Für die Beratung zu oralen Tumortherapeutika stehen mehrere spezialisierte Informationsquellen zur Verfügung, die Apotheker bei der Einordnung von Nebenwirkungen und Interaktionen unterstützen.
Die Onkologika-Datenbank der European Society of Oncology Pharmacy (ESOP) und der Deutschen Gesellschaft für Onkologische Pharmazie liefert pharmakologische Informationen zu onkologischen Wirkstoffen und zur Begleittherapie sowie Übersichten zu Nebenwirkungen und Dosierungsschemata; zudem ermöglicht sie die Erstellung patientenindividueller Medikationspläne.
Die Datensammlung des AMBORA-Projekts stellt praxisorientierte Merkblätter zum Management häufiger Nebenwirkungen sowie Informationen zu Interaktionen mit OTC-Präparaten, Phytotherapeutika und Nahrungsergänzungsmitteln bereit.
Die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie bieten evidenzbasierte Informationen zu Therapiestrategien und Nebenwirkungen.
Ergänzend stellt der Krebsinformationsdienst verständliche Informationen für Patienten bereit, die sich gut in Beratungsgesprächen einsetzen lassen.
Die S3-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften enthält umfassende evidenzbasierte Empfehlungen zur Prävention und Behandlung therapiebedingter Nebenwirkungen.
Mit der wachsenden Zahl zielgerichteter Substanzen nimmt auch die Bedeutung ambulanter und oral verabreichter Tumortherapien kontinuierlich zu. Mit der Verlagerung der Therapie in den häuslichen Bereich steigen die Anforderungen an das Nebenwirkungsmanagement, die Interaktionsprüfung und die Therapietreue. Diese wichtige Rolle können und müssen Apotheker übernehmen. Durch strukturierte Beratung, frühzeitiges Erfassen von Warnzeichen und systematische Überprüfung der Begleitmedikation lassen sich viele Probleme im Alltag der Patienten frühzeitig erkennen.
Die pDL »Pharmazeutische Betreuung bei oraler Antitumortherapie« bietet den geeigneten Rahmen für eine intensive Beratung. / © Shutterstock/PeopleImages
Die pDL »Pharmazeutische Betreuung bei oraler Antitumortherapie« bietet hierfür einen geeigneten Rahmen. Leider wissen immer noch viele Patienten und selbst Ärzte nicht, dass diese pDL existiert – ja, sogar ein Anspruch darauf besteht. Apothekenteams sollten Menschen mit oraler Tumortherapie aktiv darauf ansprechen und die pDL anbieten. Da die zielgerichteten Medikamente, insbesondere bei Erstverordnungen, in der Regel bestellt werden müssen, eröffnet sich hier ein organisatorisches Zeitfenster für die Vorbereitung auf das Erstgespräch.
In Kombination mit evidenzbasierten Leitlinien zur supportiven Therapie und spezialisierten Informationsressourcen kann die Beratung dazu beitragen, die Arzneimitteltherapiesicherheit zu verbessern, und Patienten langfristig in ihrer Therapie unterstützen. Damit wird die Apotheke zu einem Sicherheitsanker in der interdisziplinären Betreuung onkologischer Patienten im ambulanten Setting.
Oliver Scherf-Clavel studierte Pharmazie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und erhielt 2012 die Approbation als Apotheker. 2016 folgten die Promotion im Fach Medizinische Chemie/Pharmazeutische Analytik und ein Postdoc-Aufenthalt am IBMP in Nürnberg-Heroldsberg. Von 2017 bis 2022 hatte Scherf-Clavel die Juniorprofessur für Klinische Pharmazie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg inne. Nach einer kurzen Tätigkeit an der Hochschule Aalen ist Scherf-Clavel seit Oktober 2023 Professor für Klinische Pharmazie und Pharmakotherapie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er ist derzeit Vorsitzender der Fachgruppe Klinische Pharmazie der DPhG.