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Arzneimittel und Leber
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Was geht, was geht nicht?

Bei der Anpassung der Arzneimitteltherapie an die Leberfunktion sind sowohl eine veränderte Pharmakokinetik als auch die Pharmakodynamik mit den Wirkungen und Nebenwirkungen von Arzneistoffen zu beachten. Für viele Indikationen gibt es deshalb Besonderheiten in der Therapieauswahl.
AutorKontaktDorothea Strobach
Datum 15.09.2024  08:00 Uhr

Opioidanalgetika

Opioide können bei Patienten mit Leberzirrhose ungünstig wirken. In Studien war zum Beispiel das Risiko für eine hepatische Enzephalopathie erhöht, die Patienten mussten häufiger stationär aufgenommen werden und waren länger im Krankenhaus (28).

Viele Opioide werden hepatisch metabolisiert oder sogar der aktive Metabolit erst gebildet. Bei Patienten mit Leberzirrhose kann die Wirkung deutlich verstärkt und verlängert oder auch schlechter sein. Es kommt sehr darauf an, die richtige Substanz und Dosis zu wählen (Tabelle 2).

Die AKDÄ empfiehlt, Opioidanalgetika bei Leberpatienten immer besonders niedrig und langsam einzudosieren. Die Patienten müssen intensiv auf Anzeichen einer hepatischen Enzephalopathie und einer Obstipation überwacht werden (33). Letztere kann durch schlechtere Ammoniak-Ausscheidung das Risiko für eine hepatische Enzephalopathie erhöhen. Die Langzeitgabe sollte vermieden werden. Für die kurzzeitige Gabe sind schnell wirksame Formulierungen möglichst zu bevorzugen (28).

Substanz Kinetik bei Leberinsuffizienz Therapieanpassung bei Leberinsuffizienz Kommentar
Buprenorphin HWZ (↑) CP A: Normdosis
CP B/C: Startdosis 50 Prozent, langsam steigern (16, 33)
Codein (als Analgetikum) hepatische Umwandlung zum analgetisch wirksamen Morphin ↓ alle Stadien: Startdosis 50 Prozent, vorsichtig steigern (33)
CP A: keine Dosisanpassung
CP B/C: unwirksam (16)
Wirksamkeit schwer vorherzusagen, vermeiden (20)
Fentanyl TTS: cmax leichte bis mittlere LI: 50 Prozent Dosisreduktion
schwere LI: Kontraindikation (28)
CP A/B: Startdosis 50 Prozent, vorsichtig aufdosieren
CP C: dito, Sicherheit unklar (16)
Methadon HWZ (↑) zusätzliche Risiken bekannt (16, 33),
alle Stadien: Normdosis (16)
sehr vorsichtig dosieren, Risiko der Akkumulation (37)
Morphin HWZ ↑, cmax ↑,
orale BV ↑
oral:
CP A/B: Startdosis 50 Prozent, vorsichtig steigern
CP C: Startdosis 25 Prozent, vorsichtig steigern (16, 33)
intravenös:
CP A: Normdosis
CP B/C: Dosierintervall verdoppeln (16, 20)
bei gleichzeitiger Niereninsuffizienz vermeiden, da hydrophile Metabolite mit krampferhöhendem Potenzial, Atemdepression und erhöhtem Risiko hepatischer Enzephalopathie akkumulieren (20)
Oxycodon HWZ ↑, cmax ↑ IR: niedrig und langsam aufdosieren
ER: Initialdosis 1/3 bis 1/2 (28)
CP A/B: Startdosis 50 Prozent, vorsichtig aufdosieren
CP C: Startdosis 50 Prozent und Dosierungsintervall verdoppeln (16, 33)
Tapentadol CP A: Normdosis
CP B: mit 50 mg beginnen, nicht häufiger als 3 × täglich, vorsichtig steigern
CP C: unsicher (16, 33)
Tilidin/Naloxon hepatische Metabolisierung zum analgetisch wirksamen Nortilidin ↓, Naloxon-Wirkung ↑ (13) therapeutische Wirksamkeit fraglich, nicht verwenden
Tramadol BV ↑, HWZ ↑, cmax ↑, aktiver Metabolit ↓ schwere LI: IR 50 mg alle 12 h
ER kontraindiziert (28)
CP A: initial 50 mg alle 12 h, nach Wirkung/Nebenwirkungen steigern
CP B/C: initial 25 mg, maximal 100 mg alle 12 h (16, 33)
Partialagonist, zusätzlich SSRI/SNRI-Eigenschaften
Bildung des aktiven Metaboliten O-Desmethyl­tramadol schwer einschätzbar, Wirksamkeit verändert (20)
Tabelle 2: Ausgewählte Opioidanalgetika bei Leberinsuffizienz: Substanzauswahl und Dosisanpassung (9, 13, 16, 20, 28, 33, 37)
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