Untersuchungen zeigen, dass ein relevanter Anteil der Patienten ihre orale Tumortherapie nicht exakt nach Vorgabe einnimmt. Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) gehören zu den wichtigsten Ursachen für eigenständige Therapiepausen oder -abbrüche.
Ein Beispiel: Eine 59-jährige Patientin möchte in der Apotheke ihr Rezept über Ribociclib, einen CDK4/6-Inhibitor, einlösen. Sie berichtet, dass sie wegen eines Hormonrezeptor-positiven metastasierten Mammakarzinoms behandelt werde. Seit einigen Tagen habe sie zunehmende Durchfälle und fühle sich deutlich erschöpft. Außerdem sei sie unsicher, ob sie ihre Medikamente weiterhin wie gewohnt einnehmen soll. Im Gespräch stellt sich heraus, dass die Frau zusätzlich ein Johanniskraut-Präparat gegen depressive Verstimmung einnimmt. Aufgrund der Durchfälle habe sie das Tumortherapeutikum bereits mehrfach nicht geschluckt.
Nebenwirkungen führen zur Verunsicherung und gleichzeitig bleiben mögliche Interaktionen mit der Begleitmedikation oft unentdeckt. Apothekenteams sind häufig niedrigschwellige Ansprechpartner bei Fragen zur Therapie oder bei neu auftretenden Beschwerden. Durch strukturierte Beratung, frühzeitiges Erkennen von Warnsignalen (Kasten), Beachtung von Komorbiditäten und konsequente Interaktionsprüfung können sie wesentlich zur Arzneimitteltherapiesicherheit beitragen. Die Herausforderung besteht darin, Beschwerden einzuordnen, potenzielle Risiken zu erkennen und gleichzeitig die Therapietreue zu sichern.

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Patienten sollten sich umgehend an das Behandlungsteam wenden, wenn eines der folgenden Symptome auftritt:
Weitere Warnzeichen sind:
Hinweis für die Beratung: Die Patienten sollten informiert werden, dass Nebenwirkungen von oralen Tumortherapeutika häufig behandelbar sind. Eine frühzeitige Rückmeldung an das Behandlungsteam kann helfen, Komplikationen und Therapieabbrüche zu vermeiden.
Im Apothekenalltag stehen Tumordiagnosen selten im Vordergrund. Die Patienten wenden sich vielmehr mit konkreten Beschwerden an die Apotheke: Durchfall, Hautveränderungen, Fatigue oder Infektanzeichen. Einige häufige und patientenrelevante UAW sind in der Tabelle 1 aufgeführt.
Für viele Nebenwirkungen gibt es inzwischen evidenzbasierte Empfehlungen zum Management. Eine wichtige Orientierung bietet die S3-Leitlinie »Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen« (Stand April 2025), die unter Federführung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften entwickelt wurde. Sie fasst evidenzbasierte Maßnahmen zur Prävention und Behandlung therapiebedingter Nebenwirkungen zusammen und ist eine wertvolle Informationsquelle für die pharmazeutische Beratung.
| Wirkstoffgruppen (Beispiele) | Kurzmanagement in der Apotheke | Hinweis auf mögliche Red Flags |
|---|---|---|
| Diarrhö | ||
| Tyrosinkinase-Inhibitoren, zum Beispiel EGFR-, ALK-, VEGFR-TKI,Einige PARP-Inhibitoren, Capecitabin | Flüssigkeitszufuhr und Elektrolyte thematisieren,frühzeitig Antidiarrhoika nach ärztlicher Empfehlung einsetzen,Ernährung anpassen | anhaltende oder schwere Diarrhö, Fieber, Zeichen der Dehydratation |
| Übelkeit, Erbrechen | ||
| PARP-Inhibitoren,einige TKI,klassische orale Zytostatika, zum Beispiel Capecitabin, Temozolomid | Einnahmezeitpunkt prüfen,kleine Mahlzeiten empfehlen,Antiemetika nach ärztlicher Vorgabe | starkes oder anhaltendes Erbrechen, fehlende Flüssigkeitsaufnahme |
| Mukositis, Stomatitis | ||
| mTOR-Inhibitoren, einige zielgerichtete Therapien und Zytostatika | konsequente Mundpflege,reizende Speisen vermeiden,alkoholfreie Mundspülungen | starke Schmerzen, Nahrungsaufnahme nicht möglich, Pilzverdacht |
| Dermatologische Toxizität (Exanthem, trockene Haut) | ||
| vor allem EGFR-Inhibitoren und andere TKI | frühzeitige Hautpflege,UV-Schutz,irritierende Hautprodukte vermeiden | ausgeprägte Hautreaktionen oder rasche Verschlechterung |
| Hand-Fuß-Syndrom | ||
| Capecitabin,Multikinase-Inhibitoren, zum Beispiel Sorafenib, Regorafenib, Sunitinib | Druck und Reibung reduzieren,intensive Hautpflege,frühzeitige Beratung bei ersten Symptomen | Schmerzen, Blasenbildung oder funktionelle Einschränkung |
| Fatigue, Leistungsminderung | ||
| zahlreiche zielgerichtete Therapien,PARP-Inhibitoren,antihormonelle Therapien | Aktivitätsplanung,moderate Bewegung,Belastungssteuerung besprechen | ausgeprägte Verschlechterung oder Begleitsymptome |
| Hämatotoxizität, Infektanfälligkeit | ||
| CDK4/6-Inhibitoren, PARP-Inhibitoren,einige TKI,orale Zytostatika | Patienten für Infektanzeichen sensibilisieren,Selbstmedikation bei Fieber kritisch prüfen | Fieber oder Infektanzeichen unter Therapie |
| Hypertonie | ||
| VEGF-/VEGFR-gerichtete Therapien, zum Beispiel Multikinase-Inhibitoren | regelmäßige Blutdruckkontrolle empfehlen,Interaktionen und OTC prüfen | neu auftretender oder stark erhöhter Blutdruck |
| QT-Verlängerung, Arrhythmien | ||
| einzelne TKI | Interaktionscheck,Elektrolytverluste durch gastrointestinale Toxizität berücksichtigen | Synkope, Palpitationen oder Schwindel |
| Hepatotoxizität | ||
| substanzabhängig bei verschiedenen zielgerichteten Therapien möglich | Phytotherapeutika und Nahrungsergänzungsmittel aktiv erfragen,potenziell hepatotoxische Kombinationen vermeiden | Ikterus, dunkler Urin, Oberbauchschmerzen |
| Metabolische Effekte, zum Beispiel Hyperglykämie | ||
| einige zielgerichtete Therapien, zum Beispiel mTOR-Inhibitoren | Blutzuckerwerte beachten,Begleitmedikation prüfen | symptomatische Stoffwechselentgleisung |