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Hämatologische Malignome
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Schwangere risikoarm behandeln

Wenn Krebs und Schwangerschaft gleichzeitig auftreten, geraten Medizin und Ethik in ein sensibles Spannungsfeld. Hämatologische Malignome stellen behandelnde Teams vor die Herausforderung, das Leben der Mutter zu schützen, ohne das ungeborene Kind zu gefährden. Moderne Therapiekonzepte ermöglichen heute zunehmend eine Behandlung während der Schwangerschaft – jedoch nicht ohne Risiken.
AutorKontaktTheresa Andraczek
AutorKontaktHolger Stepan
Datum 07.06.2026  08:00 Uhr

Therapieschemata

So ist beispielsweise beim Hodgkin-Lymphom das Standardtherapieschema das ABVD-Regime, bestehend aus Doxorubicin, Bleomycin, Vinblastin und Dacarbazin. Mehrere Studien zeigen, dass dieses Schema nach dem ersten Trimester relativ sicher angewendet werden kann.

Bei aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen werden häufig die Therapieschemata CHOP oder R-CHOP angewendet. CHOP besteht aus Cyclophosphamid, Hydroxydaunorubicin (Doxorubicin), Vincristin und Prednisolon; bei R-CHOP kommt Rituximab hinzu. Die Behandlung sollte nach Diagnosestellung ohne größere Verzögerung begonnen werden.

Bei akuten Leukämien kommen überwiegend Anthrazyklin-basierte, Methotrexat-(MTX-)freie Induktionstherapien zum Einsatz, da MTX aufgrund seiner ausgeprägten teratogenen und abortiven Wirkung während der gesamten Schwangerschaft kontraindiziert ist. Anthrazykline wie Doxorubicin oder Daunorubicin können hingegen im zweiten und dritten Trimester unter sorgfältiger Überwachung von Mutter und Kind angewendet werden. Die Therapie sollte möglichst leitliniengerecht und auf Basis des tatsächlichen Körpergewichts dosiert erfolgen, da derzeit keine generelle Dosisreduktion in der Schwangerschaft empfohlen wird (16).

Nebenwirkungen

Unter einer Chemotherapie besteht für Schwangere ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen wie Knochenmarksuppression, Infektionen, Anämie sowie Übelkeit und Fatigue. Fetale Risiken umfassen insbesondere intrauterine Wachstumsrestriktion, Plazentainsuffizienz und Frühgeburt sowie potenzielle hämatologische oder kardiovaskuläre Auswirkungen auf das Neugeborene. Daher wird eine intensivierte geburtshilfliche Überwachung mit engmaschigen fetalen Wachstumskontrollen sowie der Beurteilung der Plazentafunktion empfohlen.

Darüber hinaus gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen onkologischen Therapien in der Schwangerschaft und hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen beziehungsweise Funktionsstörungen der Plazenta. Die Evidenz ist insgesamt jedoch begrenzt und durch zahlreiche Störfaktoren, darunter die Tumorerkrankung selbst, eingeschränkt. Am ehesten zeigt sich ein Signal für plazentare Komplikationen wie eine intrauterine Wachstumsrestriktion des Fetus und möglicherweise Präeklampsie- oder HELLP-Syndrom-assoziierte Schwangerschaftsverläufe (siehe auch hier), insbesondere unter Immuncheckpoint-Inhibitoren, wobei hierfür bislang überwiegend nur Fallberichte und pharmakovigilanzbasierte Daten vorliegen.

Für die intrahepatische Schwangerschaftscholestase (ICP), eine Funktionsstörung des Gallenabflusses in der Leber, besteht hingegen bislang kein konsistenter Nachweis, dass eine onkologische Therapie das Risiko erhöht (19).

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