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Nebenwirkungen
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Orale Tumortherapie sicher begleiten

Eine orale Krebsmedikation gibt den Patienten viel mehr Flexibilität, bedeutet aber auch mehr Verantwortung im Umgang mit der Therapie. Hier kann die Apotheke zum Sicherheitsanker werden: durch frühzeitige Beratung, strukturierte Begleitung und das rechtzeitige Erkennen von Warnsignalen.
AutorKontaktOliver Scherf-Clavel
Datum 10.05.2026  08:00 Uhr

Hämatologische Nebenwirkungen

Viele zielgerichtete Wirkstoffe können die Hämatopoese beeinflussen und zu Zytopenien führen (Tabelle 1). Besonders relevant ist die Neutropenie, die das Risiko schwerer Infektionen erhöht.

Ein klassisches Beispiel sind CDK4/6-Inhibitoren wie Abema-, Palbo- und Ribociclib, die die Regulation des Zellzyklus beeinflussen. Durch Hemmung bestimmter Cyclin-abhängiger Kinasen wird die Zellproliferation in der G1-Phase gestoppt. Dieser Mechanismus hemmt Tumorzellen am Wachstum, kann aber auch schnell proliferierende gesunde Zellen betreffen – darunter Vorläuferzellen der Hämatopoese im Knochenmark.

Für Patienten ist diese Nebenwirkung häufig nicht unmittelbar erkennbar. Umso wichtiger ist es, sie für Warnzeichen wie Fieber, Schüttelfrost oder ausgeprägtes Krankheitsgefühl zu sensibilisieren. Fieber während einer onkologischen Therapie sollte grundsätzlich ärztlich abgeklärt werden. Zentrale Aufgabe der Apotheke ist es, frühzeitig Warnsymptome zu erkennen und die Grenzen der Selbstmedikation klar zu kommunizieren.

Dermatologische Toxizität

Hauttoxizitäten gehören zu den typischen Nebenwirkungen vieler zielgerichteter Therapien. Besonders häufig treten sie bei Inhibitoren des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors (EGFR) auf, zum Beispiel Afa-, Erlo- und Gefitinib. Dieser Rezeptor spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation der Zellproliferation und Differenzierung in der Haut. Wird der Signalweg pharmakologisch gehemmt, kann dies zu Störungen der Hautbarriere und zu entzündlichen Hautreaktionen führen.

Die Leitlinie zur supportiven Therapie empfiehlt unter anderem frühzeitige hautpflegende Maßnahmen sowie eine konsequente Prävention, da sich dadurch der Schweregrad dermatologischer Nebenwirkungen häufig reduzieren lässt. Zur Prävention gehören konsequente Hautpflege, UV-Schutz sowie die Vermeidung mechanischer oder chemischer Belastungen der Haut. Einen hohen Stellenwert hat die Basispflege mit Urea-Cremes (5 Prozent).

Klinisch äußert sich die dermale Toxizität häufig als akneiformes Exanthem, trockene Haut oder Juckreiz. Auch das sogenannte Hand-Fuß-Syndrom, das unter bestimmten Wirkstoffen auftreten kann, ist eine relevante dermatologische Nebenwirkung. Auch wenn diese Symptome meist nicht lebensbedrohlich sind, können sie die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und zu Therapiepausen führen.

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