Für die Beurteilung eines Blutspenders unter Arzneimitteleinnahme und der daraus resultierenden Rückstellungszeiträume sind drei Faktoren entscheidend:
Die pharmakologischen Eigenschaften werden in der Blutspendedatenbank in sechs Klassen unterteilt (Tabelle 4):
Tabelle 4: Einteilung der Blutspendeklassen und Beispiele; Abkürzungen: EK= Erythrozytenkonzentrat, IP= Industrieplasma, TK= Thrombozytenkonzentrat
Die Arzneistoffkonzentration im Plasma des Spenders hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zwei Parameter sind dabei besonders bedeutend: die Zeit bis zum Erreichen der maximalen Wirkstoffkonzentration im Blutplasma (tmax) und die Eliminationshalbwertszeit (t1/2). Dabei ist tmax von der Freisetzung und Resorption abhängig, während t1/2 durch die Verteilung des Arzneistoffs im Organismus, den Metabolismus (pharmakologisch aktive Metabolite werden berücksichtigt) und die Ausscheidung bestimmt wird. Da sich Arzneistoffe überwiegend im Blutplasma befinden, ist der Plasmaanteil des jeweiligen Blutprodukts von entscheidender Bedeutung.
Erkrankungen und Arzneimitteltherapien werden im Rahmen der Spenderauswahl erfasst. / © Getty Images/deepblue4you
Blutprodukte lassen sich anhand des enthaltenen Einzelspenderplasmavolumens in zwei Kategorien einteilen. Zur ersten Kategorie zählen Blutprodukte mit ≤ 50 ml Einzelspenderplasma pro Einheit. Hierzu gehören Erythrozytenkonzentrate sowie Thrombozytenkonzentrate in Additivlösung und fraktioniertes Industrieplasma zur Herstellung von Plasmaderivaten, beispielsweise Immunglobulinpräparaten oder Fibrinklebern.
Die zweite Kategorie umfasst Blutprodukte mit >50 ml Einzelspenderplasma pro Einheit. Dazu zählen Thrombozytenkonzentrate in Plasma und gefrorenes Frischplasma.