Schwangere Patientinnen mit hämatologischen Malignomen haben ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionen bis hin zur Sepsis sowie für venöse Thromboembolien. Dies ist sowohl durch die tumorassoziierte Immunsuppression als auch durch die prokoagulatorischen Veränderungen während der Schwangerschaft bedingt.
Daher sind individuell angepasste antiinfektive Therapien sowie Thromboseprophylaxen erforderlich. Zudem ist zu berücksichtigen, dass Infektionen in der Schwangerschaft, insbesondere Harnwegsinfektionen, häufig asymptomatisch verlaufen und unbehandelt zu aufsteigenden Infektionen bis hin zur Urosepsis führen können (23).
Gegebenenfalls wird eine vorzeitige Entbindung erwogen, um eine höher dosierte oder andere Chemotherapie ansetzen zu können, die während der Schwangerschaft kontraindiziert ist. Wenn möglich, sollte jedoch eine Entbindung zum Termin angestrebt werden. Die letzte Chemotherapie während der Schwangerschaft wird in der Regel etwa drei Wochen vor der geplanten Entbindung beendet, um eine hämatologische Erholung der Mutter sowie eine Reduktion neonataler Komplikationen zu ermöglichen. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Neonatologie und Intensivmedizin ist dabei essenziell.
Besser Flasche statt Brust: In der Regel sollen Mütter unter einer Chemotherapie nicht stillen, da zahlreiche Zytostatika in die Muttermilch übergehen können. / © Getty Images/Vera Livchak
Ziel ist ein geplantes, klar strukturiertes und interdisziplinär abgestimmtes Vorgehen, um unnötige, aus Unsicherheit resultierende Entscheidungen zu vermeiden, beispielsweise unnötige Frühgeburten, vorzeitige Abbrüche der Chemotherapie oder nicht indizierte Kaiserschnitte (24). In den meisten Fällen ist eine Spontangeburt möglich.
Postpartal sollte eine zeitnahe Komplettierung der onkologischen Therapie angestrebt werden. Anders als beim Mammakarzinom wird Stillen während einer der genannten Chemotherapien in der Regel nicht empfohlen, da zahlreiche Zytostatika in die Muttermilch übergehen können. Daher sollte mit der Patientin frühzeitig ein primäres Abstillen besprochen werden.
Dies kann medikamentös erfolgen, etwa mit Cabergolin (zum Beispiel einmalig zwei Tabletten mit je 0,5 mg Wirkstoff innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Geburt), oder konservativ, etwa mittels Salbeiextrakten (zum Beispiel Salvysat® 300 mg, dreimal täglich je nach individuellem Abstillprozess); zusätzlich können physikalische Maßnahmen unterstützen (25). Zu letzteren zählt beispielsweise das Kühlen der Brust, das Tragen eines stützenden BHs sowie die Vermeidung von Stimulation der Brüste.