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Angeborenes Immunsystem
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Schnell und effektiv in der Erregerabwehr

Bakterien, Viren, Pollen und Co: Andauernd ist der Organismus mit Krankheitserregern und Fremdstoffen konfrontiert. Das Immunsystem ist in der Regel gut dagegen gewappnet und die Eindringlinge werden oft schon Minuten nach dem Kontakt unschädlich gemacht. In vorderster Linie ist das angeborene Immunsystem aktiv.
AutorKontaktEva Gottfried
Datum 20.09.2020  08:00 Uhr

Immunsystem-hemmende Arzneimittel

Zur Therapie rheumatischer Erkrankungen werden verschiedene krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARD, disease-modifying antirheumatic drugs) eingesetzt, die die Entzündungsreaktion durch Hemmung von Zytokinen wie TNF-α, IL-6 und IL-17 drosseln. Allerdings bremsen diese auch erwünschte Immunreaktionen, sodass Bakterien und Viren ein leichteres Spiel haben.

Auch viele Arzneimittel mit nicht-immunologischer Indikation beeinflussen das angeborene Immunsystem (Tabelle 2). Beispielsweise hemmen Chemotherapeutika und Zytostatika, die in der Tumortherapie und bei Autoimmunerkrankungen verabreicht werden, jegliche sich schnell teilenden Zellen, darunter auch die Immunzellen. Auch Analgetika, Thyreostatika und nicht-steroidale Antirheumatika können Immunzellen beeinflussen (14). Die immunsupprimierenden Effekte treten teils nur selten, teils in Kombination mit weiteren Medikamenten auf.

Arzneimittelgruppe Arzneimittelbeispiele Mögliche Wirkungen auf das angeborene Immunsystem
Chemotherapeutika, Zytostatika Cyclophosphamid, Mycophenolatmofetil Hemmung der Zellteilung durch DNA-Synthese-Block
Analgetika Metamizol, Phenylbutazon Agranulozytose
nicht-steroidale Antirheumatika/ Antiphlogistika (NSAR/NSAID) Ibuprofen
Acetylsalicylsäure, Diclofenac
Agranulozytose
Hemmung der Aktivierung von Makrophagen (experimentell)
Antibiotika Penicillin
Sulfonamide
Ciprofloxacin
IgE-vermittelte Allergie vom Sofort-Typ
Exanthem, Thrombopenie
Hemmung der phagozytischen Aktivität von Makrophagen (experimentell)
Antipsychotika Clozapin Agranulozytose
Thyreostatika Thiamazol, Carbimazol allergische Reaktion, Granulozytopenie, Agranulozytose, Thrombopenie
Thiazolidindione Pioglitazon Effekt auf Makrophagen (experimentell)
Tabelle 2: Medikamente mit Einfluss auf das angeborene Immunsystem

Geschwächtes Immunsystem

Die Aktivität des Immunsystems nimmt mit zunehmendem Alter ab, was einer allgemeinen Schwächung der hämatopoetischen Stammzellen, also der Vorläuferzellen der Immunzellen zugeschrieben wird (Immunseneszenz). Auch Makrophagen und NK-Zellen scheinen direkt betroffen zu sein, wenn die Signalwege über Toll-like-Rezeptoren zur Erkennung von Antigenen mit zunehmendem Alter beeinträchtigt sind (15).

Außerdem leben etwa 2300 Patienten in Deutschland mit einem genetisch bedingten angeborenen Immundefekt. Etwa zwei Drittel haben einen Antikörper-Mangel aufgrund von Defekten in den Antikörper-produzierenden B-Zellen, zum Beispiel einen IgG-Mangel bei Hypo- oder Agammaglobulinämie, bei anderen ist die Immunregulation gestört.

Menschen mit angeborenem Immundefekt sind für Infektionskrankheiten besonders anfällig. Die ersten Symptome, hauptsächlich Infektionen, könnten jederzeit im Leben erstmalig auftreten. Die Therapie erfolgt durch Substitution der Antikörper, um das Immunsystem zu boosten (16).

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