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Arzneimittel und Leber
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Was geht, was geht nicht?

Bei der Anpassung der Arzneimitteltherapie an die Leberfunktion sind sowohl eine veränderte Pharmakokinetik als auch die Pharmakodynamik mit den Wirkungen und Nebenwirkungen von Arzneistoffen zu beachten. Für viele Indikationen gibt es deshalb Besonderheiten in der Therapieauswahl.
AutorKontaktDorothea Strobach
Datum 15.09.2024  08:00 Uhr

Pflanzliche Arzneimittel

Eine Leberschädigung durch Arzneimittel (Drug Induced Liver Injury; DILI) kann auch durch pflanzliche Produkte und Inhaltsstoffe ausgelöst werden. Herb Induced Liver Injury (HILI) waren in Studien für 3 bis 16 Prozent der Fälle verantwortlich (5). Bei Patienten mit einer eingeschränkten Leberfunktion sind die Konsequenzen eines HILI schwerer (30).

Generell sollten möglicherweise hepatotoxische Präparate bei chronischer Lebererkrankung gemieden werden; dies gilt auch für viele Phytopharmaka. Nachfolgend werden einige Präparate genauer besprochen, die häufig in Selbstmedikation als hepatoprotektive Substanzen angewandt werden.

Artischockenpräparate haben in kleineren Untersuchungen positive Effekte bei Lebererkrankungen unterschiedlicher Ursachen gezeigt, zum Beispiel eine Abnahme der Transaminasen im Blut. Allerdings war das individuelle Ansprechen sehr unterschiedlich und es handelte sich eher um leichtere Lebererkrankungen (non-alcoholic fatty liver disease, NAFLD, non-alcoholic steatohepatitis, NASH). Artischockenpräparate sind kontraindiziert bei Gallengangsobstruktion und Gallensteinen, da sie aufgrund ihrer choleretischen Wirkung hier problematisch sind (14, 23).

Boldoblätter sind kontraindiziert bei Erkrankungen der Leber und Gallenwege. In der Langzeitanwendung kam es im Tierversuch zu erhöhten Leberwerten. Ein Fallbericht über Hepatotoxizität liegt vor (14, 23).

Im Tierversuch hat ein Extrakt aus Löwenzahnblättern positive Effekte bei Paracetamol-Intoxikation gezeigt. Allerdings liegen auch für Löwenzahnpräparate Fallberichte über Hepatotoxizität vor (14).

Pfefferminzöl schützte im Tierversuch gegen Leberschäden durch Arsen und andere Chemikalien. Problematisch ist eine höher dosierte Anwendung bei Magenulcera. Es kann zudem den Ösophagussphinkter relaxieren und so zu vermehrtem Reflux führen, der bei Ösophagusvarizen problematisch ist (14).

Die Mariendistel wird oft als hepatoprotektiv bezeichnet. Die Evidenz für einen klinischen Nutzen ist allerdings gering. Ein Cochrane-Review von 18 randomisierten klinischen Studien fand bei alkoholbedingten oder durch Hepatitis-B- oder -C-Viren ausgelösten Lebererkrankungen keinen Unterschied in der Mortalität und Komplikationsrate (14). Ein Nutzen wird dagegen gesehen bei akuten Vergiftungen mit dem grünen Knollenblätterpilz und verwandten Arten. Die Mortalitätsrate konnte durch Silibinin intravenös deutlich gesenkt werden (14). In vitro können Mariendistelextrakte CYP-Isoenzyme induzieren und so zu Interaktionen führen; die Bedeutung in vivo ist nicht klar (14, 26).

Fumaria officinalis (Erdrauch) und Fumarate waren im Tierversuch hepatoprotektiv gegenüber verschiedenen leberschädigenden Substanzen wie Tetrachlorkohlenwasserstoff und Paracetamol. Traditionell werden sie bei Koliken des Gallengangsystems angewandt; Studien mit guter Qualität fehlen allerdings (14).

Curcuma verbesserte bei Patienten mit NAFLD den Leberfettanteil und die Transaminasen gegenüber Placebo. Cholesterol und Triglyceride besserten sich ebenfalls. In einer weiteren Studie wurden auch eine verbesserte Insulinresistenz und Blutglucosespiegel beobachtet (14). Da NAFLD heute im Zusammenhang mit dem metabolischen Syndrom gesehen wird, stellt sich die Frage, inwiefern die günstigen Effekte auf die verbesserte Stoffwechsellage zurückzuführen sind.

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