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Inhalativa
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Kleine Fehler, große Folgen

Bis zu 90 Prozent der Patienten mit Asthma oder COPD wenden ihren Inhalator fehlerhaft an – mit messbaren Folgen für Lungenfunktion, Lebensqualität und Hospitalisierungsrate. Worauf kommt es bei den einzelnen Inhalatoren an und welchen Beitrag können strukturierte Schulungen im Apothekenalltag zum Therapieerfolg leisten?
AutorKontaktIna Richling
Datum 03.05.2026  08:00 Uhr

Unterschiedliche Inhalationssysteme

Das klassische Dosieraerosol (DA) enthält den Wirkstoff in einem unter Druck stehenden Behälter, gelöst oder suspendiert in einem Treibmittel, meist auf Basis von Hydrofluoralkanen. Beim Auslösen des Sprühstoßes entsteht eine Aerosolwolke, die der Patient koordiniert mit einem langsamen, tiefen Atemzug inhalieren muss. Diese Hand-Atem-Koordination ist eine der zentralen Herausforderungen. Atemzug-getriggerte Systeme lösen den Sprühstoß automatisch aus, sobald der Patient einzuatmen beginnt, und umgehen damit das Koordinationsproblem weitgehend.

Bei Pulverinhalatoren (DPI, Dry Powder Inhalers) liegt der Wirkstoff als Pulver vor und wird durch den inspiratorischen Atemfluss des Patienten dispergiert beziehungsweise desagglomeriert und in die Lunge transportiert. Da dieser Mechanismus von einer ausreichend kräftigen Einatmung abhängt, ist der inspiratorische Spitzenfluss (Peak Inspiratory Flow, PIF) ein zentraler Parameter. Ist er zu niedrig, wird das Pulver nicht ausreichend dispergiert, wodurch Wirkstofffreisetzung und pulmonale Deposition beeinträchtigt sein können. Devices mit niedrigem Widerstand erfordern meist höhere inspiratorische Fluss¬raten, während bei Devices mit höherem Widerstand häufig geringere Flüsse ausreichen.

Darüber hinaus gibt es einen treibgasfreien Soft-Mist Inhalator, der durch mechanische Energie in Form von Federkraft eine langsame, feine Aerosolwolke erzeugt. Diese bewegt sich wesentlich langsamer als beim Dosieraerosol, was die Koordinationsanforderung reduziert und die Wirkstoffdeposition in der Lunge verbessert. Das Gerät gegen einen Federwiderstand zu drehen, kann für Patienten mit eingeschränkter Handkraft jedoch schwierig sein.

Vernebler verwandeln eine wässrige Arzneistofflösung durch Ultraschall oder Druckluft in ein inhalierbares Aerosol. Der Patient atmet durch ein Mundstück oder eine Maske. Die Wirkstoffdeposition ist hierbei in der Regel geringer als bei korrekt angewendeten DA oder DPI. Vernebler werden vor allem bei schweren Exazerbationen, bei Kindern und bei Patienten eingesetzt, die andere Inhalatoren nicht korrekt bedienen können. Sie erfordern vonseiten des Patienten praktisch keine Technik, aber einen größeren Zeitaufwand und eine regelmäßige Gerätedesinfektion.

Merkmal Dosieraerosol Pulverinhalator Soft-Mist-Inhalator Vernebler
Wirkprinzip durch Treibmittel freigesetzt, schnelle Aerosolwolke durch inspiratorischen Atemfluss aktiviert, Pulverdeagglomeration mechanisch ausgelöst, langsame Aerosolwolke Ultraschall oder Druckluft, wässrige Lösung
Koordinations­anforderung hoch (Hand-Atem-Koordination) gering (kein Auslösen nötig) mittel keine
PIF-Anforderung keine (langsamer Atemzug bevorzugt) je nach Widerstand sind Flussraten von 30 bis
>60 l/min nötig
gering (normales Atemzugvolumen) keine
Spacer möglich ja (empfohlen) nein nein nein (Maske/Mundstück)
Klimabelastung hoch (HFA-Treibmittel) gering gering gering
Typisches Patientenprofil alle, mit Spacer auch bei eingeschränkter Koordination ausreichender PIF, keine schwere Obstruktion eingeschränkte Handkraft, Koordinationsprobleme schwere Exazerbation, Kinder, nicht schulbare Patienten
Tabelle 1: Vergleich der Inhalatorsysteme. PIF: Peak Inspiratory Flow, maximaler inspiratorischer Fluss; HFA: Hydrofluoralkane
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