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Nebenwirkungen
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Orale Tumortherapie sicher begleiten

Eine orale Krebsmedikation gibt den Patienten viel mehr Flexibilität, bedeutet aber auch mehr Verantwortung im Umgang mit der Therapie. Hier kann die Apotheke zum Sicherheitsanker werden: durch frühzeitige Beratung, strukturierte Begleitung und das rechtzeitige Erkennen von Warnsignalen.
AutorKontaktOliver Scherf-Clavel
Datum 10.05.2026  08:00 Uhr

Kardiovaskuläre und metabolische Effekte

Einige Wirkstoffklassen können kardiovaskuläre Effekte wie Hypertonie oder Veränderungen der Herzrhythmik verursachen. Besonders bekannt ist die Hypertonie unter VEGF-gerichteten Therapien, zum Beispiel mit Lenvatinib, Cabozantinib oder Regorafenib; diese wird auf eine verminderte Bildung vasodilatatorischer Faktoren, insbesondere Stickstoffmonoxid, und eine endotheliale Dysfunktion zurückgeführt.

Auch Veränderungen der kardialen Erregungsleitung (QT-Zeit-Verlängerung) können auftreten. Diese sind vor allem dann klinisch relevant, wenn zusätzliche Risikofaktoren wie Elektrolytstörungen oder interagierende Begleitmedikation vorliegen.

Zu den metabolischen Effekten gehören Störungen des Glucose- oder Lipidstoffwechsels. Diese können unter anderem durch Eingriffe in zelluläre Signalwege entstehen, die auch bei der Regulation des Energiestoffwechsels eine Rolle spielen.

Fatigue

Fatigue zählt zu den häufigsten und zugleich belastendsten Beschwerden bei Krebspatienten. Sie äußert sich als anhaltende körperliche und geistige Erschöpfung, die sich durch Ruhe oder Schlaf kaum bessert und deutlich über ein »normales« Müdigkeitsgefühl hinausgeht. Die Entstehung ist multifaktoriell. Neben direkten Therapieeffekten spielen entzündliche Prozesse, Veränderungen im Energiestoffwechsel, Anämie, Schlafstörungen sowie psychische Belastungen eine Rolle. Auch Begleiterkrankungen oder Arzneimittel können zur Ausprägung der Fatigue beitragen.

In der Apotheke ist zunächst eine sensible Einordnung der Beschwerden wichtig. Gleichzeitig sollten mögliche Ursachen, etwa eine Anämie oder Stoffwechselstörungen, bedacht und bei entsprechenden Hinweisen ärztlich abgeklärt werden.

Die Patienten sollten wissen, dass es Strategien zur Linderung der Fatigue gibt. Eine frühzeitige Aufklärung kann helfen, die Lebensqualität zu verbessern und die Therapietreue sicherzustellen. Im Vordergrund stehen Maßnahmen zum Selbstmanagement. Dazu gehören eine realistische Belastungssteuerung, regelmäßige moderate körperliche Aktivität sowie eine Tagesstruktur mit bewusst eingeplanten Erholungsphasen. Auch Schlafhygiene und eine ausgewogene Ernährung können unterstützend wirken.

Konkret können Patienten davon profitieren, größere Aktivitäten in energiereichere Tagesphasen zu legen und Aufgaben bewusst zu priorisieren (»Energiehaushalt planen«). Ebenso hat sich leichte regelmäßige Bewegung – etwa tägliche Spaziergänge – als hilfreich erwiesen, um die Fatigue langfristig zu reduzieren, auch wenn dies initial kontraintuitiv erscheinen mag.

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