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SARS-CoV-2

Was sich in der Beratung ändert

Das neuartige Corona-Virus und die Erkrankung Covid-19 sind seit etlichen Wochen in der Apothekenoffizin präsent. Diese neue Infektionserkrankung gilt es nun, wohlüberlegt und verantwortungsvoll in die Beratung und Überlegungen beim Patientengespräch zu integrieren.
Miriam Ude
Christian Ude
14.06.2020  08:00 Uhr
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So groß die Bedeutung oder gar Versuchung ist, eine SARS-CoV-2-Infektion auch im Apothekenalltag in Betracht zu ziehen, so wichtig ist eine nüchterne, möglichst auf Fakten beruhende Abwägung. Die Kenntnis der vielen diskutierten Symptome, die diese Virusinfektion mit sich bringen kann, ist dabei genauso von Bedeutung wie das Verständnis, dass praktisch alle diese Symptome auch bei anderen in der Apotheke angesprochenen Erkrankungen möglich sind.

Außerdem gibt es täglich neue Meldungen zu Wirkstoffen oder auch Grunderkrankungen, die bei einer SARS-CoV-2-Infektion zu Problemen oder schweren Krankheitsverläufen führen können. Gerade die Informationen rund um etwaige, den Infektionsverlauf verstärkende Wirkstoffe sind gewissenhaft wahrzunehmen, aber auch kritisch zu hinterfragen. Dabei ist es wichtig, verunsicherte Patienten zu beruhigen und die Sinnhaftigkeit und Korrektheit dieser Meldungen anhand von validen Daten zu überprüfen.

Ziel ist es, die Beratungsinhalte nur auf Basis von plausiblen und im besten Fall evidenten Fakten zu ändern. Dies ist angesichts der Fülle von publizierten Daten und Studien nicht einfach. Neue Erkenntnisse müssen ständig aufgearbeitet und umgesetzt werden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat eine Website mit einigen »Myth busters« ins Leben gerufen, die auch medizinisch-pharmazeutischen Laien die wichtigsten Mythen in Zusammenhang mit Covid-19 erklärt und widerlegt (1).

Eine ausführliche Beratung in der Apotheke ist bei der Abgabe von apothekenpflichtigen Arzneimitteln vorgeschrieben, vor allem in Hinblick auf die Grenzen der Selbstmedikation und den Verweis an den Arzt. Für die Arbeit in der Offizin ist die Betrachtung der Symptomatik ebenso essenziell wie bestehende Grunderkrankungen eines Patienten und dessen Einordnung in Risikogruppen.

In der Tabelle sind die häufigsten Symptome und ihre Ausprägungen bei Covid-19, bei einer Erkältung, einer typischen Virusgrippe und im Rahmen einer allergischen Rhinitis (Heuschnupfen) vergleichend dargestellt. Die Gegenüberstellung zeigt zahlreiche Parallelen und Schnittmengen, zum Beispiel bei Fieber, Reizhusten und Atemnot, die häufig bei Covid-19-Patienten auftreten. Einzig die Geruchs- und Geschmacksstörungen sind typisch. Laut der S1-Handlungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. (Stand Mai 2020) ist eine klinische Unterscheidung der unterschiedlichen Erkrankungen schwierig bis unmöglich (13). Einige Symptome, die in der Tabelle mit »nein« gekennzeichnet sind, können trotzdem beim individuellen Patienten auftreten, da nicht jede Erkrankung bei jedem Menschen gleich verläuft.

Symptom Covid-19 Erkältung Virusgrippe Allergie
Fieber häufig selten häufig nein
Gliederschmerzen selten häufig häufig nein
Abgeschlagenheit manchmal selten manchmal manchmal
produktiver Husten selten manchmal selten selten
Reizhusten häufig manchmal häufig häufig
Niesen nein häufig nein häufig
Schnupfen selten häufig manchmal häufig
Halsschmerzen manchmal häufig manchmal selten
Kopfschmerzen manchmal selten bis manchmal (studienabhängig) häufig selten
Atemnot häufig nein nein häufig
juckende Augen nein nein nein fast immer
Durchfall selten bis manchmal (studienabhängig) nein nein nein
Geruchs- und Geschmacksstörungen häufig nein nein nein
Vergleich der typischen Symptome zwischen Covid-19, Erkältung, Virusgrippe und Allergie (nach 2, 3, 4, 5); individuelle Abweichungen sind möglich

Auch Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Übelkeit und Erbrechen sowie Bauchschmerzen werden mit dem neuartigen Coronavirus in Verbindung gebracht (2). Neben den lungenbezogenen Erkrankungen wie einer Pneumonie ist oft auch der Magen-Darm-Trakt in Mitleidenschaft gezogen.

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