxanthin erzielt.
Eine besonders interessante Erkenntnis betrifft den Zeitpunkt des Therapiebeginns. Mehrere Substanzen verlängerten die Lebensspanne selbst dann, wenn die Behandlung erst im fortgeschrittenen Erwachsenenalter der Tiere begonnen wurde. Bei Rapamycin blieb der Überlebensvorteil auch bei einem Therapiebeginn im mittleren Lebensalter weitgehend erhalten. Das deutet darauf hin, dass wesentliche Komponenten biologischer Alterungsprozesse selbst nach längerer Akkumulation altersbedingter Veränderungen pharmakologisch beeinflussbar bleiben.