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Leberkrebs
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Aspartam entlastet, Zucker im Visier

Wie gefährlich ist der regelmäßige Konsum von mit Aspartam gesüßten oder mit Zucker gesüßten Getränken mit Blick auf ein erhöhtes Risiko für Leberkrebs? Dies hinterfragten Forschende vom National Cancer Institute in Rockville in den USA. Das Ergebnis: Das Risiko von zuckergesüßten Getränken ist demnach hoch, das für Aspartam-gesüßte Getränke deutlich geringer als weithin angenommen.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 15.06.2026  07:00 Uhr
Aspartam entlastet, Zucker im Visier

Die Debatte um die Karzinogenität von Aspartam, die 2023 durch die Einstufung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als »möglicherweise krebserregend« (Gruppe 2B) neue Nahrung erhielt, dürfte mit der jüngsten gepoolten Analyse im Wissenschaftsjournal »JAMA Network Open« eine empirisch fundiertere Grundlage gewinnen.

Ein Forschungsteam um Dr. Cody Z. Watling vom National Cancer Institute in Rockville, USA, legt die nach eigener Darstellung bislang umfangreichste prospektive Untersuchung zum Zusammenhang zwischen dem Konsum künstlich gesüßter (ASB) sowie zuckergesüßter Getränke (SSB) und dem Leberkrebsrisiko vor und kommt zu einem differenzierten, für den Süßstoff teilweise entlastenden Befund. Da in den USA Getränke fast ausschließlich mit Aspartam gesüßt werden, wurde in der Analyse ASB mit Aspartam-gesüßten Getränken gleichgesetzt.

Grundlage der Auswertung sind individuelle Teilnehmerdaten aus elf prospektiven Kohortenstudien. Zehn der Studien stammen aus den USA, eine Studie, die EPIC-Kohorte aus Europa. Die Probanden dieser Studien wurden zwischen 1980 und 2009 rekrutiert und bis zu Endpunkten zwischen 2000 und 2019 nachverfolgt. Insgesamt flossen Daten von 1.518.411 Erwachsenen (Durchschnittsalter 57,8 Jahre, 58,2 Prozent weiblich) in die Analyse ein.

Über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 17,8 Jahren traten 2811 inzidente Leberkarzinome auf, darunter 1699 hepatozelluläre Karzinome (HCC) und 444 intrahepatische Cholangiokarzinome (ICC). Die Getränkeaufnahme wurde mittels validierter, studienspezifischer Food-Frequency-Fragebögen erfasst und je 1-Getränk/Tag-Inkrement modelliert.

Aspartam entlastet, Zucker unter Verdacht

Als zentrales Ergebnis berichten die Forschenden, dass nach multivariabler Adjustierung unter anderem für den Body-Mass-Index (BMI), den Diabetesstatus, die Alkohol-, Kaffee- und Energieaufnahme, den Rauchstatus und die körperliche Aktivität der ASB-Konsum weder mit dem Gesamtleberkrebsrisiko noch mit HCC oder ICC assoziiert war.

Bemerkenswert ist die analytische Sorgfalt: In minimal adjustierten Modellen hatte sich für ASB zunächst eine positive Assoziation gezeigt (HR 1,12), die jedoch nach Berücksichtigung von BMI und Diabetes vollständig verschwand. Die Forschenden werten dies als Hinweis darauf, dass die in früheren Arbeiten beobachteten ASB-Signale wesentlich durch metabolische Störfaktoren getrieben sein könnten.

Anders das Bild bei zuckergesüßten Getränken: Zwar zeigte sich in der primären Gesamtanalyse zunächst keine signifikante Assoziation, was sich jedoch als Artefakt eines einzelnen Ausreißers entpuppte. Die Southern Community Cohort Study (SCCS), mit einer Diabetesprävalenz von 21,4 Prozent nahezu doppelt so hoch wie in jeder anderen Kohorte, wies eine inverse Assoziation auf, die die Autoren überzeugend als Störvariable interpretieren: Diabetiker reduzieren typischerweise ihren Zuckerkonsum, tragen aber gleichzeitig durch die Erkrankung ein erhöhtes Leberkrebsrisiko.

Nach Ausschluss der Southern Community Cohort Study ergab sich für zuckergesüßte Getränke eine positive Assoziation mit dem Gesamtleberkrebsrisiko (HR 1,09). In dieser Analyse zeigte sich pro zusätzlichem zuckergesüßtem Getränk pro Tag ein um 10 Prozent erhöhtes HCC-Risiko sowie ein um 15 Prozent erhöhtes ICC-Risiko.

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