Maligne hämatologische Erkrankungen während der Schwangerschaft sind selten, stellen jedoch eine große medizinische Herausforderung dar. Durch eine frühzeitige Diagnose, an das Trimester angepasste Therapiestrategien und eine interdisziplinäre Betreuung in spezialisierten Zentren können viele Patientinnen eine nahezu standardmäßige onkologische Therapie erhalten. Die vorhandene Evidenz zeigt, dass eine trimesteradaptierte Chemotherapie bei vielen hämatologischen Malignomen möglich ist, ohne die Prognose der Mutter wesentlich zu verschlechtern. Gleichzeitig können akzeptable fetale Outcomes erreicht werden, etwa hinsichtlich Geburtsgewicht, Organfunktion und kognitiver Entwicklung.
Allerdings basiert die verfügbare Evidenz überwiegend auf retrospektiven Studien, Registerdaten, Fallserien und Expertenempfehlungen. Randomisierte Studien fehlen aufgrund ethischer und praktischer Einschränkungen. Daher bleibt eine individuelle, partizipative Entscheidungsfindung von zentraler Bedeutung.
Theresa Andraczek ist Fachärztin für Geburtshilfe und Gynäkologie am Universitätsklinikum Leipzig und befindet sich in der Subspezialisierung »Spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin« mit Schwerpunkt auf Risikoschwangerschaften und der Betreuung rund um die Geburt. Ihr Fokus liegt auf komplexen Schwangerschaftsverläufen, pränataler Diagnostik und der Optimierung geburtshilflicher Prozesse. Andraczek publiziert wissenschaftlich und engagiert sich für die evidenzbasierte Weiterentwicklung der Geburtshilfe und die interprofessionelle Zusammenarbeit in der Perinatalmedizin.
Holger Stepan ist ein renommierter Gynäkologe und Geburtsmediziner mit besonderem Schwerpunkt auf Risikoschwangerschaften und Präeklampsie. Er ist Professor für Geburtshilfe und leitet seit 2007 die Abteilung für Geburtsmedizin am Universitätsklinikum Leipzig. Stepan ist national und international in Fachgesellschaften aktiv, an Leitlinien beteiligt und Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen. Neben seiner klinischen Tätigkeit engagiert er sich in der interdisziplinären Versorgung von Patientinnen mit Hochrisikoschwangerschaften sowie in der Aus- und Weiterbildung von Medizinern.