| Lukas Brockfeld |
| 06.05.2026 12:05 Uhr |
Sebastian Zilch äußerte Verständnis für diesen Wunsch. Schon jetzt arbeite man daran, den Beratungsstellen der Krankenkassen mehr Kompetenzen einzuräumen und neue Nutzer für die ePA-Apps zu gewinnen. Das Ziel sei, bis 2030 mindestens 20 Millionen aktiv genutzte ePAs zu haben. Mehr Zugriffsrechte und Beratungsangebote in Apotheken seien in diesem Zusammenhang denkbar. »Alles was hilft, die Technik leichter und zugänglicher zu machen, ist es wert darüber zu diskutieren«, so der Unterabteilungsleiter.
Für Mark Langguth ist die strenge Regulierung des ePA-Zugriiffs ein typisch deutsches Phänomen. In anderen Ländern seien die Vorgaben deutlich flexibler. »Man darf in Deutschland viele Dinge tun, die einem selbst schaden. Ich darf rauchen, trinken oder mit 300 km/h über die Autobahn brettern. Aber ich darf nicht selbst über meine Daten bestimmen. Es ist mir untersagt, die Daten aus meiner ePA denjenigen zur Verfügung zu stellen, denen ich vertraue. Wir haben hier gelebten Datenschutzpaternalismus«, klagte der Digitalexperte. Mündige Bürger sollten selbst über ihre Daten entscheiden können, bei Bedarf auch gemeinsam mit ihrer Apotheke.
Zilchs Einwurf, dass die Apotheken schon jetzt durch das Aktualisieren der Medikationslisten gewisse Schreibrechte hätten, wollte Langguth nicht gelten lassen: »Ein Schreibrecht für Apotheker ist bei medizinischen Daten aktuell nicht vorgesehen. Die Apotheker dürfen nur in zwei Bereichen schreiben. Das ist die Impfdokumentation und der kommende Medikationsplan. Sie dürfen keinen Ernährungsplan, keine Laborbefunde und keine Ergebnisse pharmakologischer Beratungen einstellen«, erklärte der Digitalexperte.
In der Vergangenheit wurde immer wieder über die Chancen diskutiert, die die ePA im Zusammenspiel mit anderen Digitalanwendungen und künstlicher Intelligenz haben könnte. Doch Jan-Niklas Francke betonte, dass die technischen Hilfsmittel niemals den Apotheker ersetzen könnten. »Eine KI merkt nicht immer, wenn etwas eigenartig aussieht. Die KI kann den Menschen nicht in die Augen gucken und mit ihnen sprechen und feststellen, dass etwas schief läuft. Das ist aber unsere tägliche Praxis«, so das DAV-Vorstandmitglied.