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Blutprodukte
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Unverzichtbar, aber knapp

Blut und Blutprodukte sind lebenswichtige Arzneimittel – und zugleich nur begrenzt verfügbar, denn sie lassen sich nicht künstlich herstellen. Wie sie gewonnen werden, welchen Stellenwert sie in Offizin und Krankenhaus­apotheke haben und wann Menschen trotz Arzneimitteltherapie Blut spenden dürfen.
AutorKontaktNatascha Karl
AutorKontaktLena Kober
Datum 03.09.2026  09:00 Uhr

Unterteilung in sechs Arzneimittelklassen

Für die Beurteilung eines Blutspenders unter Arzneimitteleinnahme und der daraus resultierenden Rückstellungszeiträume sind drei Faktoren entscheidend:

  1. pharmakologische Eigenschaften des Arzneistoffs,
  2. Wirkstoffkonzentration im Plasma des Spenders zum Zeitpunkt der Blutspende sowie
  3. Art und Verwendung des gewonnenen Blutproduktes.

Die pharmakologischen Eigenschaften werden in der Blutspendedatenbank in sechs Klassen unterteilt (Tabelle 4):

  • Klasse I: Arzneistoffe mit einer dosisabhängigen Pharmakodynamik
  • Klasse II: zytotoxische Substanzen, bei denen die (schädigende) Wirkung nicht dosisabhängig erfolgt
  • Klasse III: Arzneistoffe ohne relevante Pharmakodynamik beziehungsweise zur Substitution von physiologischen Stoffen,
  • Klasse IV: irreversible Thrombozytenaggregationshemmer
  • Klasse V: reversible Thrombozytenaggregationshemmer
  • Ausnahmen: zum Beispiel teratogene sowie embryo- oder fetotoxische Substanzen mit speziellen Vorgaben hinsichtlich einer Blutspende

Die Arzneistoffkonzentration im Plasma des Spenders hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zwei Parameter sind dabei besonders bedeutend: die Zeit bis zum Erreichen der maximalen Wirkstoffkonzentration im Blutplasma (tmax) und die Eliminationshalbwertszeit (t1/2). Dabei ist tmax von der Freisetzung und Resorption abhängig, während t1/2 durch die Verteilung des Arzneistoffs im Organismus, den Metabolismus (pharmakologisch aktive Metabolite werden berücksichtigt) und die Ausscheidung bestimmt wird. Da sich Arzneistoffe überwiegend im Blutplasma befinden, ist der Plasmaanteil des jeweiligen Blutprodukts von entscheidender Bedeutung.

Blutprodukte lassen sich anhand des enthaltenen Einzelspenderplasmavolumens in zwei Kategorien einteilen. Zur ersten Kategorie zählen Blutprodukte mit ≤ 50 ml Einzelspenderplasma pro Einheit. Hierzu gehören Erythrozytenkonzentrate sowie Thrombozytenkonzentrate in Additivlösung und fraktioniertes Industrieplasma zur Herstellung von Plasmaderivaten, beispielsweise Immunglobulinpräparaten oder Fibrinklebern.

Die zweite Kategorie umfasst Blutprodukte mit >50 ml Einzelspenderplasma pro Einheit. Dazu zählen Thrombozytenkonzentrate in Plasma und gefrorenes Frischplasma.

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