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Positiver Nebeneffekt

SGLT-2-Hemmer senken Gichtrisiko

Patienten mit Typ-2-Diabetes erkranken seltener an Gicht, wenn sie als Antidiabetikum einen SGLT-2-Hemmer statt eines GLP-1-Rezeptorgonisten anwenden. Das zeigen jetzt Langzeitdaten aus den USA.
Annette Mende
14.01.2020
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SGLT-2-Hemmer oder auch Gliflozine hemmen in der Niere die Rückresorption von Glucose über den Natrium-abhängigen Glucose-Kotransporter 2 und führen so zu einer erhöhten Ausscheidung von Glucose mit dem Urin. Die in Deutschland verfügbaren Gliflozine Dapagliflozin (Forxiga®), Empagliflozin (Jardiance®) und Ertugliflozin (Kombination mit Sitagliptin: Steglujan®) sind zur Behandlung von Patienten mit Typ-2-Diabetes zugelassen. In mehreren Studien, darunter EMPA-REG OUTCOME und DECLARE-TIMI 58, konnte zudem für Vertreter dieser Wirkstoffklasse eine Senkung des kardiovaskulären Risikos, speziell des Herzinsuffizienz-Risikos, gezeigt werden. Bei Empagliflozin ist die Reduzierung des kardiovaskulären Risikos mittlerweile eine zugelassene Indikation.

Eine im Fachjournal »Annals of Internal Medicine« erschienene Arbeit zeigt nun auch einen positiven Effekt von SGLT-2-Hemmern auf das Gichtrisiko. Die Autoren um Dr. Michael Fralick vom Brigham and Women's Hospital und der Harvard Medical School in Boston, Massachusetts, berichten darin über einen retrospektiven Vergleich von knapp 296.000 Patienten, die in den Jahren 2013 bis 2017 aufgrund eines neu diagnostizierten Typ-2-Diabetes eine Therapie mit einem SGLT-2-Hemmer oder einem GLP-1-Rezeptoragonisten begonnen hatten. Im Verlauf erkrankten in der SGLT-2-Hemmer-Gruppe 36 Prozent weniger Patienten an Gicht als in der Vergleichsgruppe. Die Inzidenzraten betrugen 4,9 Fälle pro 1000 Personenjahren unter SGLT-2-Hemmer versus 7,8 Fälle pro 1000 Personenjahren unter GLP-1-Rezeptorantagonisten.

Das Ergebnis ist deutlich, muss aber, um wissenschaftlich haltbar zu sein, repliziert werden. Weitere Studien sollten auch bereits an Gicht erkrankte Patienten einschließen und solche, die etwa aufgrund ihres Alters oder kardiovaskulärer Vorerkrankungen ein erhöhtes Gichtrisiko haben, empfehlen die Autoren. Der Effekt sei in diesen Gruppen wahrscheinlich noch größer.

Wie genau die Senkung des Gichtrisikos durch SGLT-2-Hemmer zustande komme, sei noch nicht geklärt. Es sei aber wahrscheinlich, dass es infolge des Anstiegs der Glucosekonzentration im Urin zu einer vermehrten Ausscheidung von Harnsäure komme. Eine Studie mit gesunden Freiwilligen habe gezeigt, dass der Serum-Harnsäurespiegel binnen 24 Stunden nach der Gabe eines SGLT-2-Hemmers absinke. Agonisten am Rezeptor des Inkretin-Hormons Glucagon-Like-Peptide-1 (GLP-1) hätten dagegen keinen Einfluss auf den Harnsäurespiegel.

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