| Johanna Hauser |
| 26.10.2026 11:15 Uhr |
Manche Arten der assistierten Reproduktionsmedizin könnten mit einem erhöhten Krebsrisiko bei den Kindern verbunden sein. Die Hinweise sollten aber nicht überinterpretiert werden. / © Getty Images/ugurhan
Die Zahl der durch künstliche Befruchtung gezeugten Kinder ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen. Bereits 2019 fand eine Arbeitsgruppe um Marie Hargreave ein Signal für ein möglicherweise erhöhtes Krebsrisiko dieser Kinder. Aber ist das Risiko tatsächlich erhöht und, wenn ja, wirklich relevant? Dieser Frage nahm sich eine dänische Forschergruppe an und überprüfte, ob sich das Risiko für Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter zwischen verschiedenen Verfahren der assistierten Reproduktion (ART) unterscheidet.
Das Team um Katrine Mose vom Danish Cancer Institute Research Center analysierte dazu Daten von mehr als einer Million Kindern aus dänischen Gesundheitsregistern, die zwischen 1996 und 2012 geboren wurden. Rund 37.000 von ihnen wurden nach ART gezeugt. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 20 Jahre und endete Ende 2023. Die Forscher fanden ein leicht erhöhtes Risiko für Krebs – bei gleichzeitig niedrigen absoluten Erkrankungszahlen. Die Ergebnisse wurden kürzlich in »JAMA« veröffentlicht.
Insgesamt traten 3736 Krebserkrankungen auf. Durch ART gezeugte Kinder wiesen eine höhere Krebsinzidenz auf als Kinder ohne ART-Konzeption. Die Inzidenz lag bei 23,6 gegenüber 18,3 Fällen pro 100.000 Personenjahre, die Hazard Ratio betrug 1,26.
Bei genauer Aufschlüsselung fanden die Autoren für die klassische IVF kein erhöhtes Krebsrisiko (HR 1,01). Für die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) zeigte sich dagegen ein um etwa 48 Prozent erhöhtes relatives Risiko (HR 1,48), nach Kryoembryotransfer (Frozen Embryo Transfer, FET) war das Risiko mehr als verdoppelt (HR 2,18).
Der Blick auf einzelne Tumorarten zeigte insbesondere Assoziationen zu Leukämien, Lymphomen, Sarkomen und teilweise ZNS-Tumoren. Allerdings waren die Fallzahlen hierfür klein.