Gastrointestinale Beschwerden wie Durchfälle oder Übelkeit zählen zu den häufigsten Nebenwirkungen bei oralen Tumortherapeutika. / © Shutterstock/Irina Shatilova
»Eigentlich sollte ich die Tabletten jeden Tag nehmen, aber gestern habe ich sie weggelassen.« Die Patientin wirkt unsicher, während sie ihr Rezept für ein Krebsmedikament in der Apotheke vorlegt. Seit einigen Tagen habe sie Durchfall, außerdem fühle sie sich ungewöhnlich erschöpft. Ob das normal sei, wisse sie nicht. Deshalb habe sie die Einnahme vorsichtshalber pausiert.
Solche Situationen gehören mittlerweile zum Alltag vieler Apotheken, denn die Onkologie hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten grundlegend verändert. Während früher vor allem intravenöse Chemotherapien dominierten, die in einem eng überwachten klinischen Setting infundiert werden, stehen heute zielgerichtete Wirkstoffe und hormonelle Therapien zur Verfügung, die oral eingenommen werden. Für viele Patienten bedeutet dies eine deutliche Erleichterung: Die Behandlung kann im häuslichen Umfeld erfolgen, regelmäßige Infusionstermine entfallen und der Alltag lässt sich besser strukturieren.
Die fundierte persönliche Beratung in der Apotheke gibt den Patienten die nötige Sicherheit im Umgang mit einer komplexen Medikation. / © Shutterstock/BearFotos
Damit verlagert sich jedoch ein Teil der Verantwortung auf die Patienten und ihre Angehörigen. Fragen zur richtigen Einnahme, zum Umgang mit Nebenwirkungen oder zur Einordnung neuer Symptome müssen häufig eigenständig beantwortet werden.
Zudem hat sich das Nebenwirkungsprofil deutlich verschoben. Klassische Chemotherapien verursachen typischerweise akute und häufig schwerwiegende Toxizitäten, die von Ärzten eng überwacht werden. Zielgerichtete Therapien hingegen führen häufig zu eher chronischen, teilweise moderaten, aber dauerhaft belastenden Nebenwirkungen. Diese können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und langfristig die Therapietreue gefährden.