| Theo Dingermann |
| 30.10.2026 08:00 Uhr |
Die Ergebnisse waren bemerkenswert konsistent: In der PREDIMED-Kohorte hatten Personen im oberen Drittel des metabolomischen Scores gegenüber Teilnehmern im unteren Drittel eine um 23 Prozent geringere relative Gesamtsterblichkeit (Hazard Ratio [HR] 0,77). Pro Anstieg des Scores um eine Standardabweichung verringerte sich das relative Sterblichkeitsrisiko um 19 Prozent.
Auch in den drei US-amerikanischen Kohorten bestätigte sich dieser Zusammenhang. Hier lag die Gesamtsterblichkeit im obersten gegenüber dem untersten Fünftel des Scores ebenfalls um 23 Prozent niedriger (HR 0,77).
Besonders interessant waren die Ergebnisse zur kardiovaskulären Mortalität. Bei den PREDIMED-Teilnehmern, deren metabolomische Signatur nach einem Jahr erneut bestimmt worden war, zeigte sich im oberen gegenüber dem unteren Drittel eine um 52 Prozent geringere relative kardiovaskuläre Sterblichkeit (HR 0,48). Auch der Mittelwert aus Ausgangs- und Einjahresmessung war deutlich mit einer geringeren Gesamt- und kardiovaskulären Mortalität assoziiert. Für die Krebssterblichkeit ergaben sich dagegen weniger konsistente Ergebnisse.
Auffällig war zudem, dass Veränderungen der metabolomischen Signatur innerhalb des ersten Jahres keinen statistisch signifikanten Zusammenhang mit der späteren Sterblichkeit aufwiesen. Die Forschenden vermuten deshalb, dass der Score weniger kurzfristige Ernährungsumstellungen als vielmehr langfristig etablierte Ernährungsgewohnheiten und den individuellen metabolischen Gesundheitszustand widerspiegelt.
Biochemisch wird die Signatur wesentlich durch den Lipidstoffwechsel geprägt. Charakteristisch für die mediterrane Ernährung sind insbesondere einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren aus Olivenöl, Nüssen und Fisch. Diese beeinflussen das Lipidom und könnten mit einer verbesserten Insulinsensitivität, geringerer niedriggradiger Entzündung und günstigeren kardiometabolischen Funktionen verbunden sein.
Einzelne Metabolite, darunter bestimmte Phospholipide, Triacylglycerole und Acylcarnitine, waren dagegen mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert. Entscheidend ist nach Einschätzung der Autoren jedoch nicht die Konzentration einzelner Substanzen, sondern das gesamte metabolische Muster.
Von besonderer Bedeutung ist, dass der Zusammenhang zwischen metabolomischer Signatur und Mortalität auch nach zusätzlicher Berücksichtigung der selbst berichteten Ernährungsgewohnheiten weitgehend bestehen blieb. Die Blutmarker erfassen somit offenbar biologische Informationen, die durch klassische Ernährungsfragebögen nicht vollständig abgebildet werden.
Allerdings handelt es sich bei den entscheidenden Zusammenhängen zwischen metabolomischem Profil und Mortalität um Beobachtungsanalysen. Obwohl die PREDIMED-Studie ursprünglich randomisiert war, wurde die metabolomische Signatur selbst nicht randomisiert zugeteilt. Ein kausaler Zusammenhang zwischen einem höheren Score und einer längeren Lebensdauer lässt sich deshalb nicht unmittelbar ableiten.
Bevor sich zuverlässige prognostische Aussagen machen lassen, bedarf es weiterer Untersuchungen in Form von kontrollierten Studien.