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Typ-2-Diabetes

Individuelle Lösungen gefragt

Die neu aktualisierte Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) Typ-2-Diabetes schreibt Individualität groß: Arzt und Patient sollen gemeinsam Therapieziele und Behandlungen festlegen. Bei den Medikamenten ist Metformin nicht immer Mittel der Wahl.
Nicole Schuster
21.04.2021  07:00 Uhr

Um Diabetes mellitus zu beherrschen, sind eine lebenslange, konsequente Therapie und Mitarbeit des Patienten erforderlich. Das bekräftigen auch die Autoren der NVL, die zunächst die Kapitel zur medikamentösen Therapie und zur partizipativen Entscheidungsfindung überarbeitet haben. Nach Meinung von Professor Dr. Rüdiger Landgraf, Experte der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und Mitglied der Leitliniengruppe, hat jeder Patient Interesse an seiner Erkrankung und möchte gesund bleiben oder werden. Trotzdem kann der Ansatz der Leitlinie eine Herausforderung sein: »Ärzte müssen den Fokus mehr auf den Patienten, seine Bedürfnisse, Wünsche, Erwartungen und Möglichkeiten legen.« Patienten könnten die »Arbeit« dabei nicht mehr alleine dem Arzt überlassen: »Im solidarischen Gesundheitssystem hat der Patient nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten«, so Landgraf.

Auch das Apothekenteam sollte sich stärker in der Behandlung von Diabetespatienten engagieren. »Die Rolle des wohnortnahen, kompetenten Apothekers wird immer noch unterschätzt«, sagt der Diabetes-Experte. Die leitliniengerechte Behandlung der Krankheiten, die der Typ-2-Diabetiker meist habe, bedeute einen täglichen »Tabletten-Cocktail«, den der Patient ohne Hilfe des Apothekenteams nicht bewältigen könne. »Es gibt inzwischen gute Studien auch aus Deutschland, die die Effektivität von Präventionskampagnen vonseiten der Apotheker belegen«, so Landgraf.

Zielwerte und Stufenplan

Die Therapie des Typ-2-Diabetes soll gemäß aktualisierter NVL einem Stufenplanschema folgen. Arzt und Patient sollen individuelle Therapieergebnisse, zum Beispiel hinsichtlich Glucosestoffwechsel (Zielwert für HbA1c unter Berücksichtigung beeinflussender Faktoren), Lipide, das Körpergewicht und den Blutdruck (Orientierungswert 140/90 mmHG), festlegen. Sind die Zielwerte nach drei bis sechs Monaten nicht erreicht, soll die Behandlung überdacht und gegebenenfalls verändert werden.

In dem Stufenplan stellen nicht medikamentöse Maßnahmen die Grundlage dar. Eine zusätzliche medikamentöse Therapie ist erst angezeigt, wenn andere Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Bei der Auswahl eines geeigneten Medikaments soll das individuelle kardiovaskuläre Risiko des Patienten berücksichtigt werden. Ist dieses nicht erhöht, soll zunächst eine Monotherapie mit Metformin erfolgen. „Metformin ist ein bewährtes Antidiabetikum mit einer Reihe von positiven Effekten. Es ist antikanzerogen und gewichtsneutral oder bewirkt sogar eine leichte Abnahme«, erklärt Landgraf. »Zudem liegt viel Erfahrung mit der Substanz vor und sie ist billig. Auf kardiovaskuläre und renale Endpunkte hat Metformin allerdings keine positiven Effekte.«

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