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Diabetespatienten
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Was im Alter zu beachten ist

Polymedikation, Multimorbidität, körperliche und geistige Einschränkungen sowie ein erhöhtes Sturzrisiko sind Faktoren, die bei der Therapie von alten Menschen mit Diabetes mellitus zu berücksichtigen sind. Die Vermeidung von Hypoglykämien und der Erhalt der Lebensqualität stehen im Fokus, auch in der pharmazeutischen Beratung.
AutorKontaktKatja Renner
Datum 11.04.2024  07:00 Uhr

Deeskalation der Insulintherapie

Eine Deeskalation der Insulintherapie ist bei Menschen mit Typ-2-Diabetes zu prüfen,

  • wenn die Indikation, zum Beispiel eine akute Erkrankung, metabolische Entgleisung oder Verschlechterung der Nierenfunktion, nicht mehr besteht,
  • die Zielwerte des Glucosestoffwechsels erreicht sind oder unterschritten werden,
  • Hypoglykämien auftreten oder
  • sich das individuelle Therapieziel ändert, zum Beispiel infolge von Multimorbidität.

Bei Hochbetagten und Menschen mit Typ-2-Diabetes, die an ihrem Lebensende stehen, kann die Insulintherapie reduziert oder wenn es die Stoffwechsellage erlaubt, komplett abgesetzt werden. Dies liegt in der Entscheidung des Arztes. Hier müssen Lebensqualität und Autonomie einerseits gegen schwankende Blutzuckerspiegel und Flexibilität bei der Nahrungsaufnahme andererseits abgewogen werden.

Mit Blick auf die bessere Adhärenz können einmal wöchentlich anzuwendende Fertigpens mit GLP-1-Analoga eine Alternative sein.

Das größte Problem bei der Insulintherapie ist die Gefahr für Hypoglykämien. Neue Insulinanaloga, zum Beispiel Insulin Degludec und Insulin Detemir, haben sehr lange Halbwertszeiten und stellen einen stabilen Verlauf der Glucosewerte tags und nachts sicher, ohne die Gefahr einer gravierenden Hypoglykämie.

Auf Gewichtsabnahme und Exsikkose achten

Bei älteren gebrechlichen Patienten sind Arzneimittel, die die Gewichtsabnahme fördern, zum Beispiel SGLT2-Hemmer und GLP-1-Analoga, mit Vorsicht einzusetzen. Die Patienten sollten regelmäßig gewogen werden. Bei stärkerer Gewichtsabnahme ist ein Wechsel auf eine anabole Therapie mit Insulin zu überdenken.

Bekommt der Patient zusätzlich zu einem SGLT2-Hemmer noch Diuretika, ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zwischen 1,5 und 2 Litern pro Tag zu achten. Gastrointestinale Infektionen mit Diarrhö und Erbrechen, aber auch zu wenig Trinken in den warmen Sommermonaten bedeuten nicht nur die Gefahr der Entgleisung der Blutzuckerwerte, sondern auch ein hohes Risiko für Dehydrierung und Exsikkose.

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