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Phytopharmaka und Co.

Was ist präoperativ zu beachten?

Bei der Arzneimittelanamnese im Rahmen der stationären Aufnahme und/oder des präoperativen Anästhesiegesprächs muss es Ziel sein, nicht nur die ärztlich verordnete Therapie, sondern auch alle Präparate der Selbstmedikation, inklusive der Präparate der CAM, zu erfassen. Untersuchungen aus Deutschland und anderen Ländern haben gezeigt, dass die Arzneimittelanamnese an der Schnittstelle ambulant-stationär vollständiger ist, wenn Apotheker beteiligt sind (14, 21, 26).

Erfreulicherweise ist es auch in Deutschland zunehmend üblich, dass Apotheker im Krankenhaus in den Prozess eingebunden sind. Zusätzlich geben Apotheker pharmazeutische Hinweise zur Anamnesemedikation. Dies schließt Informationen zum präoperativen Umgang mit Präparaten der CAM und Hinweise auf mögliche operative und anästhesiologische Risiken an den Arzt mit ein.

Allerdings ist der Zeitpunkt ungünstig: Die stationäre Aufnahme erfolgt oft am Tag oder Vortag der Operation, sodass für ein fristgerechtes Absetzen kaum Zeit bleibt. Besser geeignet ist die präoperative Evaluation durch den Anästhesisten, die oft Tage oder Wochen vorher stattfindet. Hier muss die vorstationäre Medikation vollständig erfasst und perioperativ beurteilt werden. Auch in die vorstationäre Betreuung können sich Apotheker mit pharmazeutischem Fachwissen einbringen, indem sie die Arzneimitteltherapie des Patienten vor dem Anästhesiegespräch erfassen und evaluieren.

Optimal ist die rechtzeitige Beratung in der öffentlichen Apotheke. Hier liegen in der Regel umfangreiche Informationen zur Selbstmedikation und zu verschriebenen Präparaten vor. Berichten Patienten von geplanten Operationen, kann das pharmazeutische Personal die Einnahme weiterer Präparate der CAM erfragen und dem Patienten eine Beratung hinsichtlich des perioperativen Umgangs anbieten.

Zusammenfassung

► Entgegen den Erwartungen vieler Patienten bestehen auch bei der Einnahme von Präparaten der CAM klinisch relevante Risiken. Vor Operationen ist es deshalb wichtig, neben der verordneten Medikation auch alle Präparate der Selbstmedikation, inklusive Nahrungsergänzungsmittel, Phytopharmaka und andere Präparate der CAM zu erfassen und hinsichtlich möglicher perioperativer Effekte zu beurteilen.

► Aufgrund einer oft unzureichenden Datenlage und fraglicher Evidenz vieler Präparate wird im Zweifelsfall empfohlen, diese zwei bis drei Wochen vor einer Operation abzusetzen. Dabei ist der Patient ausreichend zu informieren.

► Wurden Präparate präoperativ nicht abgesetzt, obwohl Risiken beschrieben sind, liegt derzeit keine Evidenz für eine Verschiebung von Operationen vor. Allerdings sollten bei vulnerablen Patienten oder kritischen Operationen, zum Beispiel mit hohem Blutungsrisiko, mögliche unerwünschte Effekte aktiv bedacht werden.

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