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Omega-3-Fettsäuren

Stiftung Warentest hält Fischöl-Kapseln für überflüssig

Fischöl-Kapseln mit Omega-3-Fettsäuren sind für die Herzgesundheit überflüssig, eine gesunde Ernährung vorausgesetzt. Zu diesem Ergebnis kommen Gutachter der Stiftung Warentest nach Auswertung des aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstands zu zwanzig Nahrungsergänzungsmitteln und drei Medikamenten mit Fisch-, Algen- oder Leinöl zugelassen zur Therapie erhöhter Blutfettwerte.
Christiane Berg
27.05.2020  11:00 Uhr

»Ihr Nutzen ist nicht ausreichend belegt – weder fürs Herz noch für andere gesundheitliche Aspekte. Einen Grund, solche Mittel zu nehmen, gibt es nicht«, heißt es in der gerade erschienenen Juni-Ausgabe 2020 der Zeitschrift »Test«. Das gelte für Gesunde wie für Risikopatienten, die bereits einen Herzinfarkt hatten. Auch mit Blick auf den Einsatz zur Vorbeugung von Demenz oder altersbedingten Augenkrankheiten gäbe es keine genügenden Nachweise. 

Dagegen sei gesundes Essen nicht zu toppen: Es reiche eine entsprechende Ernährung mit fettem Fisch wie Hering, Lachs oder Makrele, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind. Selbst ohne Fisch lasse sich der Bedarf decken, so die Stiftung Warentest mit Verweis auf die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) die etwa 1,5 Gramm pflanzliche Omega-3-Fettsäuren täglich empfehle. Diese Menge sei durch einen Teelöffel Leinöl, ein bis zwei Esslöffel Rapsöl oder vier bis fünf Walnüsse pro Tag gedeckt.

Bereits 2018 seien seitens des internationalen Forschungsnetzwerkes Cochrane79 klinische Studien mit mehr als 112.000 Teilnehmern ausgewertet worden. Es habe sich zwischen Probanden, die über lange Zeit hinweg zum einen Omega-3-Fettsäuren in Kapselform, zum anderen Placebos erhielten, kein klinisch relevanter Unterschied hinsichtlich der Rate an Herz-Kreislauf-Vorfällen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall beziehungsweise Sterblichkeit gezeigt.

Ernüchternde Bilanz der Studienlage

Auch Hinweise, dass möglicherweise höhere Dosen an Omega-3-Fettsäuren effektiv sein könnten, hätten sich als hinfällig erwiesen. So sei vor kurzem auch die groß angelegte Studie »Strength«, in deren Rahmen etwa 13.000 Patienten mit dem Präparat Epanova® oder Placebo (Endpunkt: schwere Herzkreislauf-Erkrankungen) behandelt wurden, wegen mangelnder Wirksamkeit abgebrochen worden. Die Stiftung Warentest spricht von einer »ernüchternden Bilanz«.

»Es gibt tatsächlich keinen klinischen überzeugenden Nachweis der Effekte der unspezifischen Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren zur Senkung von Morbidität und Mortalität bei kardiovaskulären Erkrankungen«, bestätigte Professor Dr. Martin Smollich, Lübeck, im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. Die aktuelle Studienlage liefere keine Rationale dafür, die derzeit verfügbaren Omega-3-Fettsäuren-Supplemente bei irgendeiner Patientengruppe zur Senkung des kardiovaskulären Risikos einzusetzen. Gleiches gelte für die Anwendung zur Prophylaxe oder Therapie von Demenzen, neurodegenerativen Erkrankungen, Depressionen oder Tumorkachexie.

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