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Arzneimittel und Leber
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Was geht, was geht nicht?

Bei der Anpassung der Arzneimitteltherapie an die Leberfunktion sind sowohl eine veränderte Pharmakokinetik als auch die Pharmakodynamik mit den Wirkungen und Nebenwirkungen von Arzneistoffen zu beachten. Für viele Indikationen gibt es deshalb Besonderheiten in der Therapieauswahl.
AutorKontaktDorothea Strobach
Datum 15.09.2024  08:00 Uhr

Nebenwirkung Obstipation

Die Symptome einer hepatischen Enzephalopathie reichen von leichten Beschwerden wie Reaktions- und Konzentrationsstörungen oder Schlafstörungen bis hin zum Koma hepaticum. Obstipation kann eine Episode auslösen, da toxische Metabolite, darunter Ammoniak, länger im Darm verbleiben und vermehrt wieder ins Blut aufgenommen werden. Weitere Faktoren wie eine Infektion oder Dehydrierung können das Risiko erhöhen (3).

Wichtige Arzneistoffgruppen, bei denen Obstipation als Nebenwirkung auftritt, sind Analgetika (Opioide, NSAR), anticholinerg wirksame Substanzen (zum Beispiel viele Psychopharmaka, Antihistaminika), Eisenpräparate, Antihypertensiva (zum Beispiel Calciumantagonisten, Betablocker) und Setrone (2, 35). Bei der Neuverordnung eines Opioids wird immer empfohlen, aufgrund der zu erwartenden Obstipation ein Abführmittel, vorzugsweise auf Macrogol-Basis, zu verordnen. Dies gilt für Leberpatienten ganz besonders.

Anticholinerge Nebenwirkungen finden sich bei zahlreichen Arzneistoffen. Obstipation trat zum Beispiel mehr als doppelt so häufig bei der Einnahme von anticholinergen Spasmolytika gegen Blasenschwäche auf als unter Placebo (29). Anhand ihrer anticholinergen Wirkstärke wird Arzneistoffen eine anticholinerge Potenz von Null (keine) bis 3 (hoch) zugeordnet. Die anticholinerge Last (ACB) ergibt sich aus der Summe aller anticholinergen Arzneistoffe eines Patienten. Ab einem Wert von 3 gilt diese bereits als hoch mit dem Risiko entsprechender Nebenwirkungen (22). Eine schnelle Orientierung bieten Onlinetools wie der ACB-Calculator (www.acbcalc.com).

Der Zusammenhang zwischen anticholinergen Nebenwirkungen, Obstipation und dem Auslösen oder der Verschlechterung einer hepatischen Enzephalopathie ist wahrscheinlich vielen Ärzten nicht bewusst. Erschwerend kommt hinzu, dass zum Beispiel Psychopharmaka oder Spasmolytika bei Blasenschwäche vom Facharzt verordnet werden und der Hausarzt nicht unbedingt informiert wird.

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